Theater zum Spartarif Willkommen, Bienvenu, Welcome

In Darmstadt sollen Studenten künftig das Theater stürmen. Vorhang auf für einen bundesweit einzigartigen Kniff: Der AStA der Fachhochschule zahlt 1,50 Euro pro Student und Semester, im Gegenzug dürfen die Studenten nach Lust und Laune in die Vorstellungen - ohne Extra-Eintritt.

"Durchschnittsalter 54 Jahre", zitiert Michel Obermeier eine Studie des Deutschen Bühnenvereins über das Theaterpublikum im Land. "Wenn wir nicht völlig neue Wege gehen, spielen wir bald wirklich vor leeren Häusern", warnt der Direktor des Darmstädter Staatstheaters, in dem durchschnittlich 70 Prozent der Besucherplätze belegt sind.

Doch Obermeier geht neue Wege: Die Darmstädter Studentenschaft soll die Ränge bevölkern. Seit 1.September zählt nämlich der Studentenausweis gleichzeitig als freie Eintrittskarte für fast alle Vorstellungen. Plätze, die drei Tage vor einer Aufführung noch nicht belegt sind, können sich die Stundenten sogar reservieren lassen. Nur Premieren bleiben dem zahlenden Publikum vorbehalten.

Nach dem Semester- jetzt das Theaterticket

"Ein gutes Angebot für uns Studierende", sagt Bastian Ripper, der als AStA-Finanzreferent den Vertrag mit dem Staatstheater ausgehandelt hat. 27.000 Euro zahlt der AStA aus seinen Rücklagen fürs erste Jahr, vorerst ohne Erhöhung der Beiträge. "Danach können die Studierenden entscheiden, ob der Vertrag verlängert werden soll", so Ripper.

Aber davon geht Michael Obermeier als Initiator des Theatertickets aus: "Die jungen Leute sind gut auf Theater ansprechbar, es wird nur bislang von wenigen wahrgenommen." Theater müssen sich in der Medienlandschaft mehr behaupten, meint Obermeier. "Kino oder Fernsehen drängen sich viel mehr in das Bewusstsein, da müssen wir nachziehen."

Die Studenten sollen ihr Faible fürs Theater nicht nur wegen des Nulltarifs entdecken: "Wir werden einige Kurzstücke auf dem Campus spielen, vergleichbar mit einem Kino-Trailer", plant Obermaier. Er rechnet damit, bis zu 10 Prozent der FH-Studenten fürs Theater zu begeistern. "Gerade weil wir den Auftrag haben, Kultur zu fairen Preisen an alle zu vermitteln, müssen wir uns bemühen, auch alle damit zu erreichen."

Das innovative Projekt zieht Kreise: Die Evangelische FH in Darmstadt mit ihren 1000 Studenten hat sich bereits angeschlossen, die TU verhandelt noch mit dem Staatstheater. Auch andere öffentliche Theater der Rhein-Main-Region zeigen Interesse am Projekt.

Das Darmstädter Beispiel könnte Schule machen. Es wäre nicht das erste Mal, dass die FH Darmstadt Vorreiter für eine bundesweite Entwicklung ist. FH-Sprecherin Sigrid Dreiseitel: "Wie heute hatten wir Anfang der neunziger Jahre einen politisch sehr aktiven AStA. Durch die guten Kontakte unserer Studenten konnten wir als erste in Deutschland das Semesterticket einführen." Heute finanzieren zahlreiche Unis die Fahrscheine ihrer Studenten über die Studiengebühren.

Von Tobias Haucke und Timo Rieg

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