Test-Quiz online Erstmals Medizinprüfung via Internet

Im Februar wird es für Berliner Medizinstudenten ernst: Zum ersten Mal in Deutschland treten sie ausschließlich online zur Prüfung an. Damit niemand schummeln kann, hat die Uni-Klinik Charité einige Hürden eingebaut.


Pünktlich um spätestens 11 Uhr müssen sich Berliner Medizinstudenten des fünften Semesters am 23. Februar per E-Mail einloggen. Dann werden ihnen 20 Fragen zur Rechtsmedizin gestellt, für die sie je eine Minute Zeit haben. Anschließend erfahren sie sofort das Ergebnis und können sich ihren Schein selbst ausdrucken.

Medizinstudenten an der Charité: Schlau klicken
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Medizinstudenten an der Charité: Schlau klicken

Das Prüfungsverfahren an der medizinischen Fakultät der Humboldt-Universität ist neu. Bisher genügte zum Schein-Erwerb meist die Teilnahme des Studenten an einem Kurs oder Seminar. Aber die Ärzte-Ausbildung soll strenger werden, seit Oktober gilt eine neue Ausbildungsordnung und sieht unter anderem mehr Prüfungen vor. Das Universitätsklinikum Charité muss in jedem Semester rund 5300 Studenten durch zahlreiche Kurse und Seminare schleusen. Deshalb werden die aufwendigen schriftlichen und mündlichen Prüfungen jetzt durch einen elektronischen Test ersetzt - nach Angaben der Fakultät zum ersten Mal in Deutschland.

Ob die Berliner Studenten bei der Rechtsmedizin-Prüfung zu Hause, in einem Internet-Café oder gar bei einem medizinisch versierten Kommilitonen sitzen, werden die Prüfer kaum erfahren. Die Kandidaten müssen sich lediglich per E-Mail anmelden und dabei ihren Namen sowie ihre Immatrikulationsnummer angeben.

Das gute alte Multiple-Choice-Verfahren

Dennoch gibt sich die Charité sicher, dass so leicht niemand schummeln kann. Sie hat gegen Prüfungsbetrug drei Hürden eingebaut: Nur 60 Sekunden pro Antwort ist knapp bemessen, viel nachschlagen oder im Internet surfen kann man in dieser Zeitspanne kaum. Die 20 Fragen haben bei den Teilnehmern eine unterschiedliche Reihenfolge. Und auch die vier oder fünf vorgegebenen Antworten zum Ankreuzen sind jeweils anders angeordnet - das macht Abschreiben schwierig.

Wer bei der Prüfung scheitert oder das Ergebnis nicht akzeptiert, hat das Recht auf eine mündliche Nachprüfung. Nach Auffassung von Professor Jörg Oestmann und seiner Arbeitsgruppe kann die elektronische Prüfung via Internet das Prüfungsverfahren drastisch vereinfachen. Der Testentwickler hat bei einer Umfrage unter Medizinstudenten festgestellt, dass nahezu alle einen Computer mit Internetanschluss haben.

Ob sich diese Form der Prüfung tatsächlich durchsetzt, ist ungewiss. Die Entwickler verraten nicht, wie sie verhindern wollen, dass jemand anders als der echte Prüfling den Test absolviert - eine biometrische Überprüfung der Identität, etwa durch einen Fingerabdruck ist bisher nicht vorgesehen. Und selbst dann könnte ein Einflüsterer mit großem Wissen neben dem Kandidaten sitzen.

Eine Charité-Sprecherin hält dieses Betrugrisiko aber für gering: "Das in den Kursen vermittelte Wissen ist so speziell, dass eine andere Person dazu kaum in der Lage sein dürfte. Auch gehe es lediglich um Prüfungen für einzelne Kurse - "bei einem Staatsexamen wäre das etwas anderes".



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