Uni Bolognese Das Bachelor-ABC gegen Campuschaos

Anti-Bologna-Protest: Wohin geht die Reise?
dpa

Anti-Bologna-Protest: Wohin geht die Reise?

Von und

2. Teil: E bis K - ECTS, Frust, Hürden, Konferenzen...


ECTS:
Das European Credit Transfer System, sozusagen ein New Entry in den Jargoncharts der Hochschulen. Offizieller Titel auf Deutsch: Europäisches System zur Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen. Es soll sicherstellen, dass Studienleistungen problemlos von einem Land zum anderen mitgenommen werden können. Deshalb gibt's ab sofort für jedes Seminar und jede Vorlesung -->Credit Points, also Wertungspunkte, die sich aus dem -->workload der jeweiligen Veranstaltung errechnen.

Frust:
Befällt vor allem altgediente Hochschullehrer und -funktionäre, die es graust, wenn sie in Erinnerungen an den guten alten "Dipl.Ing.", eine aussterbende Spezies, oder den lieben Freund des Hauses Magister schwelgen. Und wenn sie daran denken, wie wenig politische Unterstützung es für die Umbauarbeiten im Maschinenraum der Unis und Fachhochschulen gab. "Wenn Sie einen guten Wissenschaftler total inaktivieren wollen, dann lassen Sie ihn die Bologna-Reform organisieren", seufzt der Frankfurter Max-Planck-Forscher Wolf Singer.

Gestufte Studiengänge:
gestuft = konsekutiv = aufeinander aufbauend. Bezeichnung für alle Studiengänge, bei denen die Bachelor- und die Master-Ausbildung sinnvoll aufeinander abgestimmt ist. Im Gegensatz dazu gibt es die nicht-konsekutiven Studienangebote, die hauptsächlich zur beruflichen Weiterbildung gedacht sind.

Hürden:
Auf die sollten sich Bachelor-Absolventen beim geplanten Übergang in ein Master-Studium tunlichst gefasst machen. Denn wer Master werden will, muss nicht nur die geforderten inhaltlichen Qualifikationen mitbringen, sondern auch die sogenannte Übergangsquote bewältigen.

Das Wissenschaftsministerium in Nordrhein-Westfalen geht davon aus, dass "aus kapazitativen Gründen" (Behördendeutsch für: Mehr Geld gibt's halt nicht) nur etwas mehr "als 50 Prozent derjenigen, die ein Bachelorstudium an einer Universität aufgenommen haben, ein Masterstudium absolvieren können". Bei BA-Absolventen von Fachhochschulen liegt die Quote sogar nur bei "etwa 30 Prozent". Auch Niedersachsen kalkuliert mit "höchstens 50 v.H. der Bachelor-Absolventenzahl", die einen Master-Platz erhalten. Wie hoch die Hürden ins Masterstudium genau liegen sollen, dürfte auch in den nächsten Jahren noch für hitzige Debatten sorgen.

Industrie- und Handelskammern:
Sie fürchten durch die neuen Abschlüsse eine schleichende Entwertung der beruflichen Ausbildung. Das IHK-Gegenrezept: Auch Meister, Betriebswirte und Kaufleute sollen sich in Zukunft "Bachelor" nennen dürfen, und zwar "Bachelor professional". Das klingt nicht nur besser als "Fachwirt", sondern gefällt auch den Wirtschaftsministern der Länder, schließlich sei diese Berufsgruppe von der Qualifikation her durchaus mit Absolventen eines akademischen Studium vergleichbar. Nicht einverstanden sind allerdings die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA): "Der Titel verwirrt und führt zu mangelnder Akzeptanz des Bachelor-Grades insgesamt." Wird trotz dieser Proteste teilweise schon vergeben.

