Umstrittener Dozent in München Asta fordert Rauswurf wegen rechter Witze

Antisemitisch, rassistisch, sexistisch – so charakterisiert der Asta der LMU München den außerplanmäßigen Professor Andreas Hejj und fordert, dass die Uni ihn vor die Tür setzt. Der Dozent mit dem höchst eigenwilligen Humorverständnis beruft sich indes auf die Meinungsfreiheit.

Von Julia Maria Bönisch


"Woran erkennt man eine Domina in einem islamischen Land?" "Am ledernen Kopftuch und am blutigen Kochlöffel!" Witzig? Ganz und gar nicht, findet der Asta der LMU München. Solche und ähnliche Sprüche fanden die Studentenvertreter auf der Homepage von Andreas Hejj, außerplanmäßiger Professor für Psychologie.

Hejjs umstrittene Homepage: "Woran erkennt man eine islamische Domina?"

Hejjs umstrittene Homepage: "Woran erkennt man eine islamische Domina?"

Seit dem Jahr 2000 verbreitet der Dozent diese Art von "Humor" via Internet. Eigentlich beschäftigt sich der umtriebige Psychologe mit prosozialem Verhalten. Sympathie, Partnerwahl und Partnerschaftskommunikation gibt er als seine Forschungsschwerpunkte an. Derzeit nimmt er außerdem eine Vertragsprofessur in Bozen in Südtirol wahr. Und, so sagte Hejj SPIEGEL ONLINE, seine Lehrveranstaltungen in München seien äußerst beliebt bei den Studenten - noch nie habe sich jemand über ihn beschwert.

Bis vor kurzem. Der Asta München schlug Alarm und machte die Uni-Leitung bereits im April auf die Entgleisungen Hejjs aufmerksam. Die bat den außerordentlichen Professor zunächst lediglich darum, das Logo der Universität von seiner Seite zu nehmen, und blieb ansonsten untätig. Doch als sich der Asta an die Presse wandte, geriet die LMU in Zugzwang.

"Ich persönlich finde den so genannten Humor auf dieser Homepage von Herrn Hejj ekelhaft und widerwärtig", schrieb LMU-Rektor Professor Bernd Huber in einer offiziellen Stellungnahme. "Die LMU distanziert sich von diesen Geschmacklosigkeiten. Deshalb werde ich auch der Fakultät für Psychologie und Pädagogik empfehlen zu prüfen, ob Herrn Hejj die Lehrbefähigung zu entziehen ist."

Homepage mit unerwünschten Nebenwirkungen

Für ihn sei diese Aussage völlig überraschend gekommen, sagt Hejj. Nach Entfernung des Uni-Siegels von der Homepage habe der Rektor die Angelegenheit als abgeschlossen betrachtet. Ein darauf bezogenes Schreiben Hubers zitiert Hejj auf seiner Internetseite: "Es sind weder dienstrechtliche Beanstandungen noch gar eine Aberkennung der Lehrbefugnis bzw. der außerplanmäßigen Professur möglich."

Achtung, Humor mit Nebenwirkungen: "Ich versuche nur, Studenten zu begeistern"

Achtung, Humor mit Nebenwirkungen: "Ich versuche nur, Studenten zu begeistern"

Trotzdem hat Hejj seine "Witzeseite" mittlerweile aus dem Netz genommen. Stattdessen findet der Leser dort nun zunächst eine Warnung: "Der Inhalt der folgenden Seite beinhaltet Humor, der bei manchen unerwünschte Nebenwirkungen auslösen könnte. [...] Ich versichere rechtsverbindlich, dass ich keinen Anstoß nehmen werde und bitte um Einlass."

Dann weist Hejj seine Leser ins Grundgesetz ein - er beruft sich auf Artikel 5 und die Freiheit der Meinung. Damit sieht er sämtliche seiner Äußerungen gedeckt. Auch krude Scherze wie diesen: "In afrikanischen Stämmen werden Mädchen zur Zeit ihrer ersten Blutung 20 Monate lang in eine Hütte gesperrt. Was müssen sie in dieser Zeit lernen? - Harmonische Blutbilder malen und bis zehn zählen."

Spieler mit "schlechten Genen" sterben aus

Hejj kann darin weder Rassismus noch Sexismus entdecken. Die Aufregung des Asta sei für ihn völlig unverständlich. "Ich versuche nur, Studenten für meine Fachgebiete und für die Evolutionspsychologie zu begeistern", sagte Hejj SPIEGEL ONLINE. "Da setze ich alle Mittel ein, und dazu gehört eben auch der Humor."

