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Hochschul-Ranking: Sind das die besten Unis?

Foto: Andy Rain/ picture alliance / dpa

Hochschulranking So schneiden deutsche Unis weltweit ab

Im weltweiten Vergleich dominieren Hochschulen aus England und den USA. Doch auch deutsche Unis schneiden im "THE"-Ranking gut ab - viel besser als früher. Das liegt allerdings auch an Schwachstellen der Messmethode.

Die deutschen Unis dürfen sich freuen: Im weltweiten Vergleich machen sie einen Sprung nach vorn. Das will zumindest das Fachmagazin "Times Higher Education" ermittelt haben , das jedes Jahr Universitäten in eine weltweite Rangliste bringt. "Deutschland ist einer der herausragenden Leistungsträger des diesjährigen Rankings", sagt Phil Baty, Redakteur des Hochschulmagazins.

Amerikanische und britischen Hochschulen dominieren zwar im globalen Vergleich. Neun der zehn besten Universitäten befinden sich demnach in Großbritannien und den USA. Doch unter den 200 laut "Times Higher Education" besten Universitäten sind 20 deutsche. Am weitesten nach vorn schafft es die LMU München, die auf Platz 29 rangiert. Unter den 800 besten Universitäten sind 37 deutsche. Damit sei Deutschland nach den USA und Großbritannien und gemeinsam mit China und Japan das Land, das am häufigsten in der Top-Tabelle der Hochschulbildung vertreten ist.

Dabei hieß es doch jahrelang, die deutsche Wissenschaft drohe, den Anschluss zu verlieren. Was ist also passiert?

Ganz vorn sind Unis aus der Exzellenzinitiative

Baty glaubt den Grund zu kennen: Mit der Exzellenzinitiative haben Bund und Länder in den vergangenen Jahren Milliarden in die Hochschulen gepumpt. Von 2007 bis 2017 fließen insgesamt 4,6 Milliarden Euro in die Hochschulforschung. Um das Geld mussten sich die Universitäten bewerben, nicht jede kam zum Zuge. Immer wieder wurde daher Kritik laut, die Exzellenzinitiative mache vor allem die Universitäten stärker, die ohnehin schon gut dastehen.

Der jüngste Förderatlas der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bestätigt diese Befürchtungen zum Teil. Die Fördergelder für Forschungsprojekte konzentrieren sich demach auf wenige Hochschulen: An die 14 Elite-Universitäten gehen demnach 38 Prozent aller Drittmittel. Das ist mehr als doppelt so viel, wie es dem Anteil der an diesen Universitäten tätigen Professoren entspricht.

Auch im weltweiten Ranking von "Times Higher Education" stehen die Elite-Unis vorn: Die ersten sechs der zehn bestplatzierten deutschen Unis sind im Exzellenzwettbewerb mit dem Siegel ausgezeichnet worden.

Das Programm, darauf hat sich die Große Koalition in Berlin bereits verständigt, soll fortgesetzt werden - noch einmal mit mindestens 4,6 Milliarden Euro. Ob wie bisher ausgewählte Universitäten mit dem Elite-Siegel versehen werden sollen oder künftig mehr Geld in die Breite fließt - darüber streiten die Hochschulpolitiker von Union und SPD derzeit.

"THE"-Ranking 2015/16

Forschung und Lehre, Geistes- und Naturwissenschaften, Oxford und Osnabrück - Das Uni-Ranking der Zeitschrift "Times Higher Education" will Universitäten ganzheitlich evaluieren. Dazu befragt sie jedes Jahr mehr als zehntausend Wissenschaftler, erhebt Dutzende Indikatoren - und fasst sie in einer Ranglsite zusammen. Das sind laut "THE"...

Die Tücken der Statistik

Doch liegt es wirklich nur an der Exzellenzinitiative, dass deutsche Unis einen Sprung nach vorn gemacht haben im Ranking? Baty gibt offen zu, dass auch ein viel banalerer Faktor eine Rolle gespielt haben könnte: Die Universitäten sind besser darin geworden, den Ranking-Verantwortlichen die richtigen Daten zukommen zu lassen.

Das Magazin bewertet die Universitäten anhand einer Reihe verschiedener Kriterien: Wie häufig werden Veröffentlichungen der Uni-Forscher in der Wissenschaftsgemeinschaft zitiert? Wie viele Studenten betreut ein Lehrender? Wie hoch ist der Anteil der Studenten aus dem Ausland? Aus insgesamt 13 Merkmalen bilden die Macher einen Index, der die verschiedenen Universitäten in eine Rangfolge bringt. Das ist umstritten: Kann eine Platzierung wirklich aussagekräftig sein, bei der so verschiedene Qualitätsmerkmale gleich behandelt werden?

Einen Teil der Daten liefern die Hochschulen zudem selbst - und gingen dabei bislang höchst verschieden vor. Die Universität Tübingen zum Beispiel verbesserte sich im vergangenen Jahr um rund hundert Plätze. Der Grund: Die Universität hatte zuvor alle Wissenschaftlerstellen nach London gemeldet, im vergangenen Jahr aber nur Wissenschaftler mit unbefristeten Verträgen. Ein Indikator wie etwa die Pro-Kopf-Forschungsgelder fällt damit günstiger für die Uni aus - und verschafft ihr einen Sprung nach vorn im Ranking.

Außenministerium will Ranking-Erfolge verbessern

Es gibt noch mehr solcher Schwachstellen im "Times Higher Education"-Ranking. Das Berliner Außenministerium hat daher vor zwei Jahren mit zwei Universitäten ein Forschungsprojekt initiiert, um die deutsche Wissenschaft in der Welt besser dastehen zu lassen. Der Titel: "Verbesserung internationaler Rankingergebnisse deutscher Universitäten. Die Technische Universität Dresden und die Universität Tübingen als Vorreiter für das internationale Bildungsmarketing des Standorts Deutschland". Ein Ergebnis des Projektes war, dass die Uni Tübingen nun ihre Mitarbeiterstellen anders nach London meldet.

Mit Datentrickserei, sagt eine Sprecherin der TU Dresden, habe das nichts zu tun. Oft beruhen die Tücken des Rankings schlicht darauf, dass Briten und Amerikaner unter bestimmten Begriffen anderes verstehen als deutsche Hochschulmanager.

Eine weitere Erkenntnis des Projekts: Deutsche Wissenschaftler bezeichnen ihre Heimatuniversität in ihren Publikationen höchst divers. Mal steht zum Beispiel TU Dresden unter einem Aufsatz in einem Fachjournal, mal ist von der Technischen Universität die Rede. Die Folge: Das Ranking berücksichtigt nur einen Teil der Veröffentlichungen, die die Forscher einer Hochschule hervorbringen.

Inzwischen hat das Forschungsprojekt des Außenministeriums einen Empfehlungskatalog erarbeitet und im Frühjahr der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) übergeben. Damit deutsche Unis in den nächsten Runden noch besser dastehen.

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