Tragbare Computer Nepper, Schlepper, Laptop-Klauer

Der Alptraum jedes Examenskandidaten: Kurz vor Abgabe der Arbeit verschwindet der prall gefüllte Datenspeicher - nicht durch Systemabsturz, sondern durch simplen Diebstahl. Tatort ist häufig die Uni-Bibliothek, wie bei einem Pechvogel aus Jena.

Von Christian Fuchs


Tatort Bibliothek: Diebstähle nehmen zu
Foto: GMS

Tatort Bibliothek: Diebstähle nehmen zu

In der Universitätsbibliothek geht es oft so gemächlich zu, als stünde die Zeit still. Manchmal kann sich auch dort schnell viel ändern: Thomas Ammert, BWL-Student aus Jena, ging in der Uni-Bibliothek eine Zigarette rauchen. Seinen tragbaren Computer ließ er am Schreibtisch zurück. Als er zurückkam, ereilte ihn der Schock: Der Laptop war weg. Eine Woche vor Abgabe der Diplomarbeit. "Ich dachte, ich falle gleich um", sagt Ammert.

Mit dem Examensmanuskript über Projektplanung entschwanden auch alle E-Mail-Adressen, Urlaubsfotos und diverse Musikalben. Drei Monate intensiver Arbeit waren umsonst - die Universität glaubte die Klau-Geschichte mangels Beweisen nicht, Thomas fiel durch seine Prüfung.

Mit dem Klapprechner aufs Klo

Schwacher Trost: Der Student aus Jena steht mit seinem Pech nicht allein da. Das Bundeskriminalamt vermerkt stetig steigende Diebstahlzahlen bei mobilen Computern. Die Chance, dass ein Rechner wiedergefunden wird, sei "relativ klein, wenn er nicht wieder in einem registrierten Kreislauf auftaucht", sagt Uwe Geisler vom Landeskriminalamt Thüringen.

Student at work: Nicht ohne mein Notebook
GMS

Student at work: Nicht ohne mein Notebook

Thomas spannte seine Freunde für eine Suchaktion in der Bibliothek ein. Ohne Erfolg. Auch eine Anzeige bei der Polizei und die Beobachtung aller Computerversteigerungen bei einem Online-Auktionshaus blieben erfolglos. Thomas hatte zusätzlich Pech: Die Videoüberwachung der Bibliothek nahm den Diebstahl nicht auf, weil die Bilder der acht Überwachungskameras nur in Notfällen mitgeschnitten werden. Bei Diebstählen sei die Bibliothek machtlos, sagt Rainer Herzog, stellvertretender Direktor der Landesbibliothek Jena.

Bibliotheken in Berlin, Bochum und Köln setzen stärker auf Überwachung. Trotzdem wird auch hier die Langfinger-Liste länger. "Mehrere Vorfälle" seien ihm schon gemeldet worden, sagt Gernot Garbe, von der Uni-Bibliothek Köln, allerdings "im kleinen Bereich". In der Bibliothek sind Warnschilder verteilt, die zur Achtsamkeit anhalten. Dass nicht alle sie beachten, beweisen Hilferufe in Zettelform an den schwarzen Brettern: Verzweifelte Studenten appellieren an die Täter, doch wenigstens die Daten wieder zurückzugeben.

Schicker Klapprechner: Der Klauer freut sich diebisch

Schicker Klapprechner: Der Klauer freut sich diebisch

"Bitte achten Sie auf Ihre eigenen Sachen", warnt ein Hinweis an der Humboldt-Universität Berlin, an der Freien Universität vertraut man auf die Videoüberwachungsanlage. Franz Winter von der Münchner Uni-Bibliothek München empfiehlt, "das teure Stück notfalls auch in die Toilettenkabine mitzunehmen".

Der komplette Verlust der Daten lässt sich durch regelmäßige Sicherungskopien leicht vermeiden. Doch das investierte Geld ist meist weg: Die Hausratspolicen der großen Versicherer zahlen keinen Cent, wenn der Computer in der Bibliothek abhanden kommt. Nur bei Einbruch, zum Beispiel in einen Uni-Spind, haben Studenten ein Recht auf finanzielle Wiedergutmachung.

Angewiesen auf faire Finder

Um geistiges und materielles Gut zu sichern, empfiehlt sich daher ein Laptopschloss. Ein 1,80 Meter langes Stahlkabel, das an jeden Laptop festgeschlossen werden kann, soll das Diebstahlrisiko verringern. Marktführer Kensington freut sich über 30 bis 40 Prozent Verkaufszuwächse in den vergangenen Jahren, bei einem stolzen Preis von 59 Euro für ein dünnes Schloss mit zwei Schlüsseln.

Ab zwei Euro aufwärts kann jeder Laptop-Besitzer sein Gerät auch bei einem "Registriersystem wie "S.T.O.P" anmelden. Eine nicht entfernbare Plakette auf dem Laptop mit einer Identifikationsnummer zeigt dann jedem potenziellen Nachbesitzer, wem der Computer wirklich gehört.

Während solche Systeme nur mit fairen Findern funktionieren, haben auch Sicherheitsschlösser ihre Tücken. Durch heftiges Zerren soll in Köln auch schon ein PC vom Schloss getrennt worden sein, berichtet Gernot Garbe. Und so kennt auch Pechvogel Thomas nur eine wirklich sichere Methode gegen Laptop-Klau: "Das Ding einfach immer mitnehmen und nie aus den Augen verlieren."



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