U-Boot an der Uni Protestantischer Theologe ist Katholik

Ein Geständnis des Heidelberger Neutestamentlers Klaus Berger dürfte für Unruhe unter seinen Studenten sorgen: Der Professor gehört der katholischen Kirche an - obwohl er seit Jahren evangelische Theologie lehrt.

Der Heidelberger Professor für Neues Testament, Klaus Berger, lehrt seit Jahrzehnten an der Universität evangelische Theologie, obwohl er nie aus der katholischen Kirche ausgetreten ist. Das berichtet die Wochenzeitung "Die Zeit" in ihrer aktuellen Ausgabe. Berger bestätigte inzwischen die Angaben. Er betonte aber, er habe keinen Betrug begangen und auch nichts verheimlicht.

Die evangelische Fakultät wisse darüber seit 30 Jahren Bescheid. Auch ein Beichtvater aus dem katholischen Erzbistum Breiburg habe das Versteckspiel von Anfang an gebilligt, behauptet Berger. Der flexible Theologe führt sogar den aktuellen Papst als Kronzeugen an. Dieser habe seinerzeit davon gewusst, dass sich Berger einem Beichtvater anvertraut habe und den Vorgang nicht beanstandet.

Das beste aus beiden Welten

"Juristisch bin ich Mitglied der evangelischen Kirche, weil ich Kirchensteuer zahle und getauft bin", betonte Berger. Berger, 64, gab an, das Geheimnis selbst lüften zu wollen, weil er kurz vor der Emeritierung steht.

"Man kann sehr wohl in der evangelischen Kirche leben und katholisch sein", sagte Berger. Im übrigen habe er verfügt, dass er katholisch beerdigt werde, ohne dass die evangelische Fakultät eingeladen werde.

Nach eigenen Angaben konnte Berger in jungen Jahren wegen einer von der offiziellen katholischen Lehre abweichenden Meinung nicht Priester werden. Er habe die Auffassung vertreten, dass Jesus nicht das jüdische Gesetz aufgehoben habe. Aus der katholischen Kirche sei er dennoch nicht ausgetreten. Um Theologieprofessor werden zu können, habe er sich der evangelischen Kirche zuwenden müssen.

Die Heidelberger Fakultät habe ihn mit der Lehre beauftragt, ohne dass er jemals gefragt wurde, ob er evangelisch oder katholisch sei.

Zur Debatte um seine Person erklärte er: "Der wahre Hintergrund ist, dass ich der meistgelesene Theologe in Deutschland bin und dass es von Neidern nur so wimmelt."