TU Dresden unter Wasser Wo angehende Förster nach Büchern tauchen

Bei der Flutwelle ist die TU Dresden glimpflich davongekommen - jedenfalls der zentrale Campus. An der ältesten Forstfakultät der Welt dagegen zerstörten die Wasser- und Schlamm-Massen eine Bibliothek, Labors und Geräte. Studenten gingen sogar auf Tauchstation, um alte Bücher zu retten.

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Sehr idyllisch, vor der Welle: Hauptgebäude der Forstwissenschaften an der Wilden Weißeritz
UJ / Eckhold

Sehr idyllisch, vor der Welle: Hauptgebäude der Forstwissenschaften an der Wilden Weißeritz

Seit die Elbe vor einer Woche erhebliche Teile von Dresden unter Wasser setzte, befinden sich auch Wissenschaftler und Studenten im Dauereinsatz. Der zentrale Campus der Technischen Universität im Süden Dresdens liegt zwar sicher und trocken und wurde kaum in Mitleidenschaft gezogen. An einigen technischen Instituten in der Johannstadt jedoch mussten die Mitarbeiter frühzeitig beginnen, empfindliche Geräte aus den Kellern zu bergen.

Im Gebäude der Informatiker beispielsweise gibt es seit Tagen weder Strom noch Telefon. Doch die Informatikstudenten kamen täglich und sorgten für Schadensbegrenzung. Sie schafften es rechtzeitig, technische Geräte sowie die gesamte Bibliothek in die oberen Stockwerke zu tragen.

Neue deutsche Welle: Tauchgänge und Behelfsbrücken

Aufräumarbeiten: Zur Reinigung des Inventars bleibt den drei Studentinnen nur die Weisseritz
TUD / Karsten Eckhold

Aufräumarbeiten: Zur Reinigung des Inventars bleibt den drei Studentinnen nur die Weisseritz

Andere füllten Sandsäcke und meldeten sich nach tagelanger Arbeit auch noch zur Reinigung. "Ohne unsere Studierenden, die mit ihrem unbeschreiblichen Engagement alles versucht haben, um in ihren Fakultäten zu retten, was zu retten ist, würde die Schadensbilanz an der TU Dresden wesentlich schlimmer aussehen", lobte der Dresdner Rektor Achim Mehlhorn.

Auch bei der Evakuierung des Uniklinikums konnte die Einsatzleitung auf die Medizinstudenten zählen. In den Ingenieurwissenschaften richteten die Fluten ebenfalls Schäden an. So lief das Wasser in einen Windkanal, den die Bobfahrer der deutschen Natiuonalmannschaften zu Tests nutzen. "Wie hoch die Schäden insgesamt sind, können wir noch nicht genau beziffern", so Uni-Sprecher Mathias Bäumel, "unsere Statiker sind noch unterwegs und prüfen, ob die Fundamente beschädigt sind, die zum Teil im Schlamm schwimmen."

Seite für Seite: Wertvolle Bücher werden durch Einlegen von Löschpapier getrocknet
TUD / Karsten Eckhold

Seite für Seite: Wertvolle Bücher werden durch Einlegen von Löschpapier getrocknet

Viel schlimmer erwischte es die TU-Außenstelle für Forst-, Geo- und Hydrowissenschaften in Tharandt. Am 15 Kilometer südwestlich von Dresden gelegene 5000-Einwohner-Dorf gabeln sich die Wilde Weißeritz, die aus dem Erzgebirge kommt, und ein weiterer Bach. Die Hauptwelle am Dienstag der vergangenen Woche überflutete das Tal und unterspülte auch sieben Gebäude der Universität.

Mit der Wucht der Welle hatten die Hochschulmitarbeiter nicht gerechnet. Mehrere Wohnhäuser in Tharandt wurden einfach weggerissen, bei den Uni-Gebäuden reichten die Wassermaßen teils bis in den ersten Stock. Besonders problematisch: Geräte und Laboreinrichtungen befinden sich wegen ihres hohen Gewichts überwiegend im Keller oder im Erdgeschoss, die Hörsäle dagegen in höher gelegenen Etagen.

