Uni Hamburg "Raketen-Moni" über Bord

Nun ist sie weg: Hamburgs umstrittene Uni-Chefin Monika Auweter-Kurtz räumt ihren Posten. Am Freitag unterschrieb sie einen Auflösungsvertrag. Damit hatte eine monatelange Meuterei an der Hochschule Erfolg, der "Raketen-Moni" nicht länger standhalten konnte.

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Hamburger Universitätspräsidentin Monika Auweter-Kurtz gibt ihr Amt auf. Nach monatelangem Streit zieht sie sich am kommenden Mittwoch aus der Leitung der Universität zurück. Sie unterschrieb am Freitag eine Auflösungsvereinbarung für ihren bis Ende 2012 laufenden Vertrag. Das meldete die Universität; die Senatsverwaltung für Wissenschaft und Bildung und Präsidentin Auweter-Kurtz selbst bestätigten ihren Rückzug in einer gemeinsamen Presseerklärung.

Monika Auweter-Kurtz: Zurück bleibt ein Scherbenhaufen
DPA

Monika Auweter-Kurtz: Zurück bleibt ein Scherbenhaufen

In einem Schreiben von Auweter-Kurtz, das die Hamburger Wissenschaftsbehörde veröffentlichte, erklärt die gescheiterte Präsidentin, sie habe Bedingungen schaffen wollen, mit denen die Universität "national zur Spitze" aufschließen und international in allen Fakultäten "Sichtbarkeit" erlangen könne. Sie habe aber "derzeit nicht mehr den erforderlichen Rückhalt, um den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen zu können".

Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach (CDU) erklärte im gleichen Schreiben, sie nehme "die Zustimmung der Uni-Präsidentin, den Vertrag aufzulösen, mit großem Respekt entgegen". Sie bedaure den Schritt "persönlich sehr", sehe jedoch "in einem Auseinandergehen im gegenseitigen Einvernehmen für beide Seiten die beste Lösung".

Universität will Reformtempo "kritisch überprüfen"

Die Wissenschaftssenatorin hatte Mitte letzter Woche selbst den Druck auf Auweter-Kurtz erhöht und verlangt, es müsse ein Zeichen aus der Hochschule kommen, ob man mit Auweter-Kurtz weiterarbeiten wolle. Danach hatte Gundelach ein Abfindungsangebot an die Uni-Präsidentin öffentlich gemacht - ein deutliches Signal. Bei den Verhandlungen ging es zuletzt vor allem um die Abfindung. Dabei soll Auweter-Kurtz bessere Konditionen herausgeholt haben, als ihr zunächst angeboten worden waren. Auweter-Kurtz soll für die Annahme des Auflösungsvertrages eine sechsstellige Summe erhalten, berichtet "Welt Online".

In einer Erklärung der Universitätsleitung betonen das Rest-Präsidium sowie fünf der sechs Dekane (ohne den Dekan der Fakultät Medizin), die Hochschule sei weiter "uneingeschränkt handlungsfähig", die Zuständigkeiten an der Uni blieben wie bisher verteilt. Der Reformprozess müsse fortgesetzt werden.

In den Zwischentönen hört man die Kritik an der bisherigen Chefin heraus: Die Geschwindigkeit der Reformen solle "kritisch überprüft werden"; die Unterzeichner bekennen sich zu einer "transparenten, kommunikationsorientierten Vorgehensweise". Zudem solle der Diskurs fortan von "gegenseitiger Wertschätzung" geprägt sein - ein Umgang, den viele in der Universität unter der Ägide von Auweter-Kurtz vermissten hatten. Kritisiert wurde vor allem das barsche Verhalten, das sie als Uni-Chefin mit weitreichenden Entscheidungsbefugnissen zeigte.

Der neunköpfige Hochschulrat als oberstes Leitungsgremium der Universität, bestehend aus Vertretern der Uni und externen Führungskräften, setzte andere Akzente und bedauerte das Ausscheiden der Präsidentin. Sie habe "Entscheidendes dazu beigetragen, die Universität Hamburg zu stärken und im internationalen Wettbewerb besser zu positionieren". Dabei habe "eine breite Mehrheit" der Universität "intensiv mitgearbeitet". Teile des Rats hatten Auweter-Kurtz bis zuletzt die Treue gehalten. Das klingt auch in der Stellungnahme vom Freitagabend an: Eine "Vielzahl von komplexen Problemen" sei "einzig der Präsidentin angelastet" worden und die damit verbundene Diskussion "nicht inhaltlich und vor allem öffentlich geführt" worden.