Konferenzen: Sie sind das wichtigste Politikmittel, um den Reformen vor Ort einen europäischen Zusammenhang zu geben. Bologna-Konferenzen (benannt nach dem Ort, an dem der europäische Hochschulraum 1999 verabredet wurde), gibt es alle zwei Jahre. Die letzte fand im Mai 2007 in -->London statt, die nächste gibt's 2009 im belgischen Leuven.

insgesamt 1657 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
DJ Doena 26.04.2008
1.
Gegenfrage: Ist die Uni denn Selbstzweck?
Senfkorn, 26.04.2008
2.
Das Bachelorstudium ist mittlerweile eine Fortsetzung von Schule. Auswendiglernen, Testen, Vergessen. In Deutschland lebt man nicht behütet auf dem Campus, sondern wohnt vielleicht zum ersten Mal alleine, muss Wohnung, Haushalt organisieren, dazu die neue Situation an der Uni. Wenn dann in den ersten Monaten schon Prüfungen geschrieben werden, die für die Endnote relevant sind, braucht man sich über hohe Abbrecherquoten auch nicht wundern. Dazu wird duch die enge Taktung Studenten das Leben erschwert, die sich selbst finanzieren müssen. Der Verdacht liegt nahe, das dies auch so gewollt ist, wozu gibt es Studienkrdite und schon hat man neue Kunden für die Finanzwirtschaft gewonnen. Insgesamt wird zur Zeit in der Bildung nur gehetzt, ohne Sinn und Verstand, früher Einschulen, G8, Bachelor. Vielleicht läuft sich das ein, aber einige Generationen werden dabei wohl verloren gehen.
Kristian Viesmann, 26.04.2008
3. Alter Wein in neuen Schläuchen
Der Bologna (http://de.wikipedia.org/wiki/Bologna-Prozess) Prozess ist mir ein Graus. Wenn ich die Bachelor Informatiker in meinen Tutorium ein wenig nach mathematischen Hintergrundwissen frage, ist es sehr still. Was hat das noch mit Informatik zu tun? Das gleiche höre ich von vielen Kollegen, die selbst mit Diplom abgeschlossen haben, und nun mit Bachelor-Studenten Umgang haben - Es geht nur noch um pauken pauken pauken. Wissen, Lust am Fach? Uninteressant, wichtig sind nur die Klausuren, von den es reichlich jedes Semester gibt. Das sollen Wissenschaftler werden? Das ist Pfusch, das hat doch nichts mehr mit der Jahrhunderten alten Tradition zu tun - Humbold (http://de.wikipedia.org/wiki/Humboldtsches_Bildungsideal) muss im Grabe sich nicht nur drehen, sondern schon rotieren!
ondrana 26.04.2008
4. Studium Generale?
Zitat von Kristian ViesmannDer Bologna (http://de.wikipedia.org/wiki/Bologna-Prozess) Prozess ist mir ein Graus. Wenn ich die Bachelor Informatiker in meinen Tutorium ein wenig nach mathematischen Hintergrundwissen frage, ist es sehr still. Was hat das noch mit Informatik zu tun? Das gleiche höre ich von vielen Kollegen, die selbst mit Diplom abgeschlossen haben, und nun mit Bachelor-Studenten Umgang haben - Es geht nur noch um pauken pauken pauken. Wissen, Lust am Fach? Uninteressant, wichtig sind nur die Klausuren, von den es reichlich jedes Semester gibt. Das sollen Wissenschaftler werden? Das ist Pfusch, das hat doch nichts mehr mit der Jahrhunderten alten Tradition zu tun - Humbold (http://de.wikipedia.org/wiki/Humboldtsches_Bildungsideal) muss im Grabe sich nicht nur drehen, sondern schon rotieren!
