Umzugsgerüchte Die WHU hat schon einen Koffer in Berlin

Die private Wirtschaftshochschule WHU schließt einen Wechsel von Vallendar nach Berlin nicht aus. In einem Interview dementierte der Rektor zwar konkrete Pläne, drohte der rheinland-pfälzischen Kleinstadt aber zugleich erneut mit dem Umzug.


Idyllisch: WHU-Domizil in Vallendar
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Idyllisch: WHU-Domizil in Vallendar

Was enthusiasmierte Fußballfans gern vor dem Pokalfinale skandieren ("Wir fahren nach Berlin! Wir fahren nach Berlin!"), könnte bald auch an der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung die Runde machen. Seit vielen Jahren ist die WHU im beschaulichen Vallendar bei Koblenz zu Hause. Aber das muss nicht so bleiben: Im Januar hat die Hochschule bereits ein Büro in Berlin eröffnet, langfristig kommt auch ein kompletter Umzug in Betracht.

"Es gibt keinen Umzugstermin", dementierte Rektor Klaus Brockhoff in einem "Zeit"-Interview zunächst und nannte einige gute Gründe, in Vallendar zu bleiben: die Tradition, die niedrigeren Lebenshaltungskosten, "und wer am Wochenende an unseren Weiterbildungen teilnimmt, sitzt in einer hektischen Metropole und kommt deshalb gern nach Vallendar."

Zwist um eine Mieterhöhung

Andererseits hatte Brockhoff schon im Januar öffentlich mit Berlin geliebäugelt - weil in der Hauptstadt ohnehin schon ein Teil der Weiterbildungsangebote für Unternehmen laufe und sich die Bahnanbindung nach Koblenz verschlechtert habe. Zudem könnten seit dem Regierungsumzug kaum noch hochkarätige Referenten aus Bonn gewonnen werden.

WHU-Studenten: Bleibegarantie nur bis 2008
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WHU-Studenten: Bleibegarantie nur bis 2008

Der wichtigste Punkt ist offenbar ein ganz anderer: Es geht ganz profan um die Miete. "In Berlin kriegt man am Stadtrand zurzeit fantastische Angebote", so der Rektor. Der rheinland-pfälzische Landesrechnungshof dagegen hatte moniert, die Pacht für das Hauptgebäude Marienburg sei seit 1993 nicht mehr gestiegen. Nun droht der Privathochschule eine höhere Pacht. 22.000 Euro monatlich muss sie bisher zahlen. Das sei nicht wenig, findet Brockhoff ("andere private Hochschulen zahlen gar nichts") und legte in der "Zeit" nach: Der Vorstoß der örtlichen SPD sei eine "schlecht geplante Wahlkampfaktion vor dem Kommunalwahlen im Juni".

Die vor 20 Jahren gegründete WHU ist eine der ältesten und renommiertesten deutschen Privathochschulen. Sie hat derzeit rund 450 Studenten und bietet neben derAusbildung zu Diplom-Kaufleuten auch ein berufsbegleitendes MBA-Studium an. Der Pachtvertrag in Vallendar läuft noch vier Jahre, und Rektor Brockhoff sammelt Argumente gegen eine Mieterhöhung: "Es ist durchaus so, dass ernst zu nehmende Gesprächspartner aus einer anderen Stadt bei uns angeklopft haben", gab er jetzt zu Protokoll, "ich garantiere nur, dass wir bis 2008 in Vallendar bleiben. Alles andere wäre waghalsig."

Jochen Leffers



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