Tramp-Team Tschechien/Slowakei Schneesturm im Sommer

Einen Sturm haben Anna Driftmeier und Susann Blum in der Hohen Tatra zwar nicht erlebt, aber sie hätten zumindest einen erleben können. Das behauptet jeden Falls Peter Šperka. Der rettet nicht nur in den Bergen verunglückte Menschen, sondern auch aus dem Nest gefallene Eulen.


Freitag, 4. Juni
Bei der Bergwacht in der Hohen Tatra

In der Hohen Tatra: Susann Blum (links) und Anna Driftmeier
Juliane SChönherr

In der Hohen Tatra: Susann Blum (links) und Anna Driftmeier

In der Hohen Tatra schneit es auch im Sommer. Zwar nur manchmal, dann aber richtig. Innerhalb von fünf Minuten kann sich das Wetter total verändern, von herrlichem Sonnenschein zu Schneestürmen. Das sind die Momente, in denen Peter Šperka damit rechnet, gleich angerufen zu werden. Peter arbeitet beim Horská služba, dem Bergrettungsdienst in Starý Smokovec. Er gehört zu einem Team von 20 professionellen Rettungsleuten. Fünf von ihnen sind immer in der Rettungsstation, alle anderen sind trotzdem in Alarmbereitschaft.

In der Hochsaison kommen die Retter mehrmals am Tag zum Einsatz. Im Frühling oder Herbst ist aber manchmal auch zehn Tage Ruhe. Wenn jemandem etwas passiert, dann sind das meist Skifahrer, Kletterer oder Wanderer. Viele von ihnen ignorieren Unwetter- oder Lawinenwarnungen und bringen sich dadurch selber in Gefahr.

"Wenn ich bei Sonnenschein auf dem Berg sitze und ein leichtes Lüftchen aus Westen aufkommt, dann weiß ich, dass es gleich Sturm gibt", erzählt Peter. "Die Leute um mich herum schauen mich immer völlig entgeistert an, wenn ich sage, dass wir unbedingt absteigen müssen." In solchen Situationen kann Peter die Leute immerhin noch warnen. Oft ist es aber auch zu spät und das Rettungsteam muss ausrücken. Im Normalfall kann es die Verletzten bergen. Trotzdem kommen pro Jahr in der Hohen Tatra ungefähr 20 Menschen ums Leben.

Manchmal trifft es sogar die Retter selbst. Peter hat schon mehrere Kollegen und Freunde in den Bergen verloren. Vor drei Jahren war ein Freund mit seiner Tochter Klettern und ist abgerutscht. Jede Hilfe kam zu spät. "Eigentlich sind wir mittlerweile den Anblick von Toten gewohnt", sagt Peter, "aber so etwas ist immer furchtbar, vor allem bei Freunden." In gefährlichen Situationen war Peter, der auch privat viel klettert, selbst schon oft. In Nepal hat er bei minus 64 Grad zwei Begleiter verloren, er kehrte alleine mit eingefrorenen Fingern zurück.

Wir fragen Peter, ob sich seine Familie keine Sorgen macht, wenn er in den Bergen unterwegs ist. Peter schüttelt den Kopf, seine beiden Töchter sind selbst professionelle Skifahrerinnen. Die Verletzungsgefahr ist sehr groß, viel Geld kann man bei der Bergrettung auch nicht verdienen. "Geld ist nicht das Wichtigste", wirft Peter ein. Früher hat er Bergtouren organisiert, "es ist da selbstverständlich zu helfen, wenn in den Bergen etwas passiert." So ist Peter zum Rettungsdienst gekommen. Sein Team rückt heutzutage mit schwerer Ausrüstung aus, mit Hubschraubern, Schneefahrzeugen und Spürhunden. Bei großen Einsätzen werden bis zu 50 Leute gebraucht, dann werden auch Freiwillige aus dem Ort angerufen. Damit es dann kein Chaos gibt, hat einer den Hut auf, ist Einsatzleiter. Würde heute etwas passieren, wäre das Peter.

Was bisher geschah:
Hitzige Debatte an der Grenze
Anna bei Friseurin Alanna
Atmosphärische Störungen im "Voodooclub"
Eine Kneipentour in Prag mit dem "Drei-Liter-Mann"

© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.