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Studieren in Göteborg: Teuer, aber toll

Foto: Christoph Petry

Was kostet die Welt? Göteborg, unisex und übersichtlich

Wasser im Club, Essen aus der Mikrowelle: Göteborg macht auch Studenten Spaß, die sich die Schweden-Metropole eigentlich nicht leisten können. Christoph Petry studierte dort, lernte Spartricks und eine Gastfreundschaft kennen, die man im kühlen Norden gar nicht erwartet.

Für ihre Austauschstudenten legt sich die Uni Göteborg ordentlich ins Zeug: In der Einführungswoche werden Zimtschnecken und belegte Brötchen gereicht, es gibt einen offiziellen Empfang der Stadt und Gutscheine fürs Museum und Theater. Dank der schwedischen Gastfreundschaft können sich Erasmus-Studenten in den ersten Tagen also ohne Probleme kostenlos durchfuttern.

Das sollten sie ausnutzen. Denn angesichts der hohen Lebenshaltungskosten in Göteborg stellen sich viele zu Beginn ihres Studienaufenthalts die Frage: Wie soll man hier ein Semester lang überleben? Es geht, wenn man sich einige Spartricks der schwedischen Kommilitonen abguckt - zum Beispiel Mikrowellenessen und Fahrräder.

Göteborger Studenten sind locker drauf, sie duzen ihre Dozenten - so wie sich in Schweden sowieso fast alle duzen - und die Toiletten auf dem Campus sind nicht nach Geschlecht getrennt. Gleichberechtigung wird so groß geschrieben, dass Frauen und Männer ganz selbstverständlich dieselben WC-Kabinen benutzen. Und auch außerhalb der Uni gibt's so viel zu entdecken, dass man hier ein tolles Auslandssemester verbringen kann - wenn man sich nicht vom ersten Blick auf die Preisschilder die Stimmung vermiesen lässt.

Familienanschluss statt WG: Abreise ins Ungewisse

Wohnungsnot herrscht in Göteborg genauso wie in vielen deutschen Uni-Städten. Günstige Zimmer sind knapp, Garantie auf einen Wohnheimplatz gibt es nicht.

Trotzdem haben die meisten Austauschstudenten zum Semesterstart ein festes Dach über dem Kopf. Viele kommen im größten Wohnheim der Stadt unter, dem "Olofshöjd". Das hat über 1400 Betten und gleicht einem Dorf. Ein Einzelzimmer kostet pro Monat um die 3700 Schwedische Kronen, umgerechnet rund 430 Euro. Für Göteborg ist das billig. Außerdem hat jeder ein eigenes Bad, die Gemeinschaftsküchen werden wöchentlich geputzt, und die Studenten können eine Turnhalle und mehrere Saunen kostenlos nutzen.

Auf jeden Fall kann man sich auch ohne feste Bleibe zum Studium nach Göteborg wagen. Zwar droht zu Semesterbeginn ein Bett in einem teuren Hostel oder ein Schlafplatz auf dem Sofa von Freunden - doch Hartnäckigkeit lohnt sich. Meistens ergibt sich in den ersten Tagen vor Ort etwas. Viele Austauschstudenten ziehen bei Familien oder Alleinstehenden zur Untermiete ein. In Schweden ist das nicht ungewöhnlich. Die Preise (ab rund 340 Euro) liegen oft sogar unter denen eines Wohnheimplatzes.

Fahrrad statt Monatsticket: Wenigstens bei schönem Wetter

Die blauen Busse und Straßenbahnen zählen zu den Wahrzeichen Göteborgs. Günstig sind sie nicht. Ein Monatsticket für unter 26-Jährige kostet 380 Schwedische Kronen (rund 44 Euro), Dreimonats-Tickets gibt's für 1025 Kronen (rund 120 Euro). Wenn es draußen kalt und nass ist, lohnt sich die Investition.

Bei schönem Wetter ist Fahrradfahren sinnvoller. Mit seinen über 520.000 Einwohnern ist Göteborg für skandinavische Verhältnisse zwar eine Metropole. Doch die meisten Uni-Gebäude liegen im Zentrum und sind mit dem Rad gut zu erreichen. Und wer den Nahverkehr nur gelegentlich nutzt, ist mit Einzelfahrscheinen (rund 2,80 Euro) günstiger dran.

Übrigens: Die Straßenbahn-Tickets gelten auch für Fährfahrten zu den Schären. Das sind felsige Inseln vor der Küste Göteborgs. Ein wunderschönes Ausflugsziel, für das man nicht draufzahlen muss. Nicht weit vom Göteborger Stadtzentrum entfernt liegen außerdem einige idyllische Seen zum Baden und Kanufahren.

Weitere Reisen sind in Schweden erstaunlich preiswert. Zu den Metropolen Stockholm und Kopenhagen gibt's fast stündlich Zugverbindungen, Studenten bekommen Rabatt. Und schon ab rund 14 Euro kann man mit dem Fernbus von Göteborg nach Oslo oder Malmö düsen. Je nach Angebot geht's manchmal sogar noch günstiger.

