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Studentisches Quidditch-Team: Immer dem goldenen Schnatz nach

Foto: Volker Lannert

Harry-Potter-Sport Bonner Studenten fliegen zur Quidditch-Meisterschaft

Der Besen gehört zur Grundausstattung: An der Uni Bonn spielen Studenten und Schüler den Harry-Potter-Sport Quidditch - so erfolgreich, dass sie am Wochenende zur Europameisterschaft nach Italien fliegen.

Ok, den Flachwitz zuerst.

"In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag", sagt Leo Müller vom Quidditch-Team "Rheinos Bonn ", "fliegen wir nach Italien zur europäischen Vereinsmeisterschaft." Auf Besen? Nein, sagt er mit leicht gequältem Lächeln, natürlich nicht auf Besen - obwohl die ja, wie jeder Quidditch-Kundige weiß, zu dieser Sportart zwingend dazugehören.

Quidditch? Genau - das ist der Sport, den Harry, Ron und Hermine im Zauberinternat Hogwarts kennen und lieben lernen und bei dem bis zu sieben Spieler pro Mannschaft auf ihren Besen durch die Lüfte jagen, um Tore zu erzielen, Klatschern auszuweichen und vor allem den goldenen Schnatz zu fangen, um das Spiel siegreich zu beenden.

Das mit den fliegenden Zauberbesen ist für Muggel zwar ein Problem - aber deshalb noch lange kein Grund, den Sport nicht auszuüben. Vor allem in Nordamerika gibt es zahlreiche Mannschaften, die in Ligen organisiert sind. Und nachdem mehrere Bonner Austauschstudenten die Sportart kennen gelernt hatten, brachten sie die Idee eines eigenen Quidditch-Teams mit zurück ins Rheinland.

Immer eine Stange zwischen die Beine geklemmt

"In den besten Momenten des Spiels sieht es wirklich so aus, als könnten die Spieler fliegen", sagt Andreas Archut, Sprecher der Bonner Uni. Bei den Trainingseinheiten der Rheinos auf der Bonner Hofgartenwiese müssen die Spieler zwingend auf einem Besen reiten - auch wenn der häufig aus einem Holzstock oder einem Kunststoffrohr besteht und den Hexenbesen eigentlich nur simuliert. Doch durch das Festhalten der Stange wird das Spiel erheblich schwieriger, da meist nur eine Hand zum Fangen, Werfen oder für Tacklings zur Verfügung steht.

"Das Spiel ist unglaublich komplex, aber man begreift es dennoch sehr schnell", sagt Politologie-Studentin Momo Matern, die zu den Gründern der Bonner Mannschaft gehört. Jedes Team hat drei Tore zu verteidigen. Sie sind, als Reifen auf einer Rohrkonstruktion, selbst gebaut. Um Punkte zu bekommen, muss ein Ball durch den Reifen geworfen werden. Dazu sind drei weitere Bälle im Spiel, mit denen die Treiber die Gegner abwerfen können. Gelingt ihnen das, müssen diese Spieler zu ihrem eigenen Tor laufen und sind solange aus dem Spiel.

Auch für den Schnatz, den goldenen kleinen selbstfliegenden Ball, der gefangen werden muss, haben sich die Nicht-Zauberer eine Lösung ausgedacht. Ein Schiedsrichter trägt ihn in einem Socken auf dem Rücken - und ist dann ständig auf der Flucht vor den schnellen Suchern. Wie weit sich der Schiedsrichter vom Feld entfernen darf, das hat die "International Quidditch Association", der weltweit hunderte Teams angehören, genau festgelegt.

Sponsoren sind noch Mangelware

Zwar wurde die Bonner Uni-Mannschaft erst im Sommer 2015 gegründet, doch schon ein paar Monate später waren sie Deutscher Meister  in ihrer Randsportart. Leo Müller ist Schüler und gehört mit 16 Jahren zu den jüngsten Spielern - fühlt sich aber im Team mit den Studenten der Uni pudelwohl und freut sich aufs Wochenende: Dann müssen die Rheinos in Gallipoli in Italien gegen den Keele University Quidditch Club (Großbritannien), OSI Quidditch (Norwegen), die Unicorns Quidditch (Türkei) und die Leviathans Quidditch Liege (Belgien) antreten.

"Quidditch ist jetzt nicht unbedingt der Sport, bei dem einem die Sponsoren die Türen einrennen", sagt Leo Müller. Deshalb sind es vor allem Eltern und Verwandte, die dem 14-köpfigen Team die Reise zum European Quidditch Cup (EQC) nach Italien ermöglichen. "Es wird schwer, aber ich glaube, dass wir eine realistische Chance haben", sagt Leo.

Doch egal, wie das Turnier in Italien für die Rheinos endet: Im Juli wartet schon die nächste Herausforderung. Dann finden in Frankfurt die Weltmeisterschaften der Quidditch-Spieler teil - und vier Spieler aus Bonn werden dann als deutsche Nationalspieler mit dabei sein.

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