Von mir behaupte ich, eine außergewöhnlich breite Allgemeinbildung zu haben. Die ist mir nur zum Teil von zu Hause anerzogen worden, denn meine Eltern waren sehr einfache Leute, die mir aber den Drang anerzogen haben, mich umzuschauen und mehr als meine kleine Welt wahrzunehmen. Im Studium habe ich mit vielen Dingen Kontakt gehabt, die mir von zu Haus aus fremd waren, die aber mein Leben und meine Grundeinstellung zum Leben und den Menschen geprägt haben. An den Cafeteriatischen der Uni hatte ich Kontakt mit Musikern - also machte ich beim Unichor mit und bekam tiefe Einblicke in die klassische Musik. Im Unichor lernte ich dann Biologen kennen und ich half ihnen im Labor bei den Versuchen für ihre Examensarbeit. Eine völlig neue Welt! Aktiv zu sein im ASTA prägte mich hinsichtlich meiner späteren politischen Aktivitäten. Ein Literaturzirkel interessierter Studenten entwickelte sich zu einer Theatergruppe und wir hatten wunderbare Aufführungen auf höchstem Niveau. Dort lernte ich Selbstvertrauen, Mut, Konzentration. Außerdem verbrachte ich ein Jahr in England an einer englischen Schule als Assistant Teacher. Trotz alle dem - oder vielleicht GERADE DESWEGEN- habe ich mein Studium mit guten Noten in der Regelstudienzeit abgeschlossen. Vielleicht bin ich ja eine Bildungsromantikerin, aber ich bin der Meinung, dass zu Menschen, die ja irgendwie später zur Führungsschicht gehören (fachlich oder politisch), etwas mehr gehört als Fachidiotentum. Studenten muss die Möglichkeit gegeben werden, über den Tellerrand hinauszuschauen. Sie müssen sich ausprobieren können und ihre Stärken und Schwächen herausfinden, sowohl menschlich als auch fachlich. Das Bachelorstudium schient in dieser Hinsicht nicht der richtige Weg zu sein.
Kristian Viesmann, 26.04.2008
5.
Zitat von ondranaVon mir behaupte ich, eine außergewöhnlich breite Allgemeinbildung zu haben. Die ist mir nur zum Teil von zu Hause anerzogen worden, denn meine Eltern waren sehr einfache Leute, die mir aber den Drang anerzogen haben, mich umzuschauen und mehr als meine kleine Welt wahrzunehmen. Im Studium habe ich mit vielen Dingen Kontakt gehabt, die mir von zu Haus aus fremd waren, die aber mein Leben und meine Grundeinstellung zum Leben und den Menschen geprägt haben. An den Cafeteriatischen der Uni hatte ich Kontakt mit Musikern - also machte ich beim Unichor mit und bekam tiefe Einblicke in die klassische Musik. Im Unichor lernte ich dann Biologen kennen und ich half ihnen im Labor bei den Versuchen für ihre Examensarbeit. Eine völlig neue Welt! Aktiv zu sein im ASTA prägte mich hinsichtlich meiner späteren politischen Aktivitäten. Ein Literaturzirkel interessierter Studenten entwickelte sich zu einer Theatergruppe und wir hatten wunderbare Aufführungen auf höchstem Niveau. Dort lernte ich Selbstvertrauen, Mut, Konzentration. Außerdem verbrachte ich ein Jahr in England an einer englischen Schule als Assistant Teacher. Trotz alle dem - oder vielleicht GERADE DESWEGEN- habe ich mein Studium mit guten Noten in der Regelstudienzeit abgeschlossen. Vielleicht bin ich ja eine Bildungsromantikerin, aber ich bin der Meinung, dass zu Menschen, die ja irgendwie später zur Führungsschicht gehören (fachlich oder politisch), etwas mehr gehört als Fachidiotentum. Studenten muss die Möglichkeit gegeben werden, über den Tellerrand hinauszuschauen. Sie müssen sich ausprobieren können und ihre Stärken und Schwächen herausfinden, sowohl menschlich als auch fachlich. Das Bachelorstudium schient in dieser Hinsicht nicht der richtige Weg zu sein.
Die Bachelor-Studiengänge haben nur ein Ziel: Die Wirtschaft schnell mit Fachkräften zu versorgen. Toller Lebenslauf, sollen wir jetzt alle klatschen und uns geehrt fühlen, mit einem Vertreter der geistigen Elite ein Thread teilen zu dürfen? Kopfschüttelnd, Kristian Viesmann
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.