Studieren in Europa Dag! Buenos días! Labdien!

Schluss mit der Stubenhockerei - deutschen Abiturienten steht die ganze EU offen. Häufig lassen aber die Kosten den Auslandstraum platzen. Während zum Beispiel Großbritannien Höchstpreise gelten, lockt Osteuropa mit Mini-Budgets. Ein Vergleich lohnt sich.

Von Britta Mersch


Bei Katja Möllerherm war es eigentlich Zufall. Vom Studienangebot "Pferdemanagement" im niederländischen Leeuwarden hörte die 22-Jährige aus Mettingen in Westfalen von einer Bekannten - und sie war sofort begeistert: "Für mich ist das genau das richtige Fach", sagt Katja, "ich wollte immer etwas studieren, was mit Pferden zu tun hat." Da es einen reinen Pferde-Studiengang in Deutschland allerdings bis dato nicht gab (nur die Universität Göttingen richtet jetzt das Fach "Pferdewissenschaften" ein), blieb für Katja Möllerherm nur der Weg ins Ausland.

Studienkosten: Ländervergleich lohnt
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Studienkosten: Ländervergleich lohnt

Diese Entscheidung bedeutete für die angehende Pferdewirtin ziemlichen Aufwand: Neben der obligatorischen Wohnungssuche und dem Auszug von zu Hause musste sie sich mit dem niederländischen Studiensystem vertraut machen und in einem vierwöchigen Crash-Kurs eine neue Sprache erlernen. Und dann sind da noch die Studiengebühren von rund 1500 Euro pro Jahr. "Von denen bekomme ich aber rund 900 Euro erstattet, weil ich EU-Bürgerin bin", sagt Katja Möllerherm.

600 Euro im Jahr an Studiengebühren, dazu 250 Euro monatlich für ein Zimmer und das Geld zum Leben: Studenten in den Niederlanden benötigen rund 540 Euro im Monat - das sind sogar noch rund 100 Euro weniger, als Studenten in Deutschland durchschnittlich aufbringen müssen. Der Blick in andere Länder kann sich also durchaus lohnen, denn unter Umständen lässt sich dadurch der ein oder andere Euro sparen.

Billiger studieren in Osteuropa

In einem europaweiten Vergleich hat die EU beispielsweise für Spanien durchschnittliche Lebenshaltungskosten von 430 Euro ermittelt - die Kosten für ein Studentenzimmer liegen hier bei gerade mal 100 Euro. Ähnlich günstig ist das Studium in Portugal. Auch viele der neuen EU-Mitglieder sind, rein finanziell betrachtet, attraktive Studienorte: So müssen etwa Studenten in Lettland nur 260 Euro im Monat aufbringen, in kleineren Städten sogar noch deutlich weniger. Am oberen Ende der Skala liegen Großbritannien mit über 1100 Euro, Österreich mit fast 900 Euro und Finnland mit gut 800 Euro Lebenshaltungskosten.

Diese Zahlen können sich jedoch noch deutlich verändern, wenn zusätzlich Studiengebühren fällig werden. Und die sind häufig für Gaststudenten aus Deutschland erheblich höher als für Inländer, selbst wenn die EU-Kommission betont: "Grundsätzlich gilt: Die jeweilige Schule oder Hochschule muss Sie zu den gleichen Bedingungen aufnehmen wie Bürger des eigenen Landes."

Doch Theorie und Praxis fallen hier an vielen Hochschulen im Ausland auseinander. Beispiel Polen: Grundsätzlich ist das Studium gebührenfrei, trotzdem fordert etwa die Universität Warschau nach Angaben des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) von deutschen Studenten zwischen 2000 und 5000 Euro pro Jahr, weitere 4000 bis 9000 Euro werden für verpflichtende Sprachkurse fällig. Ähnlich ist das Prinzip in Tschechien: Die für Gaststudenten besonders attraktiven englischen Studiengänge kosten bis zu 10.000 US-Dollar im Jahr, die Studienangebote in der Landessprache sind dagegen kostenfrei.

Austauschprogramme für mehr Komfort

Eine gute Alternative zum kompletten Studium im Ausland sind deshalb offizielle Austauschprogramme wie Sokrates oder Erasmus. Für ein bis zwei Semester im Ausland müssen Gaststudenten die örtlichen Studiengebühren nicht bezahlen und bekommen auch noch einen Mobilitätszuschuss, der je nach Zielland variiert.

Über 55.000 Studenten im Jahr nutzen dieses Angebot. "Großbritannien ist zwar nach wie vor sehr beliebt", sagt Siegbert Wuttig vom DAAD, "der Trend geht aber auch nach Skandinavien oder in die neuen EU-Mitgliedsländer, weil es dort immer mehr Studiengänge in englischer Sprache gibt."

Von der ungewohnten Sprache hat sich Katja Möllerherm nicht abschrecken lassen, als sie sich zum Studium in Leeuwarden entschloss. "Die ersten Wochen waren zwar die Hölle", erinnert sie sich an ihre Startprobleme, "der Sprachkurs war schlimmer als mein Abi." Aber jetzt, gut 20 Monate später, hat sie mit den niederländischen Vorlesungen keine Probleme mehr. Ganz im Gegenteil: "Oft schneiden wir sogar besser ab als die Muttersprachler."



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