Tramp-Team Slowenien Kampf um die Ehre

Katharina Schäder und Karolin Sengebusch haben die Nacht bei einer Studentin verbracht - heimlich, denn die Vermieterin durfte nichts wissen. Das hätte Streit gegeben. Ungefähr so wie zwischen den Städten Izola und Piran.


Freitag, 4. Juni
Sind die Slowenen streitsüchtig?

Izola an der slowenischen Küste war traditionell ein Fischerort, das benachbarte Piran eine Piratenstadt, erfahren wir von Jose Cerneclič, dem Tourismus-Beauftragten von Izola. Seit dem 13. Jahrhundert liegen die Städte miteinander im Clinch. Früher ging es um Ländereien - und jetzt um die Ehre. "Jedes Jahr haben wir aufs Neue Friedensverhandlungen.

Trampen durch Slowenien: Katharina und Karolin
Juliane Schönherr

Trampen durch Slowenien: Katharina und Karolin

Aber zum Glück sind sie bisher immer gescheitert!", erzählt Jose mit blitzenden Augen. Bei dem Thema Krieg mit Piran ist der 52-Jährige in seinem Element, viel mehr als bei den kostenlosen Künstlerateliers in der Altstadt, wegen denen wir ihn eigentlich getroffen haben. "Wir ärgern uns immer gegenseitig", berichtet er weiter. Die Piraner zum Beispiel sind sehr Stolz auf den großen Sohn ihrer Stadt, den Violinisten Tartini. Auf dem Piraner Marktplatz steht seine Statue.

"Wir haben einen Mann angezogen wie die Statue, mit Bronze bemalt und auf unserem eigenen Platz aufgestellt. Dann haben wir bei dem Gipfeltreffen unserer Städte einen Film gezeigt, in dem die Statue per Fotomontage nicht mehr auf ihrem Platz in Piran steht. Die Izolaner haben alle gelacht, die Piraner sind wortlos nach Hause gegangen", freut sich Joše Cerneclič.

DER SPIEGEL
Natürlich ist die Feindschaft zwischen den Städten heute nicht mehr ernst gemeint, sondern eine liebgewordene Tradition und ein Touristenspektakel, inklusive einer kleinen Seeschlacht beim alljährlichen Fischerfest Ende August.

Doch vor nur einem halben Jahrhundert war das Verhältnis noch angespannt: "Während meiner Jugend in den Sechzigerjahren, galt es als unpassend, wenn ein Mädchen aus Izola mit einem Jungen aus Piran zusammen war", weiß Jose Cerneclič. Ein Überbleibsel aus dem 13. Jahrhundert, als Hochzeiten zwischen Piranern und Izolanern verboten waren. Zeitweise wurden sie sogar mit Verbannung bestraft.

Heute lebt die Feindschaft in Redewendungen fort. Piraner gelten in Izola als streitsüchtig. Und wenn Jose Cernecličs Kinder sich zanken, rügt er sie: "Seid ihr Menschen oder aus Piran?"

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