Umstrittener Professor Lucke fordert Disziplinarverfahren gegen sich selbst

Der Hamburger Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke ist wegen der Gründung der AfD umstritten. Jetzt will er Zweifel an seiner Verfassungstreue ausräumen - und bittet die Wissenschaftssenatorin um Hilfe. Doch die sieht die Verantwortung bei ihm.
Bernd Lucke bei seinem ersten Vorlesungsversuch im Oktober an der Uni Hamburg: "Diese Vorwürfe gegen mich sind ein Makel für die ganze Universität"

Bernd Lucke bei seinem ersten Vorlesungsversuch im Oktober an der Uni Hamburg: "Diese Vorwürfe gegen mich sind ein Makel für die ganze Universität"

Foto: Markus Scholz/ DPA

AfD-Gründer Bernd Lucke hat Hamburgs Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank aufgefordert, seine Verfassungstreue zu überprüfen. "Leiten Sie bitte ein Disziplinarverfahren gegen mich ein", sagte er in einem von der Wochenzeitung "Die Zeit" moderierten Streitgespräch mit der Grünenpolitikerin Fegebank.

Er wolle dadurch Zweifel ausräumen, "ob ich mich in meinem politischen Wirken stets aktiv für die freiheitlich-demokratische Grundordnung eingesetzt habe", so Lucke.

Lucke ist mit Beginn des Wintersemesters nach fünf Jahren als Europaabgeordneter als Wirtschaftsprofessor an die Universität Hamburg zurückgekehrt - und wurde mit massivem Protest empfangen. Zwei seiner Vorlesungen wurden deswegen abgebrochen oder konnten nicht stattfinden.

Die Studierendenvertretung Asta hatte wegen Luckes "kritischer Vergangenheit" in der AfD zu einer Kundgebung gegen ihn aufgerufen, die in Tumulte und weitere Proteste mündete.

"Verantwortung kann Ihnen niemand abnehmen"

"Ja, diese Vorwürfe gegen mich sind ein Makel für die ganze Universität", sagte Lucke im Streitgespräch mit Fegebank, über das die "Zeit" in ihrer kommenden Ausgabe berichtet. "Ich dürfte kein Beamter sein, wenn die Vorwürfe des Asta zuträfen. Also lassen Sie bitte untersuchen, ob ich mich pflichtgemäß verhalten habe."

Die Wissenschaftssenatorin reagierte zurückhaltend auf Luckes Forderung: "Sie haben die Partei gegründet, die heute einen rechtsextremen Weg geht. Diese Verantwortung kann Ihnen niemand abnehmen, auch ich nicht", sagte Fegebank.

Dass der Asta vor dem Hörsaal gegen Lucke protestiert und Flugzettel verteilt habe, sei legitim gewesen, so Fegebank. "Und in Ihrem Fall finde ich diesen Protest auch nachvollziehbar. Sie sind unbestreitbar eine Persönlichkeit, die Emotionen hervorruft."

Störungen verurteilt

Zu Kritik, sie habe die Sprengung von Luckes Vorlesung zunächst nicht eindeutig verurteilt, sagte Fegebank: "Wenn das erste Statement falsch verstanden wurde, dann ist das bedauerlich." Darauf Lucke: "Ich nehme Ihre Entschuldigung an."

Die Universität Hamburg hatte die Störungen ebenfalls verurteilt. Diese seien "mit dem grundgesetzlich garantierten Schutz der Freiheit von Wissenschaft nicht zu vereinbaren", hieß es in einer Erklärung der Hochschule .

Im Gespräch mit dem SPIEGEL  warnte CDU-Bildungsministerin Anja Karliczek davor, "den politischen Kurs zu verengen". Mit Blick auf die Proteste gegen Lucke sagte sie: "Es geht nicht, dass sich Studentengruppen oder Aktivisten als Meinungszensoren aufspielen."

sun