Super-WG gesucht Nur Saufen reicht nicht

Das war Deutschlands schwerste Wahl: Die Beteiligung - überwältigend, die Kandidaten umwerfend. Aber nur eine WG konnte gewinnen. Im Bewerbungsmarathon um Deutschlands beste Wohngemeinschaft hat eine Fünfer-WG aus Trier den ersten Platz gemacht.

Wahnsinn! Mit einer solchen Flut von Bewerbungen hatte selbst die handverlesene UniSPIEGEL-Jury nicht gerechnet. Beinahe täglich wurden unsere Postfächer in der Hamburger Brandstwiete überschwemmt mit ambitionierten Zuschriften, eine prächtiger als die andere. Von professionell gestalteten Websites und CD-Roms über handgeklebte Fotoalben bis zu Bewerbungsmappen vom Umfang einer Diplomarbeit war alles dabei.

Nächtelang brüteten die Jury-Mitglieder, allesamt selbst WG-erprobt, über den Einsendungen, klickten sich durch multimediale WG-Tagebücher und kosteten auch unverlangt eingesandte Süßwaren.

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Super-WG gesucht: Nur saufen reicht nicht

Neid kam auf, als uns die Bewerbung der Aachener Studenten ins Haus flatterte, die einen ganzen Stadtmauer-Turm mit Dachterasse ihr Eigen nennen, legte sich aber schnell wieder, als wir erfuhren, dass die Bewohner für den Toilettengang mitunter 80 Stufen im ungeheizten Treppenhaus zurücklegen müssen.

Staunen ließ uns auch die Einrichtung der Fünfer-WG in Eichstätt, die in der Küche einen Bierkühlschrank und im Wohnzimmer eine Tischtennisplatte haben, außerdem ein Männer- und ein Frauenklo.

Ohne unsere WG-Ausschreibung hätten wir nie von der Männer-WG in einem Koblenzer 170-Quadratmeter-Penthouse erfahren, deren tägliches Leben Interessierte im Internet verfolgen können: www.diekleinefarm.de.

Einige Kandidaten schrammten knapp am Sieg vorbei

Und wir wüssten nicht, dass "die coolste WG" Deutschlands bereits gekürt ist - zwar nur von den Bewohnern selbst auf deren Website www.wgwg.de, doch die WG-Statuten der Siegener zeugen von einem tiefen Verständnis des Studentenlebens. "Die Bewohner der WG-WG", erfuhren wir, "schworen, nie vor elf Uhr aufzustehen, die Uni nur wegen der Mensa aufzusuchen, nur am Tag vor Prüfungen zu lernen und den Müll nur in ungeraden Monaten rauszubringen."

Jede, aber auch wirklich jede Bewerbung wurde von den Juroren akribisch nach den Super-WG-Kriterien abgeklopft:

  • wohnen, wie von uns erhofft, Männlein und Weiblein zusammen?
  • studieren alle verschiedene Fächer?
  • wie steht's mit dem intellektuellen Überbau (nur saufen reicht nicht)?

Jetzt steht der Sieger fest, doch einige Kandidaten, die nur haarscharf am Sieg vorbeischrappten, sollen nicht unerwähnt bleiben.

Da sind zum Beispiel Jannis, Tilmann und Daniel aus Wiesbaden. Die Dreier-WG in einer kostengünstigen Altbauwohnung gefiel uns nicht nur wegen ihrer sympathischen Decken-Deko, auch der Zusammenhalt der Truppe scheint zu stimmen. Die WG-Socken werden im Fünfzigerpack bei EBay eingekauft, die Wohnung ist laut Selbstdarstellung meist sauber, obwohl nur ein Spül- und kein Putzplan existiert.

Auch Marcel, Rainer, Tobi und Jessica aus Köln haben uns beeindruckt. Die angehenden Wirtschaftswissenschaftler sandten hübsche Fotos von wilden Partys und von der majestätischen Fassade des Altbaus direkt am Rhein, der ihre WG beherbergt. Nicht zum ersten Mal im Auswahlprozess fragten wir uns, warum wir eigentlich unser ganzes Studium auf gammeligen 20 Quadratmetern verbringen mussten und viel zu selten Sonnenbrillen im Haar trugen.

Besonders entzückt waren wir von einer Bewerbung aus dem fernen Tübingen. Dort teilen sich Anna, Almut, Evelyn, Johanna und Julia ein ganzes Haus. In der knappen Freizeit, die ihnen ihr Studium lässt, bastelten die fünf aus der Uhlandstraße eine Bewerbung in Foliantengröße, präsentierten sich in allen Lebenslagen, bei der Hausmusik und in der Badewanne.

Die Kommunarden aus Friedrichshain

Aus der Hauptstadt erreichte uns die E-Mail dreier segelbegeisterter TU-Studenten (Bauingenieurwesen, Schiffbau, Chemie). Sie lernten sich beim Segeln auf dem aus der Becks-Werbung berühmten Schiff "Alexander von Humboldt" kennen. Klar, dass ihre Wohngemeinschaft in Berlin-Moabit allgemein als "Alex-WG" bekannt ist und der Vorrat an grünen Pilsflaschen nie zur Neige geht.

Ebenfalls in Berlin haben sich sechs Studenten und eine Katze zur Kommune 0 zusammengeschlossen, ein/e weitere Mitbewohner/in wird derzeit noch gesucht - hier leistet der UniSPIEGEL gern Vermittlerdienste. Im Szene-Stadtteil Friedrichshain bevölkern die Kommunarden acht Zimmer, zwei Küchen und zwei Bäder. Nach eigenen Angaben teilen sie "ihre Schlüssel, Interessen, ihre Freundinnen und Freunde", außerdem laden Robert, Harald, Michi, Malte, Julian und Richard regelmäßig zu Brunchs und Fußmassagetreffen.

Mal ehrlich: Wer so cool ist, muss doch nicht noch berühmt werden, oder?


Die Gewinner: Die Super-WG kommt aus Trier 
Die Insassen: Who is who in der Super-WG

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