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Drama, Baby: "Germany's next Topmodel" - zum Nachlesen

Foto: Paul Zimmerman/ Getty Images

"Topmodel"-Show als Drama "Wow, so richtig wie aus'm All"

Was ist dramatischer als Heidis "Topmodel"-Finale? Ein Drama über Heidis "Topmodel"-Finale. Zwei Studenten haben die letzten Stunden der Heidi-Klum-Show abgetippt. "Wow" für "Wow" ein Lesespaß. Die Künstler fürchten jetzt die Rache der Meisterin - und erklären im Interview, wie hart die Arbeit war.

SPIEGEL ONLINE: Herr Weichbrodt, Herr Stanjek, Sie haben das komplette Finale der Pro7-Fernsehsendung "Germany's next Topmodel 2011" transkribiert. Warum nur?

Stanjek: Für eine Seminararbeit sollten wir ein Buch gestalten und benötigten dafür Text. Unsere Idee war es, die trivialen Gespräche einer Fernsehsendung in ein hochwertiges Printprodukt zu packen. Dann stellten wir fest, dass "Germany's next Topmodel" wie ein klassisches Drama aufgebaut ist - mit ständigen Wiederholungen. Darum haben wir uns auch für den Reclam-Stil bei der Gestaltung entschieden.

SPIEGEL ONLINE: Das Buch "Das ist der Tag, von dem ihr noch euern Enkeln erzählen werdet" hat 120 Seiten und ist in der Gestaltung wie ein Drama angelegt, inklusive aller Dialoge und Regieanweisungen. Sie müssen sich die Sendung unzählige Male angesehen haben.

Leseprobe
Foto: Grischa Stanjek/ Gregor Weichbro

Germany's next Topmodel 2011 - zum Nachlesen? Macht mehr Spaß, als man denken würden. Klicken Sie rein, in die Auszüge aus DEM Fersehdrama des Sommers. mehr...

Stanjek: Es war die Hölle. Weil wir alles so exakt wie möglich wiedergeben wollten, sahen wir die Sendung immer wieder, tagelang, quasi in Endlosschleife. Die Phrasen der Moderatoren haben sich schließlich wie Ohrwürmer in meinem Kopf festgesetzt.

Weichbrodt: Heidi Klum sagt zum Beispiel unaufhörlich: 'Auch wenn ich es schon ein paar Mal erwähnt habe: Es kann nur eine Germany's next Topmodel werden' - dieses Mantra hat sich bei mir festgefressen.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie nicht etwas fies zu den Kandidaten und zur Jury? Fast niemand spricht doch druckreif.

Weichbrodt: Es stimmt schon, wenn man jedes Wort abtippt, legt man es auf die Goldwaage. Aber wir wollten eben auch zeigen: Inhaltlich kommt da nicht viel. Das ist ein bisschen fies - aber auch ziemlich lustig.

Stanjek: Wir sind keine Heidi-Klum-Hasser. Wir wollten niemanden damit bloßstellen oder die Leute verteufeln, die sich die "Topmodel"-Show ansehen. Es ist einfach ein großes Spektakel, das sich gut in Dramenform abbilden lässt.

SPIEGEL ONLINE: Auf Ihrer Homepage schrieben Sie, die Sendung sei "Rotz", "menschen-verblödender Schund" und ein "sexistisches und von Maschen durchtränktes Blabla".

Weichbrodt: Das Statement ist etwas unglücklich. Ich hatte es auf mein Portfolio geschrieben, bevor das alles so bekannt wurde - das kommt jetzt natürlich etwas doof. Sagen wir es lieber so: Wir stehen der ganzen Sache kritisch gegenüber.

SPIEGEL ONLINE: Keine Angst, dass Heidi Klum klagen könnte?

Weichbrodt: Das wäre natürlich ärgerlich, aber noch ist es ja nur ein Uni-Projekt. Es gibt nur zwei Exemplare. Eines hat die Uni, das andere Buch haben wir. Wir würden es zwar gerne vervielfältigen, haben aber keine Ahnung, wie man so etwas macht.

SPIEGEL ONLINE: Immer wenn Werbung die Sendung unterbrach, zeigen Sie im Buch verwischte Schwarzweißbilder. Was war Ihr Gedanke dahinter?

Stanjek: Auch die Bilder sollen die Sendung unterbrechen. Im Gegensatz zu den konkreten und oberflächlichen Sätzen der Sendung sind die Fotografien abstrakt. Wir wollten damit etwas Abstand zwischen unser Buch und die "Topmodel"-Show bringen.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es denn nichts, was Ihnen an der Sendung gefallen hat?

Weichbrodt: Die hübschen Frauen...

Stanjek: ...naja, es ist eine angenehme Berieselung. Aber meinem Schönheitsideal entspricht das "Topmodel"-Ideal nicht unbedingt.

SPIEGEL ONLINE: Wie waren die Reaktionen auf Ihr Buch?

Stanjek: Wir haben von unserem Dozenten eine 1,0 auf die Arbeit bekommen. Dann berichtete ein großes Blog über das Projekt und schließlich lief es über Twitter und Facebook. Wir haben viele Mails von Leuten bekommen, die das Buch zu Weihnachten verschenken wollen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben sich jetzt so intensiv mit dem Finale von "Germany's next Topmodel" beschäftigt. Eine Frage zum Schluss: Hat Jana Beller damals zu Recht gewonnen?

Weichbrodt: Hören Sie auf! Ich bin noch immer kein Fan der Sendung.

Stanjek: Und ich hatte zumindest eine andere Favoritin.

Das Interview führte Jonas Leppin

Für die Leseprobe klicken Sie auf die Überschriften des Dramas "Das ist der Tag, von dem ihr noch euern Enkeln erzählen werdet" - hier als Leseprobe die Aufzüge eins, zwei, vier und sechs.

Erster und zweiter Auftritt: "Du Thomas, bist du aufgeregt?" - "Come on!"

Erster Auftritt

Erzähler: 18.000 Mädchen, 18.000 große Träume. So begann die Suche nach der Schönsten der Schönen. Nur 50 durften mit auf die Reise in die ganze Welt. Fast 100 Tage auf drei Kontinenten. In 11 Städten. Es gab Triumphe. Es gab Tränen und wir waren alle dabei. Heute finden wir sie, die neue Königin des Catwalks. Live aus der ausverkauften Lanxess Arena in Köln. Die absolute Haute Couture unter den Shows: "Germany's Next Topmodel 2011 - das große Finale".

(Jubel. Applaus.)

Zweiter Auftritt

(Thomas R. und Thomas H. sind nicht zu sehen. Sie sprechen aus dem Off.)

Thomas R.: Du, Thomas!
Thomas H.: Ja, Thomas?
Thomas R.: Du, sag mal, bist du auch schon so aufgeregt?
Thomas H.: Aufgeregt? - Come on!

(Jubel. Applaus.)

Erzähler: Ladys and Gentleman, hier ist Heidis coolste Jury aller Zeiten. Hier sind die Juroren von Germany's next Topmodel 2011: Thomas Hayo und Thomas Rath!

Vierter Auftritt: "Was ist los? Berichte, berichte!"

Vierter Auftritt

(Lena und Louisa erscheinen auf der Leinwand.)

Lena: Hallo Heidi!

Heidi: Schön, dass ihr da seid!

Louisa: Hallo Heidi!

Lena und Louisa: Hallo!

Lena: Hallo Köln!

Heidi: Schön, dass ihr da seid ihr zwei. Wie is'n die Stimmung da hinten? Was ist los? Berichte, Berichte!

Lena: Du, die Stimmung ist eigentlich ganz gut. Einige Mädchen sind schon fertig, die sitzen schon hinter uns. Ein paar sind noch in der Maske, die werden noch ein bisschen geschminkt und zurechtgemacht. Aber in der Zwischenzeit können sich die Zuschauer ja schon mal im Internet anschauen, da können die Zuschauer nämlich voten, wer den Top-Twenty-Walk anführen soll und alle Infos finden sie unten in der Bauchbinde.

Heidi: Louisa, hast du denn die Amelie, die Jana oder die Rebecca irgendwo gesehen?

Louisa: Na klar, die haben wir gesehen und sie sehen wirklich, wirklich super aus, aber ich glaube, ihr seht's jetzt auch gleich.

Heidi: Lena und Louisa, ich hoffe, dass ihr uns weiter auf'm Laufenden haltet, was da so passiert.

Louisa: Na klar.

Lena: Wir laufen nicht weg.

Louisa: Wir sind hier.

Heidi: Cool.

Sechster Auftritt: "Einfach Wusch wart ihr da"

Sechster Auftritt

(Jubel. Applaus. Models werden in kugelähnlichen Gerüsten auf die Bühne getragen; schweben in der Luke. Rock-Musik. Frau aus dem Publikum ruft: "Rebecca!")

(Pop-Musik. Rebecca, Amelie und Jana laufen tanzend den Laufsteg entlang.)

Heidi: Wow! Ich kann nur sagen, es macht so viel Spaß euch Dreien zu zugucken. Erstmal kamt ihr da rein - wie aus'm All. Und so richtig so aus'm All.

Thomas R.: Wow! Toll!

Heidi: So richtig so "Wusch", wie du immer sagst, "Wusch"!

Thomas R.: Wusch! Einfach Wusch wart ihr da.

Heidi: Wow!

Thomas R.: Toll!

Thomas H.: Is' super. Wer? Fast wie … fast wie drei Engels für Thomas, ne?

Heidi: Wie drei Engel für Thomas? Wie drei Engel für Heidi!

Thomas H.: Einigen wir uns: Germany's Angels.

(Jubel.)

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