Lidl-Gründer stiftet 20 Lehrstühle Professuren vom Discounter

Lidl-Gründer Dieter Schwarz stiftet der TU München 20 Professoren auf einmal. "Ein Dammbruch", warnt Konstantin Korn vom Portal hochschulwatch.de und fordert: Die Uni muss Nein sagen.
Lidl-Supermarkt (Archivbild)

Lidl-Supermarkt (Archivbild)

Foto: Matthias Balk/ dpa

Der Plan ist beispiellos: 20 Stiftungsprofessoren will Lidl-Gründer Dieter Schwarz der Technischen Universität München (TUM) schenken. Sie sollen bis zur Emeritierung der Lehrstuhlinhaber finanziert sein und erweitern die "TUM School of Management", die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, schlagartig von 34 auf 54 Lehrstühle.

13 der neuen Professoren werden jedoch gar nicht in München lehren, sondern in einem noch zu gründenden TUM-Ableger in Schwarz' Heimatstadt Heilbronn. Dort gibt es bereits einen Bildungscampus mit mehreren Schulen und Hochschulen, der wesentlich von der Dieter-Schwarz-Stiftung finanziert wird. Ein Eckpunktepapier zwischen Stiftung und Uni nennt als Ziel, bis zu tausend BWL-Studenten dort auszubilden.

Damit die TUM in Heilbronn aktiv werden kann, muss sie Neuland betreten: Es wäre die erste bundesland-übergreifende Dependance einer deutschen Universität. Bisher gibt es an der TUM mit ihren insgesamt knapp 550 Lehrstühlen 16 Stiftungsprofessoren, fünf weitere Stellen sind ausgeschrieben.

Stiftungsprofessoren

Besonders kritisch beobachtet das Portal hochschulwatch.de  Kooperationen von Unis und FHs mit Wirtschaftsunternehmen. Über 9000 Datensätze zur Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft haben die Betreiber zusammengetragen, vom Deutschlandstipendium bis zur Stiftungsprofessur. Warum die 20 Lehrstühle für die TU München alles bisher Dagewesene sprengen, erklärt Konstantin Korn von hochschulwatch.de.

Zur Person
Foto: Christian Birk

Konstantin Korn, 24, ist Lehramtsstudent in Marburg und Vorstandsmitglied beim "Freien Zusammenschluss der Studierendenschaften" (fzs). Der fzs gehört zu den Betreibern des Portals hochschulwatch.de  - zusammen mit der "Tageszeitung" und Transparency International Deutschland.

Herr Korn, die Stiftung des Lidl-Gründers Dieter Schwarz schenkt der Technischen Universität München 20 neue Professuren für Betriebswirtschaftslehre. Das ist doch eine gute Nachricht, oder?

Nein. Das ist ein Dammbruch, ein richtiger Paukenschlag. Ich habe erstmal schlucken müssen, als ich das gehört habe. Vorher gab es mal einen oder zwei Stiftungslehrstühle und dann meistens nur für fünf oder höchstens acht Jahre - und jetzt 20 auf einmal, dazu finanziert bis zur Emeritierung! Mir kann niemand erzählen, dass das keinen inhaltlichen Einfluss hat.

Wie soll dieser Einfluss denn aussehen?

Das kann man doch an Beispielen aus der Vergangenheit sehen. Nehmen Sie die Deutsche Bank, die in Berlin an Freier Universität und Humboldt-Uni zwei Stiftungsprofessuren am ''Institut für Angewandte Finanzmathematik'' finanziert hatte. Die Bank hatte sich weitreichenden Einfluss auf inhaltliche Fragen und bei der Personalauswahl gesichert. Als das 2011 in die Öffentlichkeit kam, wurde der Vertrag zum Glück nicht verlängert.

Aber glauben Sie wirklich, dass Dieter Schwarz ganz plump auf Discounter-freundliche Forschung hofft?

Er hat definitiv Einfluss bei den Stellenausschreibungen und damit auf das Forschungsfeld der Professoren. Aber selbst, wenn das formal korrekt ist, ist doch klar, dass man es sich an der TU mit so einem wichtigen Geldgeber nicht verscherzen will. Wenn der Stifter einen Termin beim Präsidenten haben möchte, bekommt er den bestimmt sofort.

Ja und?

Wie soll denn dort unabhängig gearbeitet werden, wenn mehr als ein Drittel der Professoren eines Fachbereichs von einem einzigen Stifter bezahlt werden? Die schlechten Arbeitsbedingungen bei Lidl - die werden als Forschungsthema an der TU dann wohl nicht mehr vorkommen.

Die Universität verspricht: Wir sichern uns ab, Forschung und Lehre bleiben unabhängig.

Klar, das muss die TU auch sagen. In Wirklichkeit verschiebt dieses Paket von Stiftungsprofessuren aber die gesellschaftliche Akzeptanz für den Einfluss der Wirtschaft auf das Bildungssystem. Eigentlich müsste die TU München dieses Angebot ablehnen - aber mir ist natürlich klar, dass sie das nicht tun werden. Dann müssen sie wenigstens zusätzliche Garantien für die wissenschaftliche Freiheit entwickeln. Und mittelfristig brauchen die Hochschulen einfach mehr Geld in der Grundfinanzierung - um genau solche unseriösen Angebote nicht mehr annehmen zu müssen.