Angst vor Anti-Banken-Protest Uni Frankfurt blockiert sich selbst

Die Uni Frankfurt zwingt ihre Studenten, sich einen Tag frei zu nehmen. Aus Angst vor den "Blockupy"-Demonstranten verriegelt sie von Mittwochabend bis Sonntag alle Gebäude der Universität. Studentenvertreter freuen sich allerdings nicht darüber, sondern sind ziemlich sauer.

DPA

Leg dich selbst lahm, bevor es andere tun - dieses Motto könnte die Uni Frankfurt am Main zu folgendem Entschluss veranlasst haben: Von Mittwochabend bis einschließlich Sonntag schließt die Uni sämtliche Pforten - aus Angst vor Blockupy-Demonstranten.

"Die Polizei hat uns Erkenntnisse präsentiert, die eine Schließung nahe gelegt haben", sagt Olaf Kaltenborn, der Pressesprecher der Uni. "Leider ist es anders nicht möglich, ihren Schutz zu gewährleisten, nachdem gewaltsame Ausschreitungen im Stadtgebiet nicht auszuschließen sind", heißt es auf der offiziellen Facebook-Seite der Uni.

Auf einer Pressekonferenz hatte die Polizei am Dienstag auf die Gefahr hingewiesen, die von den Protesten ausgehen könnte: Sie rechnet damit, dass rund 2000 gewaltbereite Demonstranten anreisen.

Studentenvertreter: "Apokalyptisches Szenario, das der Realität entbehrt"

Am Mittwochvormittag hatte die Polizei das Protestcamp der Occupy-Bewegung vor dem Gebäude der Europäischen Zentralbank geräumt. Dort hatten die Demonstranten seit mehreren Monaten und auch während der eisigen Winterwochen ausgeharrt. Rund 40 Organisationen haben von Mittwoch bis Samstag in Frankfurt zu Protesten gegen die Krisenpolitik von der Europäischen Union, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds aufgerufen, darunter auch Aktivisten der Occupy-Bewegung und von Attac. Sie wollen Plätze der Innenstadt besetzen und das Bankenviertel größtenteils blockieren. Die Stadt hatte die Proteste verboten, sie seien eine "unmittelbare Gefährdung beziehungsweise Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung".

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Occupy Frankfurt auf Eis: "Wir sind winterfest"

Die Uni hatten die Demonstranten demnach bislang nicht im Visier. "Es ist aber nicht abzuschätzen, wie sich die Proteste entwickeln", begründete der Sprecher der Uni die vorsorgliche Verriegelung.

Studentenvertreter reagieren darauf verärgert: "Die aktuelle Berichterstattung beschwört ein apokalyptisches Szenario herauf, das der Realität entbehrt", teilt AStA-Vorsitzender David Malcharczyk mit. Die Universität reihe sich "in die allgemeine Hysterie und den präventiven Verbots- und Sicherheitswahn" ein. Dass man Studenten und Mitarbeiter aus der Universität aussperre, sei nicht hinnehmbar.

Ähnlich äußerte sich auch die Juso Hochschulgruppe: "Es ist bedauerlich und beschämend, dass sich das Präsidium der allgemeinen Hysterie um Blockupy anschließt", sagt der studentische Senator Dominik Delp. "Es besteht weder eine Bedrohung des Lehrbetriebs noch der Universität." Dadurch würden zahlreiche Seminare und Prüfungen ausfallen, sagen die Studentenvertreter, darunter ein Seminar zu Persönlichkeitsrechten in China.

fln



insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
shatreng 16.05.2012
1. lachhaft
Zitat von sysopAPDie Uni Frankfurt zwingt ihre Studenten, sich einen Tag frei zu nehmen. Aus Angst vor den "Blockupy"-Demonstranten verriegelt sie von Mittwochabend bis Sonntag alle Gebäude der Universität. Studentenvertreter freuen sich allerdings nicht darüber, sondern sind ziemlich sauer. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,833591,00.html
So ein Physikstudent aufm Riedberg ist wirklich unglaublich von bösen Ausschreitungen in der Innenstadt betroffen. Was die Politik hier treibt und wie Proteste vorab kriminalisiert werden, ist nurnoch lachhaft. Es würde niemand auf die Idee kommen Fußballspiele zu verbieten, weil Randale befürchtet werden. Das gäbe einen riesigen Aufschrei. Wenn es um Grundrechte geht, juckt es scheinbar niemanden. traurig.
Stäffelesrutscher 16.05.2012
2.
Und dieser Staat will andere Staaten über Demokratie belehren?
schweineigel 17.05.2012
3. UNI sperrt demonstrierende Studenten aus!
Das wären doch die Meldungen, wenn so was in China passieren würde, oder? Und alle wären empört über so viel Un-demokratie! Naja, immerhin wird hier nicht geschossen, aber schön zu sehen, wie jedes Volk seinen Gott hat, gegen den nicht gelästert werden darf. In China ist es das Land, im Westen ist es der Kapitalismus.
MartinS. 17.05.2012
4.
Zitat von schweineigelDas wären doch die Meldungen, wenn so was in China passieren würde, oder? Und alle wären empört über so viel Un-demokratie! Naja, immerhin wird hier nicht geschossen, aber schön zu sehen, wie jedes Volk seinen Gott hat, gegen den nicht gelästert werden darf. In China ist es das Land, im Westen ist es der Kapitalismus.
Verstehe nicht, warum man sich deshalb aufregen sollte. Die Uni schliesst halt mal nen Tag. Ob das mit der Begründung jetzt wirklich unbedingt notwendig wäre... ja - kann man wohl mal drüber diskutieren. Auf der anderen Seite ists aber doch auch absolut wurscht. Wegen irgendnem Streik müssen ständig Menschen zurückstecken - und das ist (sofern es zumindest in einem nicht unmäßigen Rahmen bleibt) absolut ok so. Jetzt fallen wegen ner anderen Sache halt mal ein paar Vorlesungen aus... uuuuh... vielleicht nicht gerade toll - aber wo liegt das Problem??? Wenns ruhig bleibt am Wochenende in Frankfurt... böse Uni - böse Uni... (neee - eigentlich auch nicht) Wenn ein paar Vollidioten meinen, nen Grund zu suchen, um nochmal ne ordentliche 1. Mai Randaleparty zu starten.... seit doch froh, wenn ihr nicht mittendrinsteckt. Gegen Kapitalismus wurd doch schon seit etlichen Monaten vor der EZB demonstriert. Und keinen einzigen Tag hat deshalb die Uni dichtgemacht. Irgendwie kann ich nicht nachvollziehen, wie man da zu dem Schluss kommt, dass niemand was gegen die heilige Kuh Kapitalismus sagen darf. Oder fängt "etwas dagegen sagen" erst so wirklich bei Steine werfen und Sachen anzünden an???
Philip Marlowe 17.05.2012
5.
Eine seltsame Berichterstattung: Frankfurt gleicht durch den irrwitzigen Polizeieinsatz einem Drittweltstaat nach einem Militärputsch und der Spiegel ignoriert diese Ereignisse weitgehend. Wenn in anderen Ländern (Russland, Ukraine, Birma, China) aus "Sicherheitsgründen" Proteste verboten und niedergeknüppelt werden ist der Aufschrei groß, bei uns ist es aber völlig in Ordnung und man berichtet lieber über unwichtige Personalrochaden der Staatsratsvorsitzenden.
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