Studiengebühren an der TU München Ausländische Studenten sollen bezahlen

Wer zum Studieren nach Deutschland kommt, soll zahlen. Jedenfalls, wenn es nach Wolfgang A. Herrmann geht: Der Präsident der TU München will so Geld einnehmen - doch schon einmal ist ein Uni-Chef mit der Idee gescheitert.

Um kernige Visionen von unternehmerischen Hochschulen ist Wolfgang A. Herrmann selten verlegen. Vor ein paar Wochen zog sich der Präsident der TU München den Zorn von Sprachpuristen zu, als er forderte, bis 2020 alle Master-Studiengänge an der TU nur noch auf Englisch anzubieten - schließlich sei Englisch die weltweite Wissenschaftssprache Nummer eins. Am Wochenende zündete Herrmann einen neuen Sprengsatz: Er fordert Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer.

"Der Vorschlag greift gängige internationale Erfahrung auf", sagt der Münchner TU-Präsident: "Die besten Talente aus aller Welt suchen Spitzenuniversitäten, um sich dort unter Beteiligung an den Kosten auf ihre berufliche Zukunft vorzubereiten und um die Reputation der Universität in den eigenen Lebenslauf mitzunehmen. So einfach. Warum nicht bei uns?" Das "German Engineering" genieße weltweit einen exzellenten Ruf, der auf einer Top-Ausbildung beruhe und für den Studenten auch bezahlen würden, so Herrmann.

Allerdings könne man das sehr gute Niveau nur halten, wenn die Finanzierung der entsprechenden Hochschulen erweitert werde - etwa durch Stiftungen, aber auch durch Studiengebühren. Im Gegenzug könne es dafür Unterkünfte und eine besondere Betreuung der zahlenden Gaststudenten geben - an solchen Dienstleistungen "hapert es in Deutschland noch erheblich".

"Überhaupt nicht Ehrenrühriges"

Ganz neu ist die Idee des Münchner TU-Präsidenten allerdings nicht. Genau zehn Jahre ist es her, da preschte der damalige Rektor der RWTH Aachen mit einem ähnlichen Vorschlag vor: "Die Geldeliten, die das Geld haben, die geben das auch aus. Die gehen nach England, nach Amerika, und bezahlen sehr viele Studiengebühren", sagt Burkhardt Rauhut 2004 und brachte Summen von rund 10.000 Euro pro Semester ins Gespräch - inklusive Unterkunft, individueller Betreuung und einem Anteil, mit dem man Stipendien für ärmere Gaststudenten finanzieren könnte.

Die Gebühren dienten damit letztlich auch der sozialen Gerechtigkeit, argumentierte Burkhardt Rauhut seinerzeit: "Wenn in China ein Prozent reich sind, dann sind das zehn Millionen. Und die haben Geld. Und wenn wir von denen das Geld nehmen und andere unterstützen, die gar nichts haben, dann sehe ich überhaupt nichts Ehrenrühriges daran." Burkhardt kassierte damals viel Schelte, sein Vorschlag versandete, Mitte des vergangenen Jahrzehnts wurden schließlich in zahlreichen Bundesländern allgemeine Studiengebühren eingeführt - und ein paar Jahre später nach massiven politischen Protesten wieder abgeschafft.

Ausländer, bitte zahlen!

Der bundesweite Wegfall der Gebühren sorgt jetzt ganz offensichtlich für eine Renaissance alter Ideen: Im vergangenen Jahr hatten bereits die Grünen in Baden-Württemberg laut darüber nachgedacht, zur Finanzierung der Südwest-Hochschulen von Gaststudenten 1000 Euro pro Semester zu kassieren. Und an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater (HMT) sind seit dem vergangenen Wintersemester 3600 Euro pro Jahr fällig, wenn ausländische Studenten keinen EU-Ausweis haben. "Das wurde problemlos angenommen", kommentiert ein HMT-Sprecher die Gebühr lapidar - Kritiker dagegen schimpfen über die Rückkehr der Gebühren durch die Hintertür.

Der Münchner TU-Prüsident Wolfgang A. Herrmann lässt sich dadurch jedoch nicht beirren. "Stanford und MIT haben kein Nachfrageproblem", wischt er die Frage nach möglichen Abschreckungseffekten beiseite. Außerhalb Deutschlands und der EU werde das Studium "als Lebensinvestition begriffen, an dessen Kosten man sich beteiligt".

22 Prozent der 36.000 Studenten an der TU sind derzeit Ausländer, die meisten mit EU-Pass. Eine konkrete Summe nannte Herrmann bisher nicht, die ihm vorschwebt. Aber die Rechnung ist klar: Schon allein die rund 1000 chinesischen Gaststudenten an seiner Uni würden bei einer niedrig angesetzten Gebühr von 1000 Euro pro Semester zwei Millionen Euro jährlich in die Kassen der TU spülen - bei Semestergebühren von 10.000 Euro sogar 20 Millionen.

Wer Wolfgang A. Herrmann als Verfechter der unternehmerischen Hochschule kennt, weiß: Zwei Millionen werden ihm vermutlich nicht reichen.

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