T-Shirt-Ranking Die Parade der Hochschulhemden

Dieses Ranking hat uns gerade noch gefehlt: Die "Zeit" ließ die T-Shirts deutscher Hochschulen benoten. Ein rundes Dutzend kam in die engere Wahl der Modeschöpferin Jette Joop und des Zeitungsdesign-Papstes Mario Garcia. Das Urteil der Mini-Jury: mal Respekt, mal derber Spott.

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Bevor Hochschulrankings so richtig modern wurden, legte der SPIEGEL mit der ersten großen Rangliste 1989 eine Messlatte auf, die fortan mühelos unterquert werden sollte. Immer mehr Rankings umspülten die Lehrstühle und sorgten bei Professoren und Rektoren für nasse Füße. Vor zehn Jahren ging es Schlag auf Schlag. Avanti, dilettanti: Erst ließ der "Stern" Professoren über Fakultäten anderer Hochschulen urteilen; heraus kam kaum mehr als heiße Luft aus der Gerüchteküche. Ebenfalls 1993 zählte "Focus" für den vermeintlich "ersten objektiven Test" die Veröffentlichungen von Hochschullehrern und nahm das als Indiz für die Qualität der Lehre - eine mindestens verwegene These, garniert mit 1000 sinnfrei über die Seiten gekippten Grafiken.

Jurorin Joop: "Die Uni-Zeit ist doch eine romantische Zeit"
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Jurorin Joop: "Die Uni-Zeit ist doch eine romantische Zeit"

Bei so viel fröhlichem Unfug mochte auch der "Playboy" nicht nachstehen, fahndete flink nach den "erotischsten Hochschulen Deutschlands" und bemühte dafür sogar die sich selbst entsichernde publizistische Allzweckwaffe Dietrich Schwanitz ("Tatsächlich ist eine Universität erst dann gut, wenn sie so viel geistiges Sex-Appeal entfaltet, dass Studenten eine erotische Beziehung zur Wissenschaft gewinnen").

Schlimme Zeiten, das. Inzwischen allerdings haben die ernsthafteren Rankings, auch bei "Stern" und "Focus", ihre Kinderkrankheiten überwunden und sind weit seriöser geworden. Und seit dem famosen Bunny-Ranking wissen wir obendrein alles über das muntere Triebleben von Frankfurter Studenten oder das erotische Niemandsland im Dunstkreis des Campus von Jena, Mainz, Erlangen oder Dresden. Viel weniger wussten wir bisher über die geheimnisvolle Welt der Hochschul-Hemden. Kommt "Zeit", kommt T-Shirt-Ranking: Die Hamburger Wochenzeitung kam jetzt auf die hübsche Idee, zwei Profis über Uni-Shirts zu Gericht sitzen zu lassen.


Dritter Platz für das Shirt aus Frankfurt/Oder: "Greift mit dem schwarzen Rand den China-Trend auf" Rang 2 für das Ulmer Modell im Freizeitpark-Look: Wo ist das Vögelchen? Mit deutlichem Abstand als Gewinner im Ziel: Humboldt-Hemd - "sieht sowohl entspannt als auch selbstbewusst aus"

Die drei Gewinner - per Klick auf ein Bild kommen Sie zur Großansicht

Mario Garcia heißt der eine und hat bereits 450 Zeitungen ein modernes Layout verpasst, neben der "Zeit" auch dem "Handelsblatt" und dem "Wall Street Journal". Die andere ist Jette Joop und von Haus aus Mode- und Schmuckdesignerin. Neuerdings lehrt die Tochter von Wolfgang Joop Industriedesign an der Universität Duisburg-Essen.

Juror Garcia: Spaß an schrägen Vögeln
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Juror Garcia: Spaß an schrägen Vögeln

Am "wichtigsten Hochschul-Ranking aller Zeiten", wie die "Zeit" über sich selbst spottet, hatte das Designer-Duo erkennbar Spaß. Ein Dutzend T-Shirts wurde zur Begutachtung gesandt. Und bei weitem nicht alle fanden Gnade vor den Augen der gestrengen Jury: Die weißen und gräulichen T-Shirts aus Oldenburg, Bonn und Hannover etwa nannten Garcia, 55, und Joop, 34, langweilig bis verwechselbar. Man könne sie allenfalls bei den Bonner Wasserwerken, der Cebit oder einem Chip-Hersteller anziehen, empfahl Jette Joop.

Das Modell aus Tübingen - ein weißer Baum auf blauem Grund - ließ sie eher an "einen Atompilz oder ein aufgeschnittenes Hirn" denken. Und Abklatsche amerikanischer Vorbilder mit klobigen Großbuchstaben landeten nur im hinteren Mittelfeld. "Die Uni-Zeit ist doch eine romantische Zeit", findet Joop, "diese Romantik müssen die Unis doch auch in ihren T-Shirts aufgreifen."

"Was sollen diese Vögel in Kotzgrün und Giftgelb?"

Die Respekt-Kelle schwangen die Designer indes beim eng anliegenden Damen-T-Shirt der Universität Frankfurt/Oder: feine Farbgestaltung in Knatschrot und Schwarz, modisch und mit dezentem Logo - Rang 3. Für spontanes Gruseln sorgte der Pulli von der Universität Ulm. Mario Garcia fürchtete, dass "meine Freunde mich auslachen, wenn sie mich so sehen". Derweil fragte Kollegin JJ: "Schön spielerisch, aber was sollen diese Vögel in Kotzgrün und Giftgelb?". Dennoch landete das Sweatshirt auf dem zweiten Platz, vor allem wegen seines hohen Aufmerksamkeitswertes.

Logo der "Zeit": Ähnlichkeiten rein zufällig

Logo der "Zeit": Ähnlichkeiten rein zufällig

Einig waren sich die beiden Juroren beim "sehr akademischen, sehr universitären" T-Shirt der Berliner Humboldt-Universität Berlin, das klarer Sieger wurde. Die Köpfe der Namenspatrone bilden das "O" in Humboldt; die Schrift ist hell auf dunklem Hintergrund; die Serifenschrift vermitteln einen Eindruck klassischer Eleganz. Und zugleich erinnert sie seltsam deutlich an das Logo der "Zeit" - dass es beim Jury-Urteil einen Zusammenhang gebe, verwies die "Zeit"-Redaktion aber energisch in das Reich der bösartigen Unterstellungen.

Erhältlich sind die gelobten wie die von der Jury verdammten Oberteile im gut sortierten Uni-Devotionalien-Fachhandel. "Wir freuen uns, vor allem, weil wir völlig überrumpelt wurden", sagte Roman Kandler, Geschäftsführer des Berliner "Humboldt-Ladens". Dort gibt es die Gewinner-Shirts für 12 Euro zu kaufen.



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