Evolutionspsychologie - das ist für den Asta nur ein beschönigendes Etikett für Hejjs darwinistische Lehre, mit der er seine rechts angehauchten Theorien rechtfertigen wolle. So verweist der Asta auf ein von Hejj selbstentwickeltes Spiel namens "Genopoly": Genauso wie Monopolyspieler versuchen hier die Teilnehmer, durch Gewinnmaximierung die anderen Spieler auszustechen. Nur geht es bei Genopoly nicht darum, Straßen zu kaufen und Häuser zu bauen. Vielmehr sollen die Spieler ihre "guten" Gene weitergeben und sich vermehren, Mitspieler mit "schlechten" Genen sterben aus.

Weiteres Beispiel für Hejjs rassistische Ansichten in den Augen des Asta: Der Psychologe veröffentlichte in der Aprilausgabe 2004 der österreichischen Zeitschrift "Phoenix" einen Reisebericht über die Türkei. Das Blatt wird von Walter Ochensberger herausgegeben, der 1992 wegen "nationalsozialistischer Wiederbetätigung" zu zwei Jahren Haft verurteilt wurde.

Das Titelblatt der Ausgabe zuvor beispielsweise gestaltete die Zeitschrift so: Die New Yorker Freiheitsstatue mit dem Gesicht eines Totenschädels reckt statt einer Fackel einen Davidstern in die Höhe. Darunter der Schriftzug USA - dort "Jew Ess Ey" buchstabiert. Wer das sieht, muss nicht lange rätseln über die politische Haltung der Herausgeber. Ochensberger war zeitweilig außerdem Verleger des rechten Organs "Sieg", das mit Karikaturen aus dem "Stürmer" garniert war.

"Heute Konstantinopel, morgen Berlin"

Hejj berichtet in seinem "Phoenix"-Artikel unter anderem über eine Auseinandersetzung mit einem Einheimischen, der sich ihm als Fremdenführer habe aufdrängen wollen. Hejj habe sich schließlich die Belästigung verbeten. Dann habe der Türke ihn empört angeschrien: "Dies ist mein Land, hier können nur Ausländer belästigen, niemals Türken!" Hejjs Kommentar: "Heute Konstantinopel, morgen Berlin?"

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Hejj möchte dazu am Telefon keine Stellung nehmen. Schriftlich äußert er sich so: "Da hat ein Österreicher, den ich auf dieser Reise kennen lernte, und dem ich am Telefon über meinen Artikel erzählte, angeboten, er würde meinen Artikel in einer niveauvollen Vierteljahreszeitschrift für Literatur und Kultur unterbringen. Der Rest ist Geschichte."

Der Asta indes will die Sache nicht auf sich beruhen lassen. "Uns geht es nicht darum, zweifelsfrei zu beweisen, ob Professor Hejj nun Antisemit, Rassist oder Sexist ist", sagte Antifa-Referent Hans-Peter-Reischl SPIEGEL ONLINE. "Aber dieser Mann steht für eine ganz bestimmte Richtung innerhalb der Uni-Landschaft und unter den Professoren, die wir nicht akzeptieren können." Deshalb müsse Hejj von der LMU verschwinden.

Kein gutes Aushängeschild

Die Hochschule selbst verweist darauf, dass der umstrittene Dozent gar kein Angestellter oder Beamter an der Universität sei. Denn den Titel eines außerplanmäßigen Professors kann jeder erhalten, der habilitiert ist und lange genug den Status eines Privatdozenten besessen hat. Ein direktes Beschäftigungsverhältnis unterhält die LMU nicht mit Professor Hejj. Im Sommersemester 2005 habe er nur zwei Semesterwochenstunden unterrichtet. Nach Hejjs eigener Aussage erhält er für solche Veranstaltungen keinerlei Gehalt.

Rechtsgrundlage für ein Verfahren gegen Hejj ist die Habilitationsordnung, erklärt Luise Dirscherl, Pressesprecherin der Uni. "Auf dieser Basis könnten wir ihm lediglich die Lehrbefähigung aberkennen." Dirscherl möchte sich jedoch zu den weiteren Plänen der Universität nicht äußern. Auch der Justiziar hält sich bedeckt und will nicht einmal das mögliche Vergehen, aufgrund dessen Hejj belangt werden könnte, nennen.

Sollte die Universität Hejj die "Venia legendi", die Lehrbefähigung, entziehen, müsste er auf Vorlesungen und Seminare an der LMU künftig verzichten. Die Studentenvertreter drängen auf Klärung der Frage, ob die Uni tatsächlich den Veranstaltungen eines Professors Raum geben will, der für ein rechtes Hetzblatt schreibt und auf seiner privaten Internetseite Witze über Ausländer, Homosexuelle und Juden macht. Für eine Hochschule mit Sitz am Geschwister-Scholl-Platz ist das kein besonders gutes Aushängeschild.



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