Hier kommt die Flut: 6000 nasse Bücher

Echte Verwüstungen richtete das Wasser in der Bibliothek der Forstwissenschaftler an. Sie liegt im Souterrain der ältesten Forstfakultät der Welt. In den ersten drei Tagen der Flut versuchten Studenten, Schüler und andere Helfer rund 6000 Bücher zu retten.

Manche von ihnen reisten aus anderen Orten an, zum Beispiel aus Berlin. Sie bildeten eine Menschenkette über Behelfsbrücken bis zum Festland, die Hobby-Bergsteiger unter den Studenten gebaut hatten. Zwei Taucher stiegen immer wieder in die eiskalte Brühe, um wertvolle, bis zu 200 Jahre alte Folianten zu bergen.

Jörn Erler, sonst Professor für Forsttechnik, koordiniert den Wiederaufbau in Tharandt und ist ständig im Tal mit dem Handy unterwegs. "Das ist schon tragisch - ein wesentlicher Teil der Neuausstattung aus den letzten zehn Jahren ist einfach verloren", sagt er. Allein im am schlimmsten betroffenen Uni-Gebäude habe das Wasser einen Schaden von 300.000 bis 500.000 Euro angerichtet.

Tiefgefroren, aufgetaut, restauriert

"Die Aufräumarbeiten laufen jetzt in ungeheurem Tempo", sagt Erler. Das sei auch nötig, weil es zu stinken anfange - in Tiefkühltruhen zum Beispiel seien Tierkadaver zu Forschungszwecken gelagert. Zugleich befinden sich die 6000 Bücher, fast alle durchnässt, jetzt in der Trockung. "Die fühlen sich an wie Seife", so der 44-jährige Wissenschaftler. Sie werden jetzt zunächst tiefgefroren, dann langsam wieder aufgetaut und restauriert. Etwa 80 Helfer sind in einem Hörsaal damit beschäftigt, die Bücher abzutrocknen: "Da herrscht eine fast klösterliche Atmosphäre."

Judeich-Bau der TU Dresden in Tharandt: Wasser marsch, zehn Jahre Aufbauarbeit unterspült
UJ / Eckhold

Judeich-Bau der TU Dresden in Tharandt: Wasser marsch, zehn Jahre Aufbauarbeit unterspült

Derzeit liegt der Wasserstand immer noch etwa zwei Meter über dem Normalpegel, "wir sind eingedämmt wie an der Nordsee hinter dem Deich", so Erler. Tharandt als Uni-Standort stehe aber nicht zur Diskussion. Die Forstwissenschaftler sollen weiterhin dort logieren. Auch den Studienbetrieb im kommenden Wintersemester sieht Erler nicht gefährdet: Die Fakultät sei zwar in der Forschung zurückgeworfen worden, die Hörsäle seien aber überwiegend schon jetzt wieder benutzbar.

"Schwer beeindruckt" ist Koordinator Jörn Erler von der Aufbruchstimmung in Tharandt. Nicht nur Hochschulmitarbeiter und Studenten seien zusammengeschweißt worden, auch mit der Bevölkerung gebe jetzt ein neues Gemeinschaftsgefühl. "Ich bin wirklich kein Freund des Krise-als-Chance-Geredes", sagt er, "aber so viel Solidarität ist schon unglaublich."


Erste Hilfe

Die Fachrichtung Forstwissenschaften der TU Dresden sammelt Spenden:

Förderverein für die akademische Ausbildung in Tharandt
Konto 30 70 00 00 60
Bankleitzahl 850 50 300
Sparkasse Freital-Pirna

Wer speziell die Bibliothek unterstützen möchte, gibt dies als Verwendungszweck an.



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