Studium querweltein Dank Auslands-Bafög nach Hawaii

Seine Freunde spöttelten ein wenig über seinen "Urlaub", dabei hat Swen Thissen in Honolulu seriös studiert. Und nur nebenbei das Surfen angefangen. Das Auslands-Bafög machte das Hawaii-Semester möglich. Gefördert werden auch Studenten, die in Deutschland leer ausgehen.

Von Sabine Prokscha


Swen Thissen ist wieder zurück am Politikinstitut der Universität Augsburg. Im Wintersemester studierte er im Ausland - in Honolulu. "Ich wusste vorher nicht mal, dass man auf Hawaii überhaupt studieren kann. Aber dann gab es eine Infoveranstaltung über die Studienmöglichkeiten im Ausland und die Bafög-Unterstützung. Das hat mich überzeugt."

Hawaii-Student Thissen: Nach der Uni ist Surfen erlaubt

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Es folgte ein halbes Jahr auf der abgelegensten Inselgruppe der Welt, mit Hulatänzerinnen, die für Touristen tanzen, Ukulelespielern in Waikiki und Blütenketten aus dem Wal-Mart-Kühlregal für 3,50 Dollar. Swen ist sich sicher: Ohne die rund 6000 Euro Auslandsbafög hätte er sich das Semester an der Hawaiian Pacific University nicht leisten können. Zwar musste er das Geld vorschießen, aber er bekam 1000 Euro Flugkosten in voller Höhe und Studiengebühren bis zu 4600 Euro erstattet. Zusätzlich erhielt er jeden Monat rund 120 Euro Auslandszuschlag.

Zweifel an der Seriösität seines Studienvorhabens im Aloha-Staat der USA gab es beim Bafög-Amt nicht. Sein akademisches Interesse konnte er beim zuständigen Studentenwerk in Hamburg nachweisen, indem er auf seinen Schwerpunkt "Internationale Politik" verwies und ein Professor den Nutzen des Auslandssemesters bescheinigte.

Gute Chancen aufs Auslandsbafög

Swen Thissen war einer von jährlich 60 deutschen Studenten an der Universität in Honolulu. Rund 40 von ihnen erhalten Auslandsbafög. "Viele deutsche Studenten wissen gar nicht, welche Leistungen das Auslandsbafög beinhaltet und dass sie darauf einen Anspruch haben", sagt Stephanie Denim, Deutschlandkoordinatorin der Hawaiian Pacific University. Zweimal jährlich fliegt sie daher nach Deutschland, um Werbung für ihre Universität und Aufklärungsarbeit in Sachen finanzielle Unterstützung zu betreiben.

2005 haben 20.000 Studenten Auslandsbafög erhalten, aber nur eine Minderheit studierte außerhalb Europas. Dabei bekommen im außereuropäischen Ausland häufig auch solche Studenten finanzielle Unterstützung, die in Deutschland keinen Anspruch auf Bafög haben. Normalerweise gehen sie leer aus - doch außerhalb der EU gilt ein höherer Bedarfssatz, sofern die Lebenshaltungskosten höher liegen als in Deutschland.

Damit verschiebt sich auch die Einkommensgrenze nach oben. In einigen Ländern wie Japan kann der Auslandszuschlag bis zu 315 Euro pro Monat betragen. Auch Swen Thissen erhielt in Augsburg kein Bafög, doch das Auslandsbafög für Hawaii wurde ihm problemlos bewilligt.

Alles selbst organisiert

Wer jetzt seinen Auslandsaufenthalt plant, muss allerdings mit gravierenden Änderungen beim Auslandsbafög rechnen. Die Bundesregierung plant zum Wintersemester 2007, dass das Auslandsbafög - wie bereits im Inland - nicht mehr reiner Zuschuss ist, sondern je zur Hälfte als Zuschuss und als zinsloses Darlehen gezahlt werden soll. Allerdings soll die Bafög-Förderung von Praktika außerhalb Europas erleichtert werden. Die Bafög-Novelle soll noch vor der Sommerpause beschlossen werden.

Fernwehkranke Studenten sollten nicht nur die Finanzen, sondern auch den organisatorischen Aufwand beachten. Exotische Universitäten haben meist keine Kooperation mit der Heimatuniversität, dann muss der Student sein Auslandsstudium selbst organisieren. "Stress pur", erinnert sich Swen Thissen - Bafög-Formulare ausfüllen, Visa beantragen und dazu die Anmeldeformalitäten der hawaiianischen Universität abarbeiten. Ein Aufwand, der sich für ihn aber gelohnt hat.

Nur den Spott seiner Kommilitonen findet er ungerecht. "Da heißt es, ich bekam den Urlaub vom Staat bezahlt, dabei war ich dort Vollzeitstudent." Vier Kurse hat er in Honolulu belegt, die er sich jetzt anrechnen lässt. Außerdem hat er ein Thema für seine Diplomarbeit gefunden. Und nebenbei auch ein wenig Surfen gelernt.



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