TU Dresden Martin Winterkorn bleibt trotz Anklage Honorarprofessor

Ex-VW-Chef Martin Winterkorn ist nicht mehr als Dozent an der TU Dresden tätig, darf sich aber trotzdem noch Honorarprofessor nennen. Die Uni will erst nach Ende des Verfahrens entscheiden, wie sie reagiert.

Martin Winterkorn, Ex-Vorstandsvorsitzender von VW, als Zeuge in einer Sitzung des Abgas-Untersuchungsausschusses im Bundestag (Januar 2017)
DPA

Martin Winterkorn, Ex-Vorstandsvorsitzender von VW, als Zeuge in einer Sitzung des Abgas-Untersuchungsausschusses im Bundestag (Januar 2017)


Als im September 2015 bekannt wurde, dass VW Kunden und Behörden in großem Stil mit Betrugssoftware hintergangen hatte, stellte sich schnell die Frage: Welche Rolle spielte Martin Winterkorn, damals Vorstandsvorsitzender des Autobauers, in der Abgasaffäre?

Eine Frage, die auch an der Technischen Universität Dresden (TUD) immer wieder diskutiert wurde. Denn Martin Winterkorn war am 30. Juli 2004 zum Honorarprofessor für das Fachgebiet "Leichtbauwerkstoffe im Fahrzeugbau" der TU bestellt worden. Zu dieser Zeit war er noch Vorstandschef bei der VW-Tochter Audi.

"Mit der Bestellung von Dr. Winterkorn als Honorarprofessor verspricht sich die Dresdner Universität eine noch engere Bindung der Firmen AUDI AG und Volkswagen AG an einschlägige Institute der TU Dresden", hatte die Uni damals mitgeteilt und die "spezielle Fachkompetenz" des Autoexperten gelobt. Zwei Wochenstunden pro Semester musste der Automanager seither in der Lehre aktiv sein.

Auf SPIEGEL-Anfrage hatte die TU vor drei Jahren mitgeteilt, dass man erst im Fall einer Anklage den Honorarprofessoren-Status von Martin Winterkorn überprüfen werde. Diese Anklage ist jetzt von der Staatsanwaltschaft Braunschweig erhoben worden: Winterkorn und vier weiteren VW-Managern werden unter anderem schwerer Betrug sowie ein Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb vorgeworfen (einen Kommentar zu dieser juristischen Entscheidung der Staatsanwaltschaft finden Sie hier).

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Anklage im Abgasskandal: Der Fall des Martin Winterkorn

Ist die TU Dresden jetzt also, wie damals angekündigt, aktiv geworden? Winterkorn habe "eine Zeit lang Lehrveranstaltungen" an der Uni gegeben und wissenschaftliche Projekte unterstützt, sagte TU-Sprecher Konrad Kästner gegenüber dem SPIEGEL: "Seit 2014 ist er jedoch nicht mehr für TUD aktiv." Die Option eines direkten Rausschmisses muss in Dresden also nicht diskutiert werden.

Doch den Titel als Honorarprofessor verliert der Ex-VW-Chef deshalb trotzdem nicht. Denn im sächsischen Hochschulgesetz heißt es in § 69, Absatz 5: "Ein Professor darf den Titel 'Professor' nach Ausscheiden aus dem Dienstverhältnis führen, wenn seine Dienstzeit mindestens 5 Jahre betrug." Das sei hier der Fall, bestätigt Uni-Sprecher Kästner, auch wenn Winterkorn den Titel nicht mehr mit Bezug auf die TU Dresden tragen dürfe.

Trotzdem beobachtet die Hochschule das Verfahren gegen ihren früheren Mitarbeiter genau. Denn im Hochschulgesetz steht auch: "Die Berechtigung zur Titelführung soll entzogen werden, wenn er sich ihrer als nicht würdig erweist." Über diese Frage der professoralen Würde müssten letztlich die Gremien der Uni und der Fakultät entscheiden, sagt Konrad Kästner: "Kommt es infolge einer Anklage zu einer Verurteilung, wird die TU Dresden prüfen, welche Konsequenzen sie zieht."

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Richtig gut 18.04.2019
1. Richtig so.
Solange der Mann nicht rechtswirksam verurteilt ist, ist er UNSCHULDIG. Die TU Dresden versteht das - die Presse offenbar nicht!
Gunnicus 18.04.2019
2. Urteil?
"wenn er sich ihrer als nicht würdig erweist" Auf ein Urteil muß nicht gewartet werden. Aber die sind ja in Dresden.
Havel Pavel 18.04.2019
3. Gehört sich in einem "Rechtsstaat" auch so
Noch gilt die Unschuldsvermutung, solange ein "Angeklagter" nicht rechtskräftig verurteilt wurde. Was wäre das denn für ein Rechtsstaat wenn jeder aufgrund einer Beschuldigung und darauf erfolgender Anklage geichzeitig seinen Job verlieren würde. Mutig wenn sich Entscheidungsträger nicht schon wieder mit vorauseilendem Gehorsam sich auf fragwürdige Weise zu profilieren versuchen. Davon gab un gibt es in diesem Land immer noch allzuviele!
stelzerdd 18.04.2019
4. Vorverurteilung
Zitat von Gunnicus"wenn er sich ihrer als nicht würdig erweist" Auf ein Urteil muß nicht gewartet werden. Aber die sind ja in Dresden.
Wie gut, daß nicht einzelne Personen a la Gunnicus entscheiden, auch in Dresden.
anark 18.04.2019
5.
Schön, da kommen seine Studenten vielleicht in den Genuß von Spezialvorlesungen zum Thema "Wie bescheiße ich am besten meine Kunden". Die TU scheint im Bezug auf das Vertrauensverhältnis mit Herrn Winterkorn glücklicherweise keine Probleme zu haben.
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