Angriff übers Internet Uni-Kopierer drucken antisemitische Flugblätter

An mehreren Universitäten haben Dutzende Drucker wie von Geisterhand ein antisemitisches Pamphlet ausgedruckt. Die Druckaufträge kamen übers Internet - die Polizei ermittelt.


Auf den ausgedruckten Blättern standen rassistische und volksverhetzende Parolen: Mehrere Universitäten haben einen Angriff auf ihre Netzwerkdrucker gemeldet. Betroffen waren unter anderem die Universitäten Hamburg, Bonn, Münster, Lüneburg, Bremen, Tübingen und Erlangen-Nürnberg.

An der Uni Tübingen sei eine Hetzschrift "quer durch alle Fakultäten und wie von Geisterhand" 190-mal ausgedruckt worden, sagte Uni-Sprecher Karl Rijkhoek SPIEGEL ONLINE. An der Uni Hamburg kam die Schmähschrift jeweils einmal aus zehn verschiedenen Druckern, an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg wurde eine Seite mit antisemitischen Parolen in zwölf Druckern gefunden.

"Das war kein dummer Streich, sondern eine gezielte Aktion", so Rijkhoek. Auf den Pamphleten sei ein Text mit großen Buchstaben in schlechtem und fehlerhaftem Deutsch abgedruckt. Der Text wende sich gegen Menschen jüdischen Glaubens und Menschen, die nicht der "weißen Rasse" entsprächen. Jemand habe sich von außen in die lokalen Netzwerke eingeschaltet und die Druckaufträge gestartet. Die Techniker hätten die Sicherheitslücke inzwischen geschlossen, die Polizei sei eingeschaltet, sagte Rijkhoek.

Beim zuständigen Polizeipräsidium Reutlingen hat sich auch eine Privatperson gemeldet, weil ein antisemitisches Pamphlet zu Hause aus dem Drucker kam. Um einen Hackerangriff handele es sich allerdings nicht, so ein Polizeisprecher: Die betroffenen Drucker seien mit dem Internet verbunden und nicht passwortgeschützt gewesen. "Solche Drucker kann weltweit jeder ansteuern, dazu braucht man kein besonderes Fachwissen."

Eine Sprecherin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg bestätigte, dass es sich um "einen Konfigurationsfehler" handelte. Die Drucker seien übers Internet von einer ausländischen IP-Adresse aus angesteuert worden.

Ähnliche Texte seien vor kurzem auch an mehreren amerikanischen Universitäten aufgetaucht. Laut einem Bericht der "Washington Post" hatte sich damals ein polizeibekannter, rassistischer Hacker zu den Angriffen bekannt.

Die deutschen Unis haben Strafanzeige erstattet, die Polizei ermittelt wegen Volksverhetzung.

vet/lov/dpa

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