Uniklinik Münster Forscherin darf nach Strafanzeige wieder Tierversuche machen

Die Stadt Münster verbot einer Forscherin, weiter Tiere zu halten, weil sie ohne Genehmigung Versuche mit Labormäusen gemacht hatte. Die Tiere hätten erheblich gelitten. Nun hat ein Gericht das Verbot wieder aufgehoben - erst mal.

Labormaus
imago / Westend61

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Einer Wissenschaftlerin der Uniklinik Münster darf das Halten und Betreuen von Tieren für Tierversuche nicht länger untersagt werden. Das hat das Oberverwaltungsgericht Münster (OVG) entschieden und damit einen Eilbeschluss aus der ersten Instanz verworfen. Die Forscherin darf zumindest vorläufig wieder Tierversuche machen.

Der Hintergrund: 2017 waren im Keller der Hautklinik 36 Käfige mit 77 Versuchsmäusen entdeckt worden, für die es keine Genehmigung gab. Sechs Tiere mussten den Angaben zufolge wegen ihres schlechten Zustands getötet werden.

Die Veterinärbehörde stellte bei etlichen Mäusen "eindeutige Symptome, die auf länger anhaltende, erhebliche Schmerzen und Leiden der Tiere hinwiesen" fest. Nach ihrer Einschätzung hätten die Verantwortlichen diese Schmerzen und Leiden erkennen und beenden müssen.

Das Amt ging davon aus, dass es bei den illegalen Tierversuchen erhebliche Verstöße gegen den Tierschutz gab. Es stellte Strafanzeige gegen die verantwortliche Forscherin - und verbot ihr per Ordnungsverfügung das Halten von Tieren.

An der Rechtmäßigkeit dieses Verbots äußerte das Gericht nun Zweifel. Die Verantwortung für den schlechten Zustand der Tiere und ihr Leiden sei von der Stadt der Klägerin zugeschrieben worden. Ob diese Annahme zutreffe, sei aber zweifelhaft und in einem Eilverfahren nicht abschließend zu klären.

Kontrollen verschärft

Es bleibe offen, ob der Forscherin auch tierschutzrechtliche Verstöße anzukreiden seien. Immerhin habe die Klägerin ihre Mitarbeiter angewiesen, die Tiere täglich zu kontrollieren und über Auffälligkeiten zeitnah zu informieren. Die Prognose der Stadt, dass die Forscherin weiterhin Regeln brechen werde, sei nicht hinreichend untermauert. Die Klägerin habe bereits viele Tierversuche geleitet, aber es habe erst 2017 die erste Beanstandung gegeben.

Das Risiko, dass die Klägerin erneut gegen Regeln verstoßen könnte, schätzen die Richter als gering ein. Denn: Die Universität Münster habe in der Zwischenzeit die Kontrollen verschärft.

Der Eilbeschluss des Gerichts ist nicht anfechtbar. Abschließend muss die Frage in einem Hauptverfahren geklärt werden.

lie/dpa

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