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Wissenschaftliches Arbeiten: Wie Hochschulen gegen Plagiate kämpfen

Foto: Daniel Naupold/ dpa

Hochschulen gegen Plagiatoren Nehmt das, Abschreiber!

Die Plagiatsaffären deutscher Politiker haben die Hochschulen aufgeschreckt: Viele rüsten sich inzwischen für den Kampf gegen Abschreiber. Die eine Uni setzt auf Anti-Plagiatssoftware, die andere auf Google, die dritte auf freiwillige Kontrolle. Ein Überblick über die akademischen Waffenkammern.

Guttenberg, Koch-Mehrin und zuletzt Schavan: Die Plagiatsaffären um deutsche Politiker haben die Universitäten im Land für Betrugsversuche ihrer Studenten sensibilisiert. Viele wappnen sich mit neuer Software, mit Schulungen oder überarbeiteten Vorschriften gegen Täuschungsversuche. Dabei werden nicht nur Doktorarbeiten, sondern auch kleinere Seminararbeiten zumindest stichprobenartig auf Copy-and-Paste-Passagen überprüft.

Zugleich warnt der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz der Universitäten, Karl Joachim Ebeling, vor Generalverdächtigungen: Ein prinzipielles Prüfverfahren für Doktorarbeiten sei abzulehnen. "Ein Unternehmen ist nur auf Vertrauens- und nicht auf einer Kontrollbasis erfolgreich zu führen - das gilt auch für Hochschulen", sagt Ebeling, der auch Präsident der Universität Ulm ist. Alles andere wäre aus Sicht ein "Armutszeugnis für unsere Gesellschaft".

Zumal Täuschungsversuche äußerst selten vorkämen: "Der Anteil der Doktorarbeiten, bei denen Fehlverhalten nachgewiesen werden kann, liegt bei unter einem Promille", sagt Ebeling. Bei 400 Promotionen pro Jahr sei in Ulm derzeit gerade mal ein Täuschungsfall bekannt. Deshalb dürfe nicht jeder, zumal nicht jeder Politiker mit Doktortitel unter Generalverdacht genommen werden. "Ich halte das für übertrieben", sagt Ebeling.

Wie Hochschulen gegen Plagiate kämpfen

Die Heidelberger Universität wendet seit Juni vergangenen Jahres eine Anti-Plagiatssoftware an. Auch die Universität Hohenheim setzt auf eine Software und plant einen Leitfaden mit Empfehlungen für die Plagiatsbekämpfung.

Der Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft überprüfe sogar von vornherein alle Arbeiten, sagt Pressesprecher Florian Leonhardmair. An der Universität Mannheim gibt es keine einheitliche Regelung. Im Bereich Jura etwa setzten die Dozenten auf breiter Front Software zur Überprüfung ein, sagte eine Sprecherin der Hochschule. An der Philosophischen Fakultät gebe es Stichproben. In den vergangenen 15 Jahren sei an der Uni nur ein Täuschungsversuch in einer Promotion bekanntgeworden.

In Tübingen überlegt die Medizinische Fakultät noch, eine flächendeckende Überprüfung einzuführen. Die juristische Fakultät ist schon einen Schritt weiter: Jede Hausarbeit müsse auch online hochgeladen werden und werde dann überprüft, erläutert Janna Eberhardt, Sprecherin der Uni Tübingen. In den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften müssen Arbeiten auf CD abgegeben werden, damit die Gutachter bei einem Verdacht den Text im Computer prüfen können.

Eine strengere Ahndung von Plagiaten wegen der jüngsten Skandale gebe es nicht, sagte Forschungs- und Medienreferentin Kerstin Eleonora Kohl von der PH Freiburg. Die Hochschule setzt auch auf Informationen für Studenten und auf Hilfe beim wissenschaftlichen Arbeiten. Einen Erfolg verzeichnet die PH Freiburg auch mit ihrer freiwilligen Plagiatskontrolle: Vor der offiziellen Abgabe könnten Studenten ihre Arbeiten von Experten prüfen lassen - um so in einer persönlichen Beratung auf Fehler aufmerksam gemacht zu werden.

Manche Universitäten arbeiten im Kampf gegen Kopien an technischen Lösungen: Die Fakultät für Informatik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickelt eine eigene Software. Das Programm soll Wissenschaftlern dabei helfen, effektiver Plagiate aufzudecken. Die Universität Konstanz wiederum hat damit begonnen, eine zentrale Datenbank aufzubauen. In dem digitalen Speicher sollen Dozenten aller Fachbereiche Täuschungs- und Plagiatsversuche eintragen können, erklärt Uni-Sprecherin Julia Wandt.

Die Universität Freiburg setzt neben professioneller Software auch auf ein gängiges Hilfsmittel: "Google ist nach aktuellen Untersuchungen das wirkungsvollste Hilfsmittel. Das kann jeder selber nutzen", sagte der Direktor des Rechenzentrums, Gerhard Schneider.

Die Universität Stuttgart sieht in der Anschaffung von teurer Software eher einen geringen Nutzen: "Täuschungen kommen in so geringen Fällen vor, dass die Anschaffung in keiner Verhältnismäßigkeit stünde", sagte Pressesprecher Hans-Herwig Geyer.

In der Diskussion kommt Ebeling derzeit die Frage nach der Qualität von Doktorarbeiten zu kurz: "Der Erkenntniswert einer wissenschaftlichen Arbeit spielt dabei eine völlig untergeordnete Rolle", kritisierte er. Dabei sei dies doch gerade das entscheidende Leistungskriterium, nicht das Erfüllen von Formalia. Wobei er einräumt: Der Fall des zurückgetretenen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sei glasklar gewesen.


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Wissenschaft nach Guttenberg: Wie hältst du's mit dem Plagiat? Hier ein Absatz aus Wikipedia, dort ein nicht belegtes Zitat: Die Hochschulen sind alarmiert. Sechs Wissenschaftler und Studenten erklären, was jetzt geschehen muss. mehr...


David Fischer und Julia Giertz/dpa/jon