Uni-Spitzen Wie die deutschen Rektoren ticken

Der typische Hochschulrektor ist um die 60, wählt CDU und hält sich für unterbezahlt. Die Berufung guