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26. Dezember 2007, 13:44 Uhr

Umstrittenes Geschichtsbuch

Russland adelt Stalin-Ära

Die Interpretation sorgt für Ärger: In einem neuen russischen Schulbuch wird der ehemalige Diktator Stalin als "fähigster Führer der Sowjetunion" bezeichnet. Historiker und Lehrer waren gegen die Veröffentlichung Sturm gelaufen.

Moskau - Die Proteste haben nichts genutzt: In Russland ist ein umstrittenes Schulbuch zur neueren Geschichte des Landes dem Widerstand von Historikern zum Trotz veröffentlicht worden. Das Handbuch zur "Geschichte Russlands 1945 - 2007" sei in der vergangenen Woche vom Bildungsministerium abgesegnet und mit einer Auflage von 1000 Exemplaren bereits gedruckt worden, teilten seine Autoren Alexander Filippow und Pawel Danilin mit.

Gedenken an Stalin in Russland: Schulbuch verherrlicht den Diktator
REUTERS

Gedenken an Stalin in Russland: Schulbuch verherrlicht den Diktator

Kritik an ihrer Darstellung der Stalin-Ära wiesen sie zurück. "Wir waschen Stalin nicht rein, aber wir geißeln ihn auch nicht auf jeder Seite", sagte Danilin. In dem Buch wird der Diktator unter anderem als einer der "fähigsten Führer der Sowjetunion" bezeichnet.

Das Handbuch gibt im Wesentlichen den Inhalt des neuen "Lehrbuchs zur Gegenwartsgeschichte Russlands 1945-2006" wieder, gegen das Historiker und Lehrer im vergangenen Sommer vergeblich Sturm gelaufen waren. Sie werfen der Anleitung für Lehrer vor, die Rolle Josef Stalins zu verherrlichen, seine brutalen Repressionen zu rechtfertigen sowie die Amtszeit des derzeitigen Präsidenten Wladimir Putin in den Himmel zu loben. Gleichzeitig ist die "Nationalgeschichte des 20. Jahrhunderts" von Igor Dolutski - eine kritische Aufarbeitung der Stalin-Ära - seit vier Jahren nicht mehr für den Schulunterricht zugelassen.

Nach Informationen der Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" kommt das neue Handbuch zunächst noch nicht in die Buchläden. Es werde ein Jahr lang in Schulen von fünf russischen Regionen getestet, bevor es offiziell für den Unterricht empfohlen werden soll.

sam/AFP

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