Stupa-Wahlen Besser offline

Studenten beteiligen sich immer weniger an den Wahlen der Studentenparlamente: An einigen Hochschulen geben sogar nur noch wenige Prozent ihre Stimme ab. Nun hatte die CDU in Baden-Württemberg einen Plan - doch der sorgt offenbar nur für neue Probleme.

Humboldt-Denkmal vor der HU-Berlin: Stupa-Wahlbeteiligung im einstelligen Bereich
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Humboldt-Denkmal vor der HU-Berlin: Stupa-Wahlbeteiligung im einstelligen Bereich


Gute Demokraten? Von wegen! Deutschlands Hochschüler nehmen immer seltener an den Wahlen zum Studentenparlament teil. Bundesweit ist die Beteiligung seit Jahren rückläufig, in Münster und Berlin lag sie zuletzt sogar im einstelligen Prozentbereich.

Der Notstand an der Urne rief im Sommer die CDU auf den Plan. In Baden-Württemberg schlug die Partei vor, Räte und Parlamente künftig online wählen zu lassen. Weil das Votum per Mausklick bequemer sei als der Gang zur Urne in einem Hörsaal, so die Hoffnung, könnten künftig wieder mehr angehende Akademiker ihre Vertreter wählen.

Doch was für Zuspruch bei RCDS, Jusos und Co. sorgen soll, ist nur schwer umzusetzen. Das geht aus einer Antwort des Stuttgarter Wissenschaftsministeriums auf eine Anfrage der CDU hervor.

Die Onlinewahl berge "rechtliche Risiken" und stelle die universitären Gremien vor "technische und organisatorische Herausforderungen", schreibt Ministerin Theresia Bauer (Grüne). So bestehe im Vergleich zu einer Wahl auf Papier eine "ungleich höhere Gefahr der Manipulation von außen".

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Gerade die jüngsten Spähattacken auf Server des Bundestags bewiesen, "dass der Schutz von Computernetzwerken gegen derartige Eingriffe eine anspruchsvolle Aufgabe ist". Zur Identifizierung seien darüber hinaus etwa PIN/TAN-Verfahren oder ein elektronischer Personalausweis notwendig.

Das Ministerium hat die bisherigen Erfahrungen mit Onlinewahlen zusammengetragen, unter anderem die aus Mannheim, Osnabrück, Hannover, Bremerhaven und Jena.

Sie sind ernüchternd: "Die Erhöhung der Wahlbeteiligung blieb aus." Eine Wahl in Österreich, von der dortigen Bundesregierung gefördert, "litt an großen Mängeln und erbrachte aufgrund erheblicher Akzeptanzprobleme die niedrigste Beteiligung aller Hochschülerwahlen", schreibt das Ministerium.

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
al3x4nd3r 25.11.2015
1.
Geht's noch? Jetzt ist man ein schlechter Demokrat, weil man diesen Kindergarten nicht legitimieren möchte.
plietsch 25.11.2015
2.
Es gibt ja zahlreiche Gremien und die Stupas haben häufig wenig zu sagen. Fürs Studium ist es dann völlig unerheblich, wer dort sitzt. Bei uns brach das auch stark ein. Ich möchte hier kein Plädoyer für Studiengebühren geben, aber mal ein Beispiel zur Veranschaulichung: bei uns hat das Stupa darüber abgestimmt, wie die 500 Euro pro Semester ausgegeben werden. Meistens war kam 1/3 an die Studenten auf eine Chipkarte zurück (damit konnte man drucken, Lehrmaterial kaufen, Exkursionen bezahlen etc.), 1/3 ging für zusätzliche Tutorien drauf und 1/3 für weitere Hochschulangebote (EDV- und Sprachkurse etc.). Da wusste jeder real, was für ihn konkret ein Wahlausgang bedeuten könnte. Bei Abstimmung zu mehreren Varianten zum Semesterticket kommen auch gerne 50-70% zusammen. Heute macht das Stupa nichts außer sich mit sich selbst zu beschäftigen, mal einen Artikel im Stupa-Blog zu schreiben und ein, zwei Feiern zu veranstalten. Dafür reichen Asta und Fachschaftsrat völlig.
horstenporst 25.11.2015
3. Ganz einfach
Die Studentenparlamente in Ba-Wü haben eh nichts zu sagen. Das ist der einfache Grund warum kaum ein Student zu deren Wahlen geht.
spon-1278522194392 25.11.2015
4.
Mich würden die Quellen mal interessieren. Ich selber bin in Bremerhaven recht lange aktiv. Wir hatten hier noch nie ne elektronische Wahl für den Studierendenrat ;)
the_master 25.11.2015
5. FU Berlin
Vermutlich ist es an vielen Unis so wie an der FU Berlin - dort beherrscht eine kleine Clique die Hochschulpolitik, die zudem noch die Wähler verwirrt, um an der Macht zu bleiben. Die immer selben Mitglieder gründen 30 - 40 Einzelparteien für jedes Interesse (Liste fürs Semesterticket, Liste für Tierfreunde, Liste für Schwule, Liste für Heteros), die jeweils einen Platz im Stupa gewinnen und sich dann jedoch wieder zum Block zusammenschließen. Andere Parteien mit mehr Stimmen haben da keine Chance. Und die Grüne Hochschulgruppe gilt dort praktisch schon als rechtsextrem, so weit links sind die da.
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