Trampen durch Osteuropa Kampf den Klischees

Von Felix Hügel

9. Teil: Team Rumänien - Preisabsprache beim Trampen


Team Rumänien: Julia und Nancy

Verhandlungen bei Fahrtantritt: Julia beim Trampen

Verhandlungen bei Fahrtantritt: Julia beim Trampen

"'80 Prozent der Rumänen sind gut, 20 Prozent sind böse.' Trucker Adrian aus Timisoara gibt uns seine persönliche Gefahrenstatistik mit auf den Weg. Nach ihm kommen Solin, Anamaria und Herr Orban, die uns in ihr Auto, Haus oder Museum lassen.

Aber schon die nächste Begegnung lässt uns an Adrian zurückdenken. Der Herr um die 70 scheint einer von den Guten, wir steigen daher in seinen Dacia ein. Wer in Rumänien Tramper mitnimmt, verlangt dafür in der Regel Geld. 'Cinci, cinci', sagt er. Als wir noch überlegen, ob er fünf Lei, also etwa einen Euro, pro Person oder für beide will, rumpeln wir schon in Richtung Recas, einem Städtchen im Westen Rumäniens.

Dort, 20 Kilometer entfernt, soll es einen der besten Weine des Landes geben. Wir wollen ihn probieren und herausfinden, was sich seit dem EU-Beitritt auf dem Weingut getan hat. Eine halbe Stunde später bremst der Opa auf dem Hof und bittet uns zur Kasse. Der Zehn-Lei-Schein reicht ihm nicht, er zeigt auf die 50 im Sprachführer.

Wir diskutieren, die Autotür klemmt, der Herr wird aggressiver, uns wird unwohler. Als er mit der Polizei droht, suchen wir Hilfe in der Winzerei. Unser Fahrer folgt uns aufgebracht, doch die Empfangsdame steht uns bei: 50 Lei für 20 Kilometer sind zu viel. Der wütende Herr macht sich endlich auf den Heimweg. Um uns kümmern kann sich hier leider niemand, alle haben zu tun.

Wir stehen enttäuscht am Straßenrand - nur weg aus Recas! Sollten wir etwa mehr auf die Rumänen hören, die vor ihren eigenen Landsleuten warnen? Wir lassen uns ab jetzt die Fahrpreise schriftlich geben, kaufen den Wein aus Recas im Supermarkt und treffen schon wieder auf 120 Prozent rumänische Gastfreundschaft und Herzlichkeit!"



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