Immer stärkerer Gegenwind

Am Mittwoch soll sich Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) in den Uni-Streit um die vielgescholtene Auweter-Kurtz eingeschaltet haben. In einem Gespräch mit Senatorin Gundelach und dem Vorsitzenden des Hochschulrats, Albrecht Wagner, habe Beust deutlich gemacht haben, dass er eine zügige Entscheidung wünsche, berichtete das "Hamburger Abendblatt" ohne genaue Quellenangabe.

Mit ihrem Rückzug beugt sich die 58-jährige Auweter-Kurtz dem massiven Druck aus den Reihen der Professoren, Dekane, wissenschaftlichen Mitarbeiter, Studenten und auch der Politik.

Als erste Frau in Hamburg übernahm sie 2006 in Hamburg die Leitung der Universität und wurde damit eine der bundesweit nur wenigen Frauen in einem solchen Amt. Bundesforschungsministerin Annette Schavan rühmte in ihrer Einführungsrede die "Durchsetzungskraft" der neuen Leiterin.

Doch schon vor ihrem Amtsantritt in der Hansestadt blies der Stuttgarter Ingenieur-Professorin strenger Gegenwind ins Gesicht: Studentenvertreter warfen Auweter-Kurtz zur große Nähe zur Rüstungsindustrie (Spitzname "Raketen-Moni") sowie ihre Zustimmung zu Studiengebühren vor. Später kritisierten sie besonders die von ihr forcierten Umzugspläne scharf - ob ein milliardenschwerer Neubau in der Nähe des Renommierprojekts Hafencity entstehen soll, ist in der Stadt stark umstritten.

"Eiserne Lady" ohne Rückhalt

In den letzten Monaten stieg die Zahl der Gegner von Auweter-Kurtz. Mehr als 120 der insgesamt rund 550 Professoren forderten Mitte Juni in einem gemeinsamen Brief ihre Abwahl. In dem Schreiben warfen sie der Präsidentin ihren autoritären Führungsstil vor und machten sich entsprechend Luft: "Eine Universität, deren Mitglieder demoralisiert und ihrer eigenen Institution entfremdet werden, verliert jede Attraktivität." Zuvor hatten bereits die Dekane von Fakultäten die Präsidentin in einem Brief attackiert. Darin warfen sie Auweter-Kurtz einen "Schlingerkurs" in der Gestaltungsarbeit an der Universität, "Reformwahn" und eine "katastrophale Außendarstellung" vor. Auch öffentliche Demutsgesten der Präsidentin besänftigten die aufgebrachten Uni-Angehörigen nicht.

Ende letzter Woche schien schon völlig klar, dass die "Eiserne Lady" vorzeitig aus dem Amt scheidet. Beistand erhielt sie dann allerdings von Albrecht, dem Vorsitzenden des Hochschulrats, der über die Besetzung des Präsidentenposten an der Uni Hamburg maßgeblich entscheidet. Hamburgs Bildungssenatorin Herlind Gundelach allerdings verweigerte Auweter-Kurtz weiteren Rückhalt - und damit schwand auch die Chance, dass die Präsidentin sich über die Sommerpause retten und am Ende doch im Amt bleiben könnte.

Nun endet ihre Zeit an der Hamburger Uni am nächsten Donnerstag Schlag Mitternacht - bevor am 9. Juli der Akademische Senat tagt und dabei mit Zweidrittelmehrheit dem Hochschulrat die Abwahl von Auweter-Kurtz empfehlen könnte. Die vorübergehende Leitung übernimmt dann Vizepräsidentin Gabriele Löschper, die Anfang des Monats turnusgemäß das Stellvertreteramt übernahm. Das teilte der Hochschulrat mit. Außerdem werde der Rat gemeinsam mit dem Senat der Uni möglichst bald eine Findungskommission benennen, die dann einen neuen Kandidaten fürs Präsidentenamt suchen soll.

mit Material von dpa und AP

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