Ausgezeichnet in der NS-Zeit Uni Göttingen distanziert sich von Hermann Göring

Die Uni Göttingen revidiert eine peinliche Ehrung: 1939 hatte sie den NS-Politiker Hermann Göring als "beharrlichen Vorkämpfer nationalsozialistischer Weltanschauung" ausgezeichnet. Er war nur einer von acht fragwürdigen Geehrten.

Für die Uni Göttingen einst ehrwürdig: NS-Luftfahrtminister und "Reichsforstmeister" Hermann Göring
AP

Für die Uni Göttingen einst ehrwürdig: NS-Luftfahrtminister und "Reichsforstmeister" Hermann Göring


Im Mai 1939 konnte sich die Universität Göttingen über einen neuen Fachbereich freuen: Ihr wurde die Forstakademie Hannoversch Münden eingegliedert. Aus Dank verlieh die Universität dem damaligen "Reichsforstmeister" Hermann Göring die Ehrenbürgerschaft: "Sie ehrt in ihm den treuen und beharrlichen Vorkämpfer nationalsozialistischer Weltanschauung, der forstliches Brauchtum ehrfürchtig bewahrt und beschützt", heißt es in der Ernennungsurkunde, die Göring am 6. Mai 1939 überreicht wurde.

Heute, mehr als 70 Jahre später, distanziert sich die Universität Göttingen von Ehrungen, die sie während der Nazi-Zeit ausgesprochen hatte. Das hat der Senat im Januar beschlossen, wie die Universität mitteilt. Der Beschluss umfasst drei Ehrendoktoren und fünf Ehrenbürger, darunter auch der führende NS-Politiker Hermann Göring.

"Die damals geehrten Personen haben aktiv durch publizistische Tätigkeit oder als Funktionsträger die Ideologie des Nationalsozialismus verbreitet und seine Herrschaft gestützt", sagte der stellvertretende Senatssprecher Jörg-Martin Jehle. "Sie stehen deshalb außerhalb der von der Aufklärung geprägten Tradition der Universität Göttingen."

Eine förmliche Rücknahme der Auszeichnungen ist aus Sicht der Universität nicht notwendig: Die verliehenen Ehrenbürgerschaften und Ehrendoktorwürden seien mit dem Tod der geehrten Personen erloschen.

Außer von Göring distanzierte sich die Universität unter anderem von den früheren Ehrenbürgern Hiroshi Oshima, der während der Nazi-Zeit als japanischer Botschafter in Deutschland arbeitete, und den Volksdichtern Heinrich Sohnrey und Börries Freiherr von Münchhausen.

Der Senatsbeschlusses beruht auf einer Untersuchung aller zwischen 1933 und 1945 verliehenen Ehrungen der Universität, die die Historiker Dirk Schumann und Lena Freitag anfertigten. Sie hatten sich insgesamt 35 Ehrungen angesehen (hier finden Sie Auszüge aus dem Abschlussbericht der Uni). Bei den restlichen 27 Ehrungen habe es demnach keine Anhaltspunkte gegeben, die eine Distanzierung nötig machen, teilt die Universität mit.

bkr

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