Mikrowelle statt Mensa: Für unter fünf Euro nichts Warmes

Kochmuffel haben in Göteborg ein Problem: Die Uni hat keine Mensa. Zwar gibt es in allen größeren Gebäuden Cafés. Deren Angebot an Gebäckteilchen (ab umgerechnet 1,70 Euro) oder belegten Brötchen (ab 2,80 Euro) reicht aber meist nur für eine kleine Zwischenmahlzeit. Einige Uni-Cafés servieren auch warme Mahlzeiten. Doch für unter 45 Kronen (rund 5,20 Euro) gibt's nichts auf den Teller. Das ist deutlich teurer als in deutschen Mensen.

Die meisten schwedischen Studenten bringen ohnehin ihr eigenes Essen mit in die Uni. Das wärmen sie in einer der unzähligen Mikrowellen auf. Eine Gewohnheit, mit der man im Alltag einige Kronen sparen kann.

Für eine Tasse Kaffee zahlt man in der Stadt etwa 2,80 Euro. Tipp: Oft bieten Cafés Påtår an. Das bedeutet, dass man sich Kaffee kostenlos nachfüllen kann. Im gemütlichen Viertel Haga kann man außerdem an fast jeder Ecke Kanelbullar, Zimtschnecken, kaufen.

Wer auswärts essen möchte, sollte dies am frühen Freitagabend tun. Dann veranstalten viele Restaurants und Bars "Afterwork". Das Prinzip: Man zahlt ein Getränk (rund 2,80 bis 7,50 Euro) und darf sich an einem Speisebuffet satt essen. Früh kommen lohnt sich. "Afterwork" ist vor allem bei Studenten sehr beliebt. Um 17 Uhr sind viele Restaurants schon rappelvoll.

Studentenparty statt Club: Leitungswasser ist kostenlos

In der Disco legen viele Schweden eine Verwandlung hin. Die zurückhaltenden Kommilitonen aus der Vorlesung entpuppen sich als feierfreudiges Partyvolk. Schick zurechtgemacht tanzen, trinken und flirten sie durchs Göteborger Nachtleben. Das spielt sich vor allem im Stadtzentrum ab. Dort sind die meisten Clubs und Bars gut zu Fuß zu erreichen.

Angesichts der Preise droht allerdings schon vor dem Feiern Katerstimmung. In den meisten Clubs kostet der Eintritt mindestens 80 Kronen (rund 9,30 Euro). Dazu kommen häufig Gebühren von 20 bis 30 Kronen für die Garderobe. Und für ein Bier muss man mindestens fünf Euro springen lassen. Beim Flirten einen Drink zu spendieren, sollte also gut überlegt sein.

Günstiger sind oft Partys, die Studentenorganisationen veranstalten. Ein kleines Bier kostet dort mit Glück nur die Hälfte. Einige Pubs in der Stadt verkaufen Bier ab 3,40 Euro. Für Göteborg ist das ein Schnäppchen. Wer auf ein Glas in der Hand nicht verzichten kann oder nicht unnötig Geld verprassen möchte: Leitungswasser ist in fast allen Clubs und Bars kostenlos.

Das teure Nachtleben hat den angenehmen Nebeneffekt, dass der Kontakt unter den Erasmus-Studenten umso intensiver ist. Fast jedes Wochenende finden in WGs oder in den Gemeinschaftsräumen der Wohnheime private Partys statt. So spart man nicht nur das Geld für Discos, sondern lernt auch schnell Leute aus aller Welt kennen.

Kleiner Sprachführer: Ein Glas Öl, bitte

Emil - heißt in Schweden der Held in Astrid Lindgrens Kinderbuchklassiker "Michel aus Lönneberga". In Deutschland war der Name schon durch "Emil und die Detektive" besetzt.

Fika - Kaffee trinken. Das lieben Schweden so sehr, dass sie sogar ein eigenes Wort dafür haben. Ob in der Uni, beim Shoppen oder zu Hause: Fika geht immer.

Hej - Hallo. Sich auf Schwedisch zu begrüßen, kann jeder. Wer ein paar weitere Brocken der Landesprache lernen möchte, dem bietet die Uni eine Auswahl kostenloser Sprachkurse.

Öl - ist nicht der Kraftstoff, sondern das schwedische Wort für Bier. Im Supermarkt gibt's nur Bier bis maximal 3,5 Volumenprozent zu kaufen. Getränke mit höherem Alkoholgehalt sind ausschließlich im Monopolgeschäft Systembolaget erhältlich.

Skål - Prost. Alkohol ist in Schweden deutlich teurer als in Deutschland. Aber anstoßen kann man ja auch mit Blaubeersaft oder Julmust, einer schwedischen Weihnachtslimonade.

Tack s å mycket - Vielen Dank. Die meisten Schweden sprechen sehr gut Englisch. Wenn man sich jedoch in ihrer Sprache bedankt, freuen sie sich ganz besonders.

Quiz: Überleben Sie in der Erasmus-WG?
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