Uni-Prüfungen in China Schummelnde Eltern müssen ins Gefängnis

Rund zehn Millionen Schüler versuchen sich an den Zentralprüfungen chinesischer Unis - und oft wollen Eltern sie mit großem Technikaufwand durchschleusen. Das kann böse enden, für Betrugsversuche droht Knast: In China gelten die Prüfungsaufgaben als "Staatsgeheimnis".

Immer im Juni bangen gut zehn Millionen Schüler in China und mit ihnen ihre Familien zwei Tage lang, was wohl die Zukunft bringt: Dann ist "Gaokao"-Zeit, ein Moment der Entscheidung für die 18-Jährigen im ganzen Land. Mit der landesweiten Hochschulzugangsprüfung, einer Art chinesischem Zentralabitur, zeigt sich, ob die Jugendlichen es auf eine Universität schaffen werden oder scheitern - und damit sich und ihren Familien viel Kummer machen.

Weil acht chinesische Eltern ihren Kindern im vergangenen Jahr beim Schummeln helfen wollten, müssen sie jetzt für sechs bis 36 Monate ins Gefängnis, berichtet "Legal Daily", eine Zeitung unter Kontrolle des chinesischen Justizministeriums. Den Plan, ihren Kindern die richtigen Antworten während der Prüfung von draußen vorzusagen, hätten die Eltern schon 2007 gefasst, schreibt die Zeitung im Staatsbesitz. Als sich damals abgezeichnet habe, dass "die Leistungen ihrer Kinder nicht ideal waren", hätten die Eltern beschlossen, den Noten der Kinder mit unlauteren Mitteln auf die Sprünge zu helfen.

Chinas Zentral-Abi: In Safes gelagert, mit Waffen bewacht

Betrugsversuche bei der landesweiten Hochschulzugangsprüfung geschehen so häufig, dass die chinesischen Behörden mit strengsten Gesetzen vorzubeugen versuchen. So lagern die Examensfragen bis zum Prüfungstag Anfang Juni versiegelt in schweren Safes, die von bewaffneten Wachen beschützt werden. Der Inhalt der versiegelten Umschläge ist in China ganz offiziell ein Staatsgeheimnis, und für die diesjährige Testsaison im Sommer wurde deren Status von "secret" sogar auf "top secret" erhöht, berichtet die britische Tageszeitung "The Guardian".

Folgerichtig lautete die Urteilsbegründung im Verfahren gegen die schummelnden Eltern, sie hätten sich der "illegalen Beschaffung von Staatsgeheimnissen" schuldig gemacht.

"Legal Daily" schildert Betrugsversuche der Eltern in der wohlhabenden Provinz Zhejiang im Osten Chinas als minutiös vorbereitet: Eine Gruppe habe einen Lehrer bestochen, der den Eltern die Prüfungsfragen faxte und Studenten dafür bezahlte, die Prüfungsfragen zu lösen. Ihre Kinder hätten die Schummel-Eltern mit kleinen, kabellosen Ohrhörern ausgestattet und mit Mobilfunktechnik die Antworten in den Prüfungsraum gefunkt. Aufgeflogen seien sie, da die Polizei "ungewöhnliche Funksignale" nahe der Schule registriert habe, berichtete die Zeitung.

Ein anderer Vater ließ einen Schüler mit einem komplizierten Mini-Scanner die Fragen einlesen und mittels Funktechnik nach draußen senden, berichtet der "Guardian". Er soll außerdem neun Lehrer bezahlt haben, den Test schnell für ihn zu lösen. Die korrekten Antworten schickte er demnach zurück an den Schüler, der ihm die Blatter eingescannt hatte, und an seinen eigenen Sohn.

Zur Not das ganze Handy-Netz abschalten

Um den Hightech-Betrug in Zukunft zu verhindern, denkt die Pekinger Behörde für Funkzulassungen bereits über drastische Gegenmaßnahmen nach: Die Geräte, die die Betrüger benutzten, seien sehr klein, die kabellosen Ohrhörer hätten etwa die Größe von Sojabohnen, sagte Zhu Li, ein Direktor der Behörde der Nachrichtenagentur Xinhua. Sollten derartige Betrugsversuche überhand nehmen, denke man darüber nach, auch "das gesamte Funknetz der Stadt zu stören". Das werde sich dann in der Prüfungszeit leider auch auf die regulären Nutzer kabelloser Dienste auswirken, sagte Zhu.

Ganz unwahrscheinlich ist eine derart radikale Maßnahme tatsächlich nicht: Oft wird an den Tagen der landesweiten Prüfung der Straßenverkehr rund um die Schulen, in denen die Prüfungen abgehalten werden, komplett gestoppt oder umgeleitet, um Ruhestörungen zu vermeiden und sicherzustellen, dass die Prüflinge rechtzeitig erscheinen.

Die Prüfung besteht unter anderem aus einem kurzen Essay, naturwissenschaftlichen Aufgaben und englischen Lückentexten. Das Ergebnis des "Gaokao" bestimmt darüber, ob und wenn ja auf welche Universität es die Kinder schaffen. Ein Resultat, das in China auch darüber entscheidet, wer sozial aufsteigt und wer nicht, denn nur wenige der insgesamt rund 1600 staatlichen Universitäten erreichen internationalen Standard.

Auf die begehrten Unis in Peking oder auf die Fudan-Universität in Shanghai schaffen es nur die Schüler mit dem besten Punktestand unter den zehn Millionen Teilnehmern - das sind jedes Jahr etwa 0,3 Prozent.

cht
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