Umstrittene Doktorarbeit Plagiatsjäger nehmen Wehrminister aufs Korn

Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg: Bald zwei Buchstaben weniger im Namen?
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Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg: Bald zwei Buchstaben weniger im Namen?

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2. Teil: Jetzt wird zurückgegoogelt - Wie sich Plagiate aufspüren lassen


"Eine Unsitte" sei es, dass Doktortitel in Politik und Wirtschaft verwendet werden, sagt Plagiatsjägerin Weber-Wulff. "Der Titel hat keinerlei Bedeutung für den Job." Lediglich in der Wissenschaft habe eine Dissertation Aussagekraft - dort aber eine enorme.

Mit der Dissertation weist man nach, dass man das Zeug hat für eine wissenschaftliche Karriere. Zum einen soll der Doktorand eine eigene wissenschaftliche Leistung erbringen, also nicht nur zusammenschreiben, was schon bekannt ist. Zum anderen muss er nachweisen, dass er die wissenschaftliche Arbeitsweise beherrscht. Zu den absoluten Basiskompetenzen, die schon in jedem Erstsemester-Methodenseminar behandelt werden, gehört die korrekte Zitierweise.

Doch die Verlockung ist groß, sich aus bereits vorhandenen Arbeiten zu bedienen, vor allem seit sie nur noch eine Google-Suche weit entfernt sind. Auch kommt es immer wieder vor, dass Möchtegern-Doktoren sogenannte Promotionsberater engagieren: So haben etwa Jura-Doktoranden in Niedersachsen nachweislich viele tausend Euro bezahlt, damit die "Berater" einen Professor schmierten. Trotzdem durften die Doktoranden ihre Doktortitel behalten - sie hätten ja nichts wissen müssen von dem Betrug, urteilten Richter.

Es muss allerdings keine böse Absicht dabei sein. Die Promotion ist ein langwieriges und oft einsames Vorhaben. Der Doktorand ist am Schreibtisch umgeben von Bücherbergen, einem Wust von Zetteln und Notizen. Er muss viele hundert Zitate und Literaturhinweise im Überblick behalten und am Ende jede Aussage sauber belegen können. Dass man sich in diesem Gestrüpp verheddert, kommt vor. Ob es sich um Texträuberei oder einen verzeihlichen Fehler handelt, hängt auch vom Ausmaß der Fundstellen ab - und davon, ob die Originalquelle gar nicht oder wenigstens im Literaturverzeichnis auftaucht.

Kampf gegen Plagiate - Die Aufrüstung der Universitäten

Universitäten und Professoren haben deshalb in den vergangen Jahren aufgerüstet: Viele Dozenten lassen sich Haus- und Abschlussarbeiten nicht nur ausgedruckt geben, sondern auch als pdf- oder Word-Datei, die sie dann mit Suchmaschinen oder speziellen Programmen überprüfen können.

Allerdings arbeitet die Spezial-Software nur bedingt zuverlässig. Informatikerin Weber-Wulff testete 26 Programme - nur fünf erhielten das Label "teilweise nützlich". Neun Programme wertete sie als für eine Nutzung an einer Hochschule "kaum brauchbar", die restlichen als "nutzlos".

Viele Programme finden nur exakt kopierte Stellen - ein Fehler, von dem man denkt: Nicht mal Grundschüler begehen ihn bei zusammengeräuberten Referaten. Er kommt aber häufig vor, wie der Fall Guttenberg zeigt. Studenten kopieren mitunter sogar Werbebanner von Internetseiten mit in ihre Arbeiten, andere passen Schriftart und Größe nicht an. "Die haben gar nicht verstanden, worum es beim wissenschaftlichen Arbeiten geht", sagt Weber-Wulff.

Wenn aber geschickter geschummelt wird, wenn etwa die Struktur oder Argumentation einer Arbeit kopiert wird, sind die Programme machtlos.

Hochschulen sei deshalb die Testautomatik nicht zu empfehlen. Stattdessen: Bei Verdacht fünf längere Wörter aus einem verdächtigen Absatz in eine Suchmaschine eingeben - schon könne man Online-Textpiraten auch selbst enttarnen. Besser noch als überführen und strafen sei aber Aufklärung in Sachen Wissenschaftsethik, sagt Weber-Wulff.

