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05. Juni 2019, 22:36 Uhr

Attestaffäre in Stuttgart

Studenten wollten sich vor Klausur drücken - Staatsanwaltschaft ermittelt

Sie sollen fingierte Krankschreibungen genutzt haben, um einer Klausur zu entgehen. Rund hundert Studenten sind deshalb ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten - ebenso wie ein Arzt, der "Doc Holiday" genannt wird.

Knapp ein Jahr nach massenhaften Krankmeldungen vor einer Prüfung an der Stuttgarter Universität Hohenheim ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen rund hundert Studenten. Das teilte ein Sprecher der Behörde am Mittwoch mit. Die Studenten stehen demnach im Verdacht, zu Unrecht ausgestellte Atteste benutzt zu haben.

Ihnen droht demnach eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr. Die Universität war stutzig geworden, als bei einer Klausur im Mai vergangenen Jahres Dutzende Studenten eine einstündige Prüfung abgebrochen und anschließend ähnliche Krankschreibungen vorgelegt hatten. Darin wurden ihnen meist "Kopfschmerzen in Kombination mit Sehstörungen oder Übelkeit und Erbrechen" attestiert.

Der Mediziner, der die Atteste ausgestellt hatte, ist in Hochschulkreisen offenbar als "Doc Holiday" bekannt. Gegen ihn laufen seit dem vergangenen Juli Ermittlungen. Laut Staatsanwaltschaft besteht der Verdacht, dass der Mann bis zu 145 falsche Gesundheitszeugnisse ausgestellt haben könnte. Die Zahl sei deshalb so hoch, weil einige Studenten mehrere Atteste von dem Mediziner bekommen hätten.

Die Behörde prüft den Angaben zufolge auch, ob der Arzt womöglich Geld für die Krankschreibungen erhalten hat. Ihm drohe eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren.

Die Universität hatte zwischenzeitlich bereits Konsequenzen aus dem Fall gezogen und 33 der 37 fristgerecht eingereichten Prüfungsrücktritte nicht anerkannt. Für drei der betroffenen Studenten war damit das Aus ihres Studiums verbunden. Sie wurden aus dem Studiengang exmatrikuliert, weil es für sie der dritte und letzte Versuch war.

fek/dpa

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