Teurer Libeskind-Bau Rechnungshof rügt explodierende Baukosten an der Uni Lüneburg

Die Kostenexplosion beim Zentralgebäude der Uni Lüneburg ärgert den niedersächsischen Landesrechnungshof. Er rügt die Finanzplanung - jetzt soll die Hochschule die Lücke schließen.

Libeskind-Bau der Uni Lüneburg: Architektonisch toll, finanziell desaströs
DPA

Libeskind-Bau der Uni Lüneburg: Architektonisch toll, finanziell desaströs


Massive Vorwürfe gegen das niedersächsische Wissenschaftsministerium: Der Landesrechnungshof wirft der Behörde einen Verstoß gegen das Haushaltsrecht vor. Hintergrund ist die Kostenexplosion beim Erweiterungsbau der Leuphana-Universität in Lüneburg.

Gut 109 Millionen Euro hat das architektonische Juwel gekostet, das sich die Leuphana als Zentralgebäude hat errichten lassen - von keinem Geringeren als dem Stararchitekten Daniel Libeskind. Der Bau war damit fast doppelt so teuer wie ursprünglich veranschlagt. Eröffnet wurde das Gebäude 2017.

Gingen Uni und Wissenschaftsministerium zu Beginn der Planung noch von 57 Millionen Euro an Baukosten aus, korrigierten sie den Wert schnell auf zunächst 72,3 Millionen Euro, im Dezember 2016 dann sogar auf 87,2 Millionen - und auch die, das zeigt die jetzt vorliegende Schlussrechnung, reichten nicht.

So sah der Libeskind-Bau in Lüneburg in einer ersten Computersimulation vor über zehn Jahren aus
Leuphana / DPA

So sah der Libeskind-Bau in Lüneburg in einer ersten Computersimulation vor über zehn Jahren aus

Nachdem die Abrechnungen "intern überprüft und bearbeitet worden sind, steht jetzt fest, dass die endgültigen Baukosten voraussichtlich bei 109,3 Millionen Euro liegen werden", so Uni-Sprecher Henning Zühlsdorff in einer Erklärung. Die Kostensteigerungen im Verlauf der zehnjährigen Bauphase seien "zum Beispiel auf den allgemeinen Anstieg der Baukosten, höhere Baunebenkosten, die Bauzeitverlängerung, terminsichernde Maßnahmen oder auch auf notwendig gewordene Veränderungen im Bauablauf zurückzuzuführen".

Die Mehrkosten müssen nach Einschätzung des Rechnungshofs von der Universität selbst getragen werden, berichtet die "Landeszeitung für die Lüneburger Heide". Die Uni müsse jetzt eine Nachtragsplanung ausarbeiten, um die gestiegenen Kosten aufzufangen. Es geht um eine Lücke von mehr als 20 Millionen Euro. Die soll durch den Verkauf von Uni-Liegenschaften "aus eigener Kraft" geschlossen werden, und zwar "ohne dass die Finanzierung zulasten von Forschung und Lehre erfolgt".

Trotz der Rüge des Rechnungshofs versuchte Henning Zühlsdorff, der Schlussrechnung auch etwas Positives abzugewinnen. 2014 sei die Oberfinanzdirektion in einem Zwischenbericht sogar von 128 Millionen Euro Baukosten ausgegangen. Zühlsdorff: "Diese Summe wird deutlich unterschritten."

Die Leuphana war zuletzt durch den geplanten Weggang ihres Präsidenten Sascha Spoun an die Uni Göttingen in die Schlagzeilen geraten. Nach internen Querelen in Göttingen hatte der Leuphana-Präsident seine Bewerbung zurückgezogen.

him



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