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21. September 2011, 17:22 Uhr

Teure Bildung

US-Unis lechzen nach solventen Studenten

Das Auswahlverfahren an amerikanischen Unis wandelt sich: Es zählt weniger als früher, was ein Anwärter kann. Wichtiger wird, ob der Student die horrenden Studiengebühren selbst aufbringt, ergab eine Umfrage. Kritiker sehen die Glaubwürdigkeit der Unis in Gefahr.

Wenn US-Hochschulen ihre Bewerber casten, wird das Thema Geld dabei offenbar immer wichtiger: Viele Colleges und Universitäten suchen nicht mehr nur nach Bewerbern mit guten Schulnoten, angehenden Top-Athleten oder armen Angehörigen von Minderheiten, sondern verstärkt auch nach den solventesten Bewerbern für ihre Studienprogramme.

Für viele Colleges sei es inzwischen sogar das wichtigste Ziel, Bewerber anzunehmen, die ihre Studiengebühren selbst aufbringen können. Das ergab eine am Mittwoch veröffentlichte Studie von "Inside Higher Ed", einer amerikanische Online-Plattform für Hochschulbildung.

Rund ein Zehntel aller Hochschulen brauchen zahlungskräftige Studenten, die die kompletten Studiengebühren zahlen können, so dringend, dass sie bei ihnen sogar schlechtere Noten akzeptierten, schreiben die Autoren in der Zusammenfassung der Studie. Wichtigste Strategie einer Mehrzahl staatlicher Hochschulen ist es mittlerweile, Studenten besonders aus anderen Bundesstaaten und ausländische Studenten anzuwerben, weil die mehr für ihr Studium zahlen müssen. Aus deutscher Sicht sind die Studiengebühren in den USA immens hoch: An einem öffentlichen College betragen sie etwa 7600 Dollar jährlich, an privaten Hochschulen teilsweise mehr als 40.000 Dollar.

"Inside Higher Ed" befragte 462 Mitarbeiter öffentlicher und privater Hochschulen, die dort für die Zulassung von Studenten verantwortlich sind. Jeder Fünfte sagte, der finanzielle Abschwung habe dazu geführt, dass sie stärker auf die Zahlungsfähigkeit ihrer Studenten achten müssten.

Lloyd Thacker, der Gründer der Non-Profit-Organisation "Education Conservancy", sagte zu den Ergebnissen der Studie: "Wir müssen uns fragen, warum wir tun, was wir tun. Und wenn wir das nicht beantworten können, sollten wir Autos verkaufen." Thackers Education Conservancy versucht, wirtschaftliche Widerstände bei der Hochschulzulassung zu überwinden.

Studenten werden zynischer

David A. Hawkins von der nationalen Vereinigung für Hochschulzulassungs-Beratung (NACAC) sieht einen grundsätzlichen Wandel bei der Studenten-Auswahl: Hochschulen stünden unter zunehmenden Druck, sagte er der "New York Times". Die staatliche Finanzierung gehe zurück, andererseits werde von Hochschulen verlangt, ihr Profil zu schärfen und bestimmte Studenten zuzulassen. "Wir sehen einen fundamentalen Wandel im Zulassungsprozess", sagt er. Auch Hawkins sieht die andauernde Wirtschaftskrise als Faktor, der die Auswahl der Studenten negativ beeinflusst. Es gebe strenge Standards für die Zulassung, aber es bestehe die Gefahr, "dass wir, sobald die Wirtschaftsleistung einknickt, auf unsere Standards pfeifen".

US-Hochschulen haben ihre Studenten schon immer nach einer Vielzahl von Kriterien ausgewählt. Zu dem Konzept gehörte auch, dass reiche Studenten die vollen Studiengebühren bezahlen, damit auch ärmere eine Chance bekommen. Auch Leistungssportler kommen leichter an Colleges. Um die entsprechende Mischung zu erreichen, werden auch mal schlechtere Noten der Bewerber akzeptiert, was die aktuelle Studie wieder bestätigt.

Rund 40 Prozent der Hochschulen akzeptieren bei Studienbewerbern, die einer Minderheit angehören, schlechtere Zensuren. Bei Sportlern akzeptiert jede vierte Hochschule schlechtere Noten. Bei Kindern ehemaliger Studenten zeigen sich zwölf Prozent, bei ausländischen Studenten neun Prozent nachgiebiger. Die Hälfte der Befragten gibt außerdem an, viele Studenten würden von Eltern und Studienberater so gut auf die Auswahlverfahren vorbereitet, dass es schwer falle herauszufinden, wie gut Bewerber tatsächlich sind.

Lloyd Thacker glaubt, weil sich die Auswahlkriterien der Hochschulen immer stärker verschieben, würden Studenten zunehmend misstrauischer. "Studenten sagen: Sie betrügen uns, also betrügen wir sie." Darunter leide die Glaubwürdigkeit der Hochschulen.

fln

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