Uni Hamburg Gebühren-Boykott wird abgeblasen

6078 Studenten haben die Studiengebühren auf ein Sonderkonto überwiesen, 10.000 hätten es sein müssen - an der Universität Hamburg ist der Boykott gescheitert. Präsidentin Auweter-Kurtz frohlockt, Studentenvertreter wollen es im nächsten Semester erneut versuchen.

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Monatelang hatten Hamburger Studentenvertreter dafür getrommelt, Wissenschaftssenator Jörg Dräger und der Universität eins auszuwischen - doch am Ende machten nicht genügend Studenten mit. Bis Freitag überwiesen 6078 Studenten die frisch eingeführten Studiengebühren auf ein Treuhandkonto statt an die Uni. Weil das notwendige Quorum zuvor aber auf 10.000 Teilnehmer - gut ein Viertel aller Studenten - festgelegt worden war, musste die Boykott-Aktion abgebrochen werden.

Uni Hamburg: Zu wenige Gebühren-Rebellen
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Uni Hamburg: Zu wenige Gebühren-Rebellen

Mit dem Gebührenboykott wollten die Studenten Stadt und Universität unter Druck setzen. Bei einer massenhaften Verweigerung, so ihr Kalkül, werde es nicht zu einer Welle der Exmatrikulationen kommen. Just das hatte Senator Dräger (parteilos) aber angekündigt: Wer das Geld nicht rechtzeitig überweise und somit dem Hamburgischen Hochschulgesetz nicht folge, fliege von der Hochschule.

Ob es diese Drohung oder eine gewissen Protestmüdigkeit war: Für das Sommersemester mussten die Organisatoren aufgeben. Dass ihnen überhaupt bis zum 15. Juni Zeit blieb, ist eine Besonderheit der Universität Hamburg - hier sind Rückmeldung und Überweisung der Campus-Maut entkoppelt. Anderswo fiel die Entscheidung über Boykottversuche bereits zum Semesterbeginn. So mussten auch baden-württembergische Gebührengegner nachgeben, weil zu wenige Studenten mitmachten. Sie setzen jetzt auf Massenklagen - in Nordrhein-Westfalen feierten Gebührengegner bereits erste juristische Erfolge.

Die Hamburger Boykott-Organisatoren sprachen dennoch von einem "massenhaften und eindeutigen Nein" und einem "großen Erfolg" der Proteste. Ihre Rechnung: Von insgesamt 38.000 Studenten hätten bis heute weniger als die Hälfte die 500 Euro an die Universität gezahlt - 12.000 stellten nach ihren Angaben Anträge auf Gebührenbefreiung, dazu 6000 Einzahler auf das Boykottkonto sowie 5000 Studenten, die das Geld bisher weder auf das Treuhand- noch auf das Uni-Konto überwiesen haben.

Flaue Beteiligung auch an anderen Hochschulen

Die letzten Überweisungen zum heutigen Ende der Zahlfrist werden die Zahlen noch ein wenig verändern. Die Uni bestätigte aber bereits, dass über 11.000 Anträge auf Befreiung von den Gebühren, auf Stundung oder Erlass eingingen. Entschieden worden sei bisher über 2400 Anträge, darunter 2125 auf Befreiung wegen Kindererziehung.

"Ich wünsche mir, dass an der Universität nun wieder ein geregelter Studienalltag einkehren kann und dass wieder alle Studierenden die Möglichkeit haben, sich auf ihre Studieninhalte zu konzentrieren", sagte Monika Auweter-Kurtz. Die Uni-Präsidentin, klare Befürworterin von Studiengebühren, war zuletzt durch fragwürdige Deutungen der akademischen Meinungsfreiheit aufgefallen.

Die studentischen Organisatoren indes wollen nicht aufstecken. Sie kündigten an, mit den Vorbereitungen für einen neuen Gebührenboykott im kommenden Wintersemester zu beginnen. Auch Klaus Bullan, Landesvorsitzender der Gewerkschaft GEW sagte, das Thema sei noch lange nicht zu den Akten gelegt und werde im Wahlkampf wieder aufgegriffen.

Studenten der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaft (HAW) hatten ihren Boykottversuch bereits Ende April beenden müssen - mit 2813 anstelle der nötigen 3210 verfehlten sie das Quorum nur knapp. An der TU Hamburg-Harburg machten 725 Studenten, also 20 Prozent, mit. Das reichte ebenfalls nicht.

Die Hochschule für Bildende Künste dagegen ist eine Rebellen-Hochburg: 283 von 555 gebührenpflichtigen Studenten überwiesen das Geld auf ein Konto des Vereins Studiengebührenboykott. Auf einer Vollversammlung hatte Hochschulpräsident Martin Köttering angekündigt, er werde die Zahlverweigerer nach Ende einer Mahnfrist exmatrikulieren. Für die Studenten der kleinen Hochschule wird es schwierig, allein durchzuhalten, wenn sich die umliegenden Riesen schon vom Boykott verabschiedet haben. Wie es weitergeht, wollen sie am kommenden Montag bei einer Vollversammlung beraten.

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