Unbezwingbarer Professor Quiz-Millionär setzte Weltmeister schachmatt

Eckhard Freise, erster Millionengewinner bei Jauchs Millionär-Show, präsentiert sich auch beim Schach als neunmalkluger Zocker. Bei einem Simultanturnier musste sich sogar Weltmeister Anand dem Wuppertaler Geschichtsprofessor beugen.


Superhirn Eckhard Freise scheut auch beim Schach kein Risiko
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Superhirn Eckhard Freise scheut auch beim Schach kein Risiko

47 Züge lang kämpfte Eckhard Freise zäh, opferte zwei Bauern und bezwang schließlich Viswanathan Anand in einem spannenden Turmendspiel. Der Inder war bei den Mainzer "Chess Classics" gleichzeitig gegen 40 Hobbyspieler angetreten und attestierte seinem Gegner einen "verdienten Sieg". "Das ist ungefähr so, als hätte ich im Tennis Andre Agassi unter wettbewerbsmäßigen Bedingungen 6:3 geschlagen", frohlockte Freise nach seinem spektakulären Sieg.

Sonst schaffen Amateure beim Simultanschach allenfalls mal ein Remis gegen Weltmeister, aber fast nie einen Triumph. Mit 20 Jahren war Freise immerhin einmal Schach-Westfalenmeister und spielt heute beim SK Münster. Schachfreunde beschreiben ihn als äußerst risikofreudig; Ruhe gebe Freise erst, wenn nur noch die beiden Könige auf dem Brett sind. Inzwischen hat er reichlich Einladungen zu Promi-Schachturnieren, im November zum Beispiel in Berlin gemeinsam mit Richard von Weizsäcker und Otto Schily.

Als erster hatte Eckhard Freise bei der RTL-Show "Wer wird Millionär?" - ausgerechnet an seinem 56. Geburtstag - richtig abgeräumt und alle Fragen richtig beantwortet. Für das Quiz wie für Schach gilt offenbar: "Nervenstärke ist für den Erfolg entscheidend."

Der Fernseh-Ruhm hält sich hartnäckig

Neben dreißig Jahren Lehrerfahrung mit Studenten habe ihm bei der Jauch-Sendung auch das strategische Denken als Turnierschachspieler geholfen, sagte der Wissenschaftler in einem Interview. "Zweikampf, beide auf gleicher Augenhöhe. An die zehn Millionen Zuschauer darf man dabei nicht denken, auch nicht ans Geld", so Freise, "es geht um das Spiel. Diese Vorstellung entlastet."

Seit der Jauch-Show kommt der Professor für mittelalterliche Geschichte kaum zur Ruhe, der Ruhm hält sich hartnäckig. "Es geht jedoch auf anderer Ebene weiter: Nach der Million fragt kein Mensch mehr. Dafür gelte ich inzwischen als Bildungs- und Schachexperte. Insofern bin ich wieder etwas seriöser geworden."

Auch auf Kongressen sei er inzwischen sehr gefragt. "Das hängt mit meiner plötzlichen Popularität zusammen", meint Freise, "außerdem sind offenbar Profs gesucht, die sich einigermaßen ausdrücken können." Wie lange seine Familie Freises Aktionismus erträgt, ist unklar: "Ich denke, die hat meine medialen Faxen langsam dick."



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