Uni Bayreuth Guttenberg hat vorsätzlich getäuscht

Jetzt hat es der Ex-Bundesminister schriftlich: Die Universität Bayreuth hat das Ergebnis der Untersuchung von Karl-Theodor zu Guttenbergs Doktorarbeit bekanntgegeben. Er habe vorsätzlich gehandelt und wissenschaftliche Standards "grob verletzt".
Ex-Minister Guttenberg: "Die Standards guter wissenschaftlicher Praxis grob verletzt"

Ex-Minister Guttenberg: "Die Standards guter wissenschaftlicher Praxis grob verletzt"

Foto: Maurizio Gambarini/ dpa

Hamburg - Die Universität Bayreuth hat Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) "vorsätzliches wissenschaftliches Fehlverhalten" bei seiner Doktorarbeit bescheinigt. Er habe "die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht", teilte die Universität Bayreuth am Freitag mit. Die Hochschule hatte Guttenberg bereits am 23. Februar den Doktortitel aberkannt.

Über die ganze Arbeit verteilt fänden sich Stellen, die als Plagiat zu qualifizieren seien, heißt es in der Erklärung. Besonders deutlich lasse sich dies anhand der verwendeten Ausarbeitungen des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages veranschaulichen.

Ende März hatte Guttenberg gegenüber der fünfköpfigen Wissenschaftskommission Stellung genommen - auch zur Inanspruchnahme des Wissenschaftlichen Dienstes. Seine Position: Die Arbeiten der Einrichtung habe er nur für seine Abgeordnetentätigkeit verwendet. Sie seien überwiegend in den Jahren 2003 und 2004 entstanden, die Dissertation habe er 2006 abgegeben. Aus dieser zeitlichen Abfolge lasse sich jedoch nicht auf ein vorsätzliches wissenschaftliches Fehlverhalten schließen.

Aus der Kommission hieß es allerdings schon nach Guttenbergs Stellungnahme, dass die relativ kurze Erklärung des Ex-Ministers nichts am Ergebnis ihrer Prüfung ändern werde.

Universität sieht keine Schuld bei Doktorvater Häberle

Die Universität schreibt nun, Guttenberg habe sich immer wieder bewusst die Autorenschaft angemaßt, was ein bewusstes Vorgehen voraussetze. Dafür spräche eine Vielzahl von Indizien wie Umformulierungen der Originaltexte, Veränderungen in der Satzstellung sowie die Verwendung von Synonymen und einzelne Auslassungen.

Den kompletten 40-seitigen Bericht der Selbstkontrollkommission wollen Hochschulpräsident Rüdiger Bormann und der Kommissionsvorsitzende Stephan Rixen am kommenden Mittwoch bei einer Pressekonferenz vorstellen.

Guttenberg hatte in seiner Doktorarbeit zu großen Teilen fremde Texte verwendet, ohne dies anzugeben. Er hat zwar einen Vorsatz bestritten, räumte aber schwere Fehler ein. Die begründete er zum Teil mit der Belastung durch die Doktorarbeit, seine Familie und den Beruf. Von seinem Amt als Verteidigungsminister ist der CSU-Politiker am 1. März zurückgetreten. Außerdem legte Guttenberg alle politischen Ämter nieder.

Eine Mitverantwortung von Guttenbergs Doktorvater, dem emeritierten Staatsrechtsprofessor Peter Häberle, und dem Zweitgutachter Rudolf Streinz, die die Arbeit mit der Bestnote "summa cum laude" bewertet hatten, verneinte die Universität. Sie stellte allerdings in ihrer Erklärung fest, dass die Benotung einer ausführlicheren Begründung bedurft hätte. So sei nicht zu erkennen, weswegen die Vergabe der Höchstnote gerechtfertigt schien.

Die Kommission weist zudem darauf hin, dass Guttenberg mit seiner Zustimmung zur Veröffentlichung des Berichts einen "entgegenkommenden Verzicht auf seine Persönlichkeitsrechte im Interesse der Aufklärung des Sachverhalts zum Schutze des Ansehens der Universität Bayreuth" geleistet habe.

Anfang April hatte die Universität beklagt, dass die Anwälte Guttenbergs die Hochschule gebeten hätten, den Kommissionsbericht über die Plagiatsvorwürfe nicht zu veröffentlichen. Sie sollen das mit dem Schutz von Guttenbergs Persönlichkeitsrechten begründet haben. Guttenbergs Anwälte hatten daraufhin versichert, nichts gegen die Veröffentlichung des Abschlussberichts unternehmen zu wollen.

"Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus", hatte Guttenberg kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe mitgeteilt. "Ich bin gerne bereit, zu prüfen", fuhr er fort, "ob bei über 1.200 Fußnoten und 475 Seiten vereinzelt Fußnoten nicht oder nicht korrekt gesetzt sein sollten und würde dies bei einer Neuauflage berücksichtigen."

Die Prüfung hat die Universität übernommen und ist zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen.

bim/dpa/AFP