Studium in Schweden "Ein weiterer Tag im Paradies"

Schwedische Traditionsunis locken mit besten Studienbedingungen und umgänglichen Dozenten, und das alles ohne Gebühren. Die Eintrittskarte ins Nachtleben löst, wer einer Nation beitritt - so heißen in Schweden die Studentenverbindungen.
Von Nora Rzadkowski

"Der König ist der Wein", schmettert der Männerchor den frisch angekommen Austauschstudenten aus aller Welt entgegen. In den ehrwürdigen Hallen der Universität Lund werden die Neulinge offiziell empfangen. Der schärpengeschmückte Vizepräsident der Universität spricht, anschließend werden Getränke gereicht. Ein herzlicher Empfang - und das alles für lau. Das Studium in Schweden kostet nämlich keine Gebühren. Gerade Plätze in den Masterprogrammen sind deshalb heiß begehrt.

"Ein weiterer Tag im Paradies", schwärmt der Australier Peter Bentley. Und paradiesisch erscheinen tatsächlich Ausstattung und Atmosphäre schwedischer Universitäten: Computer findet man auf jedem Fakultätsflur, gepolsterte Sitzplätze in sämtlichen Vorlesungen. Alle Studenten sind automatisch über die Universität versichert.

Auch an das gemütliche Tempo müssen sich Gaststudenten erst einmal gewöhnen. Zwei Vorlesungen pro Woche genügen meist, den Rest lernen die Studenten im Heimstudium oder in Arbeitsgruppen. "Ich habe mehr Orchesterproben in der Woche als Vorlesungen, das ist verrückt", schmunzelt Peter.

Das Studium soll in die Tiefe gehen, erklärt dagegen Jura-Professor Christian Häthén das schwedische System. Darum wird das Semester auch in zwei Studieneinheiten eingeteilt; oft besuchen die Studenten jeweils nur einen Kurs. Die zu bewältigende Literatur ist dafür umso umfangreicher. Und dass Prüfungen fünf Stunden dauern, ist normal.

Flapsige Sprüche zum Dozenten

Martin Skärbäck, schwedischer Elektrotechnikstudent, hat ein Jahr in Berlin verbracht. Dass man dort die Dozenten mit "Professor" oder "Doktor" anspricht, wundert ihn immer noch. "In Schweden ziehen wir unsere Professoren auch mal damit auf, dass sie eine hässliche Krawatte tragen oder mal wieder zum Friseur müssten", meint er. "Der Umgang ist viel lockerer und der Kontakt viel enger" - vielleicht auch, weil die schwedischen Traditionsuniversitäten in den beschaulichen Städten Uppsala und Lund liegen und nicht etwa in den Großstädten Stockholm oder Malmö.

Das Studium in Schweden hat für Ausländer einen entscheidenden Vorteil: Mit Englisch kommt man überall durch. Viele Universitäten bieten Kurse in Englisch an, aber auch auf der Straße, in Geschäften und Restaurants spricht fast jeder Englisch. Das liegt nicht zuletzt daran, dass schwedische Schüler schon ab der dritten Klasse Englisch lernen und Filme im Fernsehen und in den Kinos in der Originalsprache gezeigt werden.

Das Herz des studentischen Lebens sind die sogenannten Nationen, die schwedischen Studentenvereinigungen. Mit konservativ-altbackenen Burschenschaften haben sie nicht viel gemeinsam. Zwar haben auch die Nationen eine lange Tradition, aber weniger säbelrasselnd. Früher dienten sie als neue Heimat für einsame Neuankömmlinge. Hier versammelten sich Studenten gleichen Herkunftsorts zu Exilgemeinschaften innerhalb der fremden Universitätsstadt. Deswegen tragen die Nationen auch heute noch die Namen verschiedener schwedischer Regionen und Städten wie Småland, Göteborg, Malmö oder Kalmar.

Ein Stück Heimat in der Uni-Stadt

Die Mitgliedschaft hängt heute aber nicht mehr vom Herkunftsort, sondern vom Geschmack ab: Lieber eine kleine oder eine große Nation? Lieber Rockkonzerte oder Ballermann-Musik? Spieleabende oder Filmnachmittage? Die Bandbreite der Aktivitäten und Angebote ist erstaunlich. Viele Aufgaben, die in Deutschland vom Studentenwerk übernommen werden, liegen hier in den Händen der Studenten: Statt einer Mensa gibt es in vielen Nationen einen Mittagstisch zu erschwinglichen Preisen. Viele veröffentlichen ihre eigene Zeitung, in ihren Häusren stehen Wohnräume zur Verfügung.

Stellte früher noch ein Inspektor sicher, dass sich auch alle Studenten eifrig genug ihrer Arbeit widmeten, so sind die Nationen heute vor allem für ihre Feste bekannt. In einem Innenstadtlokal bezahlt man rund fünf Euro für ein Bier, hier bekommt man es für zwei. Nur beim Rauchen sind die Nationen genauso streng wie alle anderen schwedischen Lokale - geraucht werden darf seit diesem Jahr nur noch draußen.

Die schwedischen Studenten greifen deshalb gern auf kleine Tabakhäppchen zurück, die sie sich unter die Oberlippe schieben. Snus, wie diese schwedische Spezialität genannt wird, befördert das Nikotin direkt ins Blut. Wegen der starken Wirkung ist Snus in Deutschland verboten.

Man helfe sich gegenseitig und lebe fast wie in einer Familie, meint Madelene Gärdebring. Seit über einem Jahr ist die 22-Jährige Mitglied der Wermlands Nation und packt mit an, wo gerade Hilfe benötigt wird. Das kann im Garten sein, in der Bar oder in der Küche. Die Bezahlung erfolgt praktisch in Naturalien: Wer das Mittagessen kocht, ist davor zum gemeinsamen Frühstück eingeladen.

Freiwilligkeit wird großgeschrieben. "Wer nicht einmal hinter der Bar einer Nation gearbeitet hat, hat Schweden nicht erlebt", lautet Martin Skärbäcks Rat an die internationalen Studenten.

Nordisch by Nature -Schwedisch für Studienanfänger: "Spotta ut snuset!"

Im zweiten Teil:

Schwedisch für Anfänger

  • Vad heter du? - Wie heißt du ?
  • Var är du ifrån? - Wo kommst du her ?
  • Vad läser du? - Was studierst du?
  • Talar du engelska? - Sprichst du Englisch?
  • Var finns kölapparna? - Wo kann ich 'ne Nummer ziehen? (das muss man in fast allen schwedischen Geschäften, um bedient zu werden)
  • Var finns köttbullarna? - Wo gibt's die Fleischbällchen?
  • Var finns det normala brödet? - Wo gibt's das normale Brot? (d.h. das ungesüßte)
  • Är det ok att röka? - Kann ich hier rauchen?
  • Spotta ut snuset! - Spuck das Snus aus! (Falls dich jemand mit einer dicken Oberlippe küssen will...)