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Gebetsmühle 16.02.2011
1. das mass der dinge
Zitat von sysopEin "armes Doktorandenwürstchen" - so nennt Deutschlands engagiertester Plagiatsjäger den Verteidigungminister. "Es sieht sehr nach Copy und Paste aus",*urteilt eine Kollegin über dessen Doktorarbeit. Verliert Guttenberg jetzt seinen akademischen Grad? http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,745872,00.html
darüber kann es angesichts der vernichtenden beweislage doch keinen zweifel geben. ich war zwar nur in der volksschule aber da wurde man für abschreiben auch schon rausgeschmissen.
Realo, 16.02.2011
2. Problem....
...es ist in der Juristerei schon so vieles zu Papier gebracht worden, da ist es häufig schwer etwas wirklich neues für eine Doktorarbeit zu finden. Wenn man sonst nichts findet, es macht doch immer wieder Spass einen Menschen/Minister/in zu vernichten, gelle. Ich erinnere an die Lacher als die Doktorarbeit von Ex-Bundeskanzler Dr. Kohl "auftauchte"..... So, und jetzt wird noch ernsthaft gefragt, warum manche hohe Beamte und Politiker die Brocken hinschmeissen und keinen Bock mehr auf ihren Job haben ?! Weber, Köhler, von Beust, Lafontaine, Koch usw. Was hat dieser "Prof. Plagiatsjäger" denn bis jetzt auf die Reihe bekommen ? Ich kannte nichtmal den Namen des Mannes.
emden09 16.02.2011
3. Wat ein Fatzke
Zitat von sysopEin "armes Doktorandenwürstchen" - so nennt Deutschlands engagiertester Plagiatsjäger den Verteidigungminister. "Es sieht sehr nach Copy und Paste aus",*urteilt eine Kollegin über dessen Doktorarbeit. Verliert Guttenberg jetzt seinen akademischen Grad? http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,745872,00.html
Copy&Paste wäre ja noch zu ertragen aber dass der Herr Minister die abgeschriebenen Zitate (freilich ohne sie als solchen zu kennzeichnen) zum Teil sinnentstellend verfremdet - kaum zufällig im Sinne seiner eigenen politischen Couleur, macht die Sache m.E. so peinlich, dass ich an Stelle des Freiherrn von und zu schnellstmöglich zurücktreten und öffentliche Auftritte für die nächsten 10-20 Jahre vermeiden würde. Vielleicht ist bis dahin Gras über die Sache gewachsen. Wer es vorher nicht über ihn dachte muss es m.E. heute denken: "Was ist dieser Minister bloß für ein aufgeblasener Wichtigtuer".
Bayerr, 16.02.2011
4. Nicht ungewöhnlich
Zitat von Realo...es ist in der Juristerei schon so vieles zu Papier gebracht worden, da ist es häufig schwer etwas wirklich neues für eine Doktorarbeit zu finden. Wenn man sonst nichts findet, es macht doch immer wieder Spass einen Menschen/Minister/in zu vernichten, gelle. Ich erinnere an die Lacher als die Doktorarbeit von Ex-Bundeskanzler Dr. Kohl "auftauchte"..... So, und jetzt wird noch ernsthaft gefragt, warum manche hohe Beamte und Politiker die Brocken hinschmeissen und keinen Bock mehr auf ihren Job haben ?! Weber, Köhler, von Beust, Lafontaine, Koch usw. Was hat dieser "Prof. Plagiatsjäger" denn bis jetzt auf die Reihe bekommen ? Ich kannte nichtmal den Namen des Mannes.
Ich schätze mal, Sie kennen die Namen von 99,99% der deutschen Professoren nicht. Und nebenbei: intellektuell ist es auch nicht sehr hochwertig, wenn man ein Delikt vergessen machen will indem man den Entdecker herabwürdigt.
ecce homo 16.02.2011
5. Fakten und Namen
Zitat von Realo...es ist in der Juristerei schon so vieles zu Papier gebracht worden, da ist es häufig schwer etwas wirklich neues für eine Doktorarbeit zu finden. Wenn man sonst nichts findet, es macht doch immer wieder Spass einen Menschen/Minister/in zu vernichten, gelle. Ich erinnere an die Lacher als die Doktorarbeit von Ex-Bundeskanzler Dr. Kohl "auftauchte"..... So, und jetzt wird noch ernsthaft gefragt, warum manche hohe Beamte und Politiker die Brocken hinschmeissen und keinen Bock mehr auf ihren Job haben ?! Weber, Köhler, von Beust, Lafontaine, Koch usw. Was hat dieser "Prof. Plagiatsjäger" denn bis jetzt auf die Reihe bekommen ? Ich kannte nichtmal den Namen des Mannes.
Spielt das denn eine Rolle? Die Fakten sprechen doch für sich. Außerdem: Was hat denn Guttenberg bis jetzt auf die Reihe bekommen? Ich kenne bisher nur den Namen dieses Mannes.
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