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Unis am Kap: Spitzenreiter auf dem Kontinent

Foto: Stellenbosch University

Südafrikas Hochschulen Unis am Kap sind Afrikameister

Nach Südafrika schaut wegen der Fußball-WM die ganze Welt. Ganz Afrika blickt jedoch seit Jahren neidisch nach Süden. Auch wenn die Apartheid-Politik noch nachwirkt, hat das Land am Kap der Guten Hoffnung mit Abstand die besten Universitäten des Kontinents.
Von Roland Koch

Wenn im Juni in Südafrika die Winterferien beginnen, wird es in vielen Unis richtig lebendig. Trotz der vorlesungsfreien Zeit werden die Studentenunterkünfte gut belegt sein, und auf den Sportplätzen wird trainiert. Anstelle der Studiosi beherbergen dann manche Unis auf ihrem Campus Fußballteams, deren Fans oder Medienleute. Die Fußball-WM soll ihnen auf diese Weise zusätzliche Einnahmen bescheren. Von einigen Millionen Euro ist die Rede.

Mit diesem Geld können die Hochschulen nicht nur in soziale Projekte investieren, sondern auch ihre Spitzenstellung in Afrika weiter ausbauen. Im direkten Vergleich mit den Konkurrenten des Kontinents liegen sie nämlich durchweg auf den führenden Plätzen. Das zeigen diverse Rankings, etwa jenes von Cybermetrics Lab, einem Forschungsinstitut, das dem spanischen Bildungsministerium zuarbeitet. Danach liegen auf den ersten 20 Plätzen derzeit zwölf Unis aus Südafrika. Kapstadt, Pretoria, Stellenbosch und Witwatersrand führen die Liste an. Im internationalen Vergleich relativiert sich die Bedeutung der südafrikanischen Hochschulen. Im (umstrittenen) weltweiten Ranking des Magazins "Times Higher Education" liegt Spitzenreiter Kapstadt auf Platz 146.

Prominente Köpfe hat das 50-Millionen-Einwohner-Land schon vor Jahrzehnten hervorgebracht. Christiaan Barnard etwa, der 1967 in Kapstadt die weltweit erste Herztransplantation vornahm. "Und auch heute bieten gerade die renommierten Unis Wissenschaftlern aus aller Welt interessante Arbeitsbedingungen und Karrieremöglichkeiten", sagt Dr. Andreas Hettiger, der bis Februar 2008 das Informationszentrum des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in Johannesburg leitete.

Bildung hilft die Apartheid überwinden

Das Land am Kap der Guten Hoffnung hat eine Reihe moderner Einrichtungen und Labore, die sich international sehen lassen können. Dennoch ist die Hochschullandschaft gespalten. Noch immer wirkt sich die Apartheid-Politik des letzten Jahrhunderts aus. "Während an einigen Universitäten Forschung und Lehre auf international erstklassigem Niveau stattfinden, stehen andernorts entwicklungspolitische Aufgaben im Vordergrund", sagt Dr. Ralf Hermann, der heutige Leiter des DAAD-Informationszentrums.

Bis Anfang der neunziger Jahre blieb die weiße Bevölkerung an den Unis weitgehend unter sich. Schwarze wurden in die sogenannte Bantu Education abgeschoben, also in Institute, die verächtlich "Busch-Unis" genannt wurden. "Die Ideologie der getrennten Entwicklung, die einen großen Teil der Bevölkerung von guter Ausbildung fernhielt, führte dazu, dass sich einige bevorteilte Hochschulen hervorragend entwickelten", sagt Hettiger. Davon profitieren sie noch heute, vor allem im Bereich der Umwelt-, Geo- und Sozialwissenschaften.

Seit den ersten freien Wahlen 1994 ändert sich die Hochschullandschaft gravierend. Das neue Südafrika hat Bildung als Schlüssel zu Chancengerechtigkeit und zur Überwindung der Apartheid erkannt. "Die Teilung in privilegierte weiße und benachteiligte schwarze Unis ist aufgehoben", sagt Hermann. "Das Land will den Wandel von einer rohstoffbasierten zu einer wissensbasierten Ökonomie gestalten."

Dieser Wandel ist in den Hörsälen deutlich zu sehen. Im Jahr 2009 waren 780.000 Studenten aus allen Bevölkerungsgruppen an den 23 staatlichen Hochschulen eingeschrieben. 1993 waren es noch 470.000. Der Anteil von Studenten mit dunkler Hautfarbe stieg in diesem Zeitraum von 53 auf mittlerweile 76 Prozent. Deutlich erhöht hat sich auch der Frauenanteil unter den Studierenden. Er liegt jetzt bei 55 Prozent.

Roland Koch, Autor des Magazins "duz" , ist Journalist in Berlin

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