Beliebter als Frankreich An deutschen Unis studieren immer mehr junge Menschen aus dem Ausland

Deutsche Unis haben im Ausland offenbar einen guten Ruf: Zunehmend mehr internationale Studenten zieht es in die Bundesrepublik - besonders oft kommen sie aus China. Als Studienland der Wahl hat Deutschland sogar Frankreich überholt.

Studierende an der Universität Leipzig (Archivbild 2014)
DPA

Studierende an der Universität Leipzig (Archivbild 2014)


Die Bundesrepublik ist einer Untersuchung zufolge zum beliebtesten nicht-englischsprachigen Gastland für Studenten aus aller Welt aufgestiegen. Nach den USA, Großbritannien und Australien waren in Deutschland im Jahr 2016 - neuere Vergleichszahlen liegen noch nicht vor - die meisten ausländischen Studenten eingeschrieben. Damit hat Deutschland Frankreich als viertbeliebtestes Land zum Studieren überholt.

Das geht aus dem Bericht "Wissenschaft weltoffen 2019" hervor, den der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) am Donnerstag vorlegen wollen. Der Bericht lag der Nachrichtenagentur dpa vorab vor.

Im Jahr 2016 haben demnach fast 252.000 sogenannte Bildungsausländer (ausländische Studierende, die nicht in Deutschland ihr Abitur gemacht haben) an deutschen Hochschulen studiert - rund 16.000 mehr als ein Jahr zuvor und gut 6000 mehr als in Frankreich. Die Zahlen sind auch in den Folgejahren weiter gestiegen: Im Wintersemester 2017/2018 waren 282.000 internationale Studierende in Deutschland eingeschrieben.

Deutschland werde international immer attraktiver, sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek anlässlich der Vorstellung des Berichts. "Darauf können wir stolz sein, und das sollte uns anspornen, noch besser zu werden." Auch die Zahl der ausländischen Wissenschaftler an deutschen Hochschulen ist stark gestiegen. Nach Angaben des DZHW hat sie sich in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt.

37.000 chinesische Studierende

Vor allem chinesische Studierende zieht es nach Deutschland. Sie führten 2018 mit 37.000 an deutschen Hochschulen eingeschriebenen Männern und Frauen die Liste an, vor Indien (17.300), Österreich (11.100), Russland (10.800), Italien (8900) und Syrien (8600).

Was motiviert ausländische Studenten dazu, nach Deutschland zu kommen? Hier verweist die Studie auf eine bereits früher veröffentlichte Befragung aus dem Jahr 2016. Dort bezeichneten es drei Viertel als "zutreffend" oder "voll und ganz zutreffend", dass sie sich aufgrund der Qualität der Hochschulausbildung für ein Studium in Deutschland entschieden hätten. Mehr als 80 Prozent gaben an, dass sie ihren Freunden und Bekannten in ihrem Herkunftsland Deutschland als Studienort weiterempfehlen würden.

Der Bericht erwähnt aber auch die Möglichkeit, dass sich manche ausländische Studierende aus finanziellen Gründen für ein Studium in Deutschland entschieden haben könnten. Im Vergleich zu angelsächsischen Ländern ist es in fast allen Bundesländern gebührenfrei und die Lebenshaltungskosten in Deutschland sind vergleichsweise niedrig.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, das Studium in Deutschland sei für ausländische Studierende gebührenfrei. Tatsächlich hat Baden-Württemberg zum Wintersemester 2017/2018 Gebühren für internationale Studenten eingeführt. Wir haben die Stelle korrigiert.

lov/dpa



insgesamt 76 Beiträge
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gehmlich 15.08.2019
1. Hoffen wir doch,
dass nach dem Studium diese gut ausgebildeten Fachkräfte auch in Deutschland oder der EU bleiben.
kenzino 15.08.2019
2. Gebühren
"Der Bericht erwähnt aber auch die Möglichkeit, dass sich manche ausländische Studierende aus finanziellen Gründen für ein Studium in Deutschland entschieden haben könnten. Im Vergleich zu angelsächsischen Ländern ist es gebührenfrei" - Deutschland ist für Nicht-Europäer die EINZIGE gebührenfreie Option, außer Norwegen mit seinen astronomischen Lebenshaltungskosten. Bis dieses Jahr gehörte auch Frankreich noch dazu, aber dort gibt es nun auch Gebühren.
success4us 15.08.2019
3. Der gute Ruf...
kommt daher, weil der deutsche Steuerzahler fuer dieses Szenario grosszügig zur Kasse gebeten wird In Holland z.B. zahlt der holländische Student wenig, ein Deutscher Student (EU Mitglied) ca 2000 Euro im Jahr und ein nicht EU-Student 8000 - 10.000 Euro In GB und USA sind die Kosten nochmals höher, dafür erlaubt das Studium an den Elite-Universitäten auch einen Elite Berufsweg. Vielleicht wacht Deutschland auch irgendwann mal auf und bittet die nicht Deutschen die auf Kosten unseres Steuergeldes hier studieren, endlich zur Kasse
defy_you 15.08.2019
4. Na klar - der deutsche Steuerzahler kommt ja auch dafür auf
Es geht hier nicht um die Qualität der Lehre. Es geht schlicht darum, dass Deutschland sich den Luxus leistet, ausländische Staatsbürger auf kosten eigner Steuerzahler zu unterrichten. Aber Hauptsache man kann sich selbst einreden, dass das für die Qualität der Lehre spricht und das ein positives Signal wäre.
fri1305 15.08.2019
5. Nicht der Ruf sondern der Preis
Der einzige Grund warum die Chinesen nach Deutschland studieren kommen sind die fehlenden Studiengebühren und nicht der Ruf. Deutsche Unis sind nicht schlecht aber unbekannt in China. Der Deutsche Steuerzahler kann die ja ausbilden Gruß aus Beijing
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