Uni-Playmate Vom Hörsaal ins Hochglanzmagazin

Bis zum 5. September 2005 war Jenn Sterger aus Florida eine ganz normale Studentin. Dann ging sie zu einem Football-Spiel ihrer Uni, zog ihr T-Shirt aus und wurde von Kameras gefilmt. Seither ist für sie nichts mehr, wie es früher war - und Sterger um ein paar Dollars reicher.

Jenn Sterger, vier Jahre nach ihrer Entdeckung, als Model in New York
Getty Images

Jenn Sterger, vier Jahre nach ihrer Entdeckung, als Model in New York

Von Daniel Rettig


Drei Männer sind dafür verantwortlich, dass aus der 22-jährigen Jenn Sterger aus einer Kleinstadt in Florida innerhalb von sechs Monaten eine Prominente wurde. Das Kurioseste an dieser sowieso schon kuriosen Geschichte ist, dass Jenn Sterger diese drei Männer noch nicht einmal persönlich kennt.

Es ist der Abend des 5. September 2005. In der Uni-Stadt Tallahassee machten sich die Studenten der örtlichen "Florida State University" (FSU) bereit für das Football-Spiel gegen den Erzfeind, die "Miami University". So auch die braunhaarige Jenn Sterger und ihre Freundinnen.

Auf dem Weg zum Stadion passiert es: Jenn stößt mit einem Mann zusammen, der ihr dabei aus Versehen Bier über ihr Oberteil schüttet. Jenn, die sich seit Wochen auf das Spiel gefreut hatte, will keine Minute verpassen. Sie zieht sich deshalb nicht um, sondern einfach ihr bierdurchtränktes Oberteil aus. Darunter trägt sie einen Bikini.

Ein paar Stunden später steht sie mit ihrer Clique jubelnd im Stadion, als die Kamera auf sie schwenkt. Das Spiel wird vom amerikanischen Fernsehsender ABC landesweit übertragen. Dass Jenn im knappen Bikini im Bild zu sehen ist, lässt Kommentator Brent Musberger nicht unerwähnt. Nun würden sich wahrscheinlich Tausende von amerikanischen Teenagern an der FSU einschreiben, bemerkt Musberger. Er ahnt nicht, was er mit dieser Bemerkung lostreten würde.

Sterger studiert Psychologie und Kriminalistik

Am Tag darauf brachen in Internetforen die Diskussionen los: Wer wohl dieses hübsche Mädchen sei, das gestern Abend im Bild war? Irgendjemand wusste die Antwort: Jenn Sterger, 22 Jahre alt, Studentin der Psychologie und Kriminalistik an der FSU.

Die Diskussionen blieben auch Sterger nicht verborgen. Und so machte sie die Foren auf ihr Profil bei "Facebook" aufmerksam. Auf dieser Internetseite können amerikanische College-Studenten Fotos von sich einstellen. Sterger ist dort ebenfalls angemeldet - zugegebenermaßen mit sehr freizügigen Bildern.

Auf den meisten Fotos sieht man sie und ihre Freundinnen im Football-Stadion der FSU. Sterger trägt ein bauchfreies Top, das so gerade den BH verdeckt, ultraknappe Hotpants und einen Cowboyhut, weswegen sie im Internet den Spitznamen "FSU Cowgirl" bekam.

Der plötzliche Internet-Hype blieb auch einem Praktikanten des Männermagazins "Maxim" nicht verborgen. Er sah sich die Bilder von Sterger an und erzählte seinem Chef davon. Und so kam es, dass die 22-Jährige im März in der US-Ausgabe von "Maxim" abgebildet war. Zusammen mit ihren Freundinnen Chrystal Durnan und Fabiola Romero, ebenfalls Studentinnen an der FSU. "Ich war einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort", sagt Sterger. Doch damit nicht genug: Nun ist Sterger sogar in der aktuellen US-Ausgabe des "Playboy" zu sehen.

Auf den Spuren von Pamela Anderson

Nach eigenen Angaben will Sterger die Uni auf jeden Fall zu Ende bringen, ein Semester wird sie noch brauchen. Danach wollte sie eigentlich Sportagentin werden. Die Pläne sind vermutlich erst einmal auf Eis gelegt - sogar Hollywood soll sich schon gemeldet haben.

Schließlich liebt Amerika solche Geschichten. Ein Mädchen aus dem 17.000-Einwohner-Städtchen Lutz, das gute Noten hatte, als Schülerin von den Jungs nie beachtet wurde und die Abende heute am liebsten mit Pizza und Bier vor dem Fernseher verbringt. Mittlerweile bekommt sie sogar Heiratsanträge aus China.

Sterger wäre nicht die erste, die als unbeteiligte Zuschauerin zu Ruhm gelangt. Einem inzwischen weltbekannten Playmate ging es ähnlich: Pamela Anderson. Sie wurde bei einem Footballspiel in Kanada entdeckt.

Und was sagen Stergers Eltern dazu? Einerseits sind sie stolz, ihr Vater Leo fungiert mittlerweile als ihr Manager. Andererseits hatten sie offenbar geahnt, was auf sie zukommt. Als Jenn am Abend des 5. September plötzlich im Fernsehen war, schickten sie ihrer Tochter sofort eine SMS: "Jenn, wir lieben dich. Aber bitte zieh dir etwas an."



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