Surftipp Von Kauder-Websch keine Spur

Rund zwei Milliarden Webseiten gibt es inzwischen - eine gigantische digitale Bibliothek. Aber wie zitiert man daraus richtig? Eine Hannoveraner Projektgruppe hat eine Stil-Fibel für Online-Dokumente entwickelt.


Noch vor wenigen Jahren wiesen manche Professoren auf dem PC verfasste Hausarbeiten empört zurück. Doch inzwischen haben selbst hartnäckige Fortschrittsverweigerer die Vorzüge der Online-Recherche entdeckt ­ und bejammern zugleich die vermeintlichen Sprachschlampereien im Netz. Alles Humbug, behauptet Peter Schlobinski: "Es gibt keine neue Sprache im Internet."

Im Projekt "sprache@web" hat der Hannoveraner Germanist die Kommunikation per E-Mail, in Chats und Diskussionsforen untersucht. Natürlich wählen Jugendliche im Internet eine andere Sprache als Erwachsene - "aber das tun sie sonst auch", meint Schlobinski. Gemeinsam mit Studenten untersuchte er 730 E-Mails, 775 Beiträge in Diskussionforen und 40.000 Wortformen von Chats.

Der Professor sieht keinen Grund zum Lamento: "In der virtuellen Welt zeigt sich wie in der realen Welt eine sprachliche Variation, die von der Kommunikationssituation, dem Kommunikationspartner und dem Medium abhängt." Und die Fehlerquote in E-Mails falle sogar niedriger aus als in herkömmlichen Briefen.

Um das Internet zitierfähig zu machen, haben Schlobinskis Mitarbeiter Thorsten Siever und Jens Runkehl einen Leitfaden herausgegeben. "Wir sahen es bei unserer tagtäglichen Arbeit mit dem Netz, dass wissenschaftliches Arbeiten ohne das Internet nicht mehr möglich, aber mit ihm auch noch nicht richtig möglich ist", sagt Thorsten Siever. Der "Electronic Style Guide" informiert über neue Arbeitstechniken, das Zitieren von Web-Seiten und die Veröffentlichung von Online-Dokumenten. Beispiele gibt es auf der Homepage der Arbeitsgruppe im Internet.

www.websprache.uni-hannover.de



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