Uni-Schönheitskönigin Weiße Miss klagt über Rassismus schwarzer Studenten

Zum ersten Mal hat eine weiße Studentin die Miss-Wahlen an der US-Uni Hampton gewonnen, an der vor allem Schwarze studieren. Doch Nikole Churchill fühlte sich wegen ihrer Hautfarbe diskriminiert - und schrieb zornig an Barack Obama. Inzwischen hat sie sich entschuldigt.


Eine Schönheitskonkurrenz an der Hampton University sorgt landesweit für Wirbel. Die Hochschule im Bundesstaat Virginia ist traditionell afroamerikanisch dominiert, und die Miss-Wahl am 9. Oktober wurde zu einer Premiere: Zehn Studentinnen zeigten sich im Abendkleid, im Badeanzug und bei Talentproben. Als erste Gewinnerin mit weißer Hautfarbe setzte sich Nikole Churchill, 22, gegen ihre Rivalinnen durch - bei den 14 Wahlen zuvor erhielten stets schwarze Studentinnen das Krönchen.

Churchill, die aus Hawaii kommt und Krankenpflege studiert, sprach von der "Nacht ihres Lebens". Sie gewann ein Stipendium über 1500 Dollar, trägt jetzt den Titel der "Homecoming Queen" und ist das Gesicht der Uni bis zur nächsten Wahl im Herbst 2010. Doch ihre Freude währte nicht lange. Bereits zwei Tage später beklagte sie sich in einem Brief an US-Präsident Barack Obama, sie werde an der Hampton University diskriminiert.

"Der Grund für die Missbilligung ist meine Hautfarbe: Ich bin keine Afroamerikanerin", schrieb Churchill. "Ich werde hier nicht allgemein akzeptiert." Sie bat Obama um Hilfe und um einen Besuch an der Hochschule: Der Präsident, der ebenfalls auf Hawaii geboren wurde, möge die Studenten überzeugen, dass sie sich "nicht so sehr auf meine Hautfarbe konzentrieren und meine Fähigkeiten zu repräsentieren anzweifeln sollen". Man solle doch stolz darauf sein, dass Verschiedenartigkeit in den USA zunehmend akzeptiert werde.

"Ich habe die Kommentare von Einzelnen maßlos aufgeblasen"

Der Brief an Obama löste viel Kritik aus. Miss-Wahl-Leiterin Shelia Maye nahm die Studentin in Schutz und zeigte sich entsetzt über die starke Polarisierung der Diskussion auf dem Campus. Die Wahl einer nicht-schwarzen Studentin sei ein Meilenstein für die Uni, sagte sie der Zeitung "Daily Press". Einige Studenten sagten, es gehe um etwas anderes als Churchills Hautfarbe - sie studiere und lebe nicht mit den anderen 5700 Studenten auf dem Hauptcampus, sondern besuche eine Uni-Filiale mit nur 70 Studenten.

Am Ende ging Churchill in sich. Am Freitag veröffentlichte die Universität auf der Homepage ein Entschuldigungsschreiben an alle Studenten, Uni-Mitarbeiter und Absolventen: Sie habe den Fehler gemacht, "die Kommentare von Einzelnen aufzugreifen und sie maßlos aufzublasen", so die Schönheitskönigin. Negative Aufmerksamkeit für die Hochschule zu erzeugen, sei überhaupt nicht ihre Absicht gewesen.

Es ist nicht das erste Mal, dass es Trubel um eine Schönheitskönigin der Universität gibt: Im April 2008 wurde die damals amtierende "Miss Hampton" beim Ladendiebstahl erwischt.

jol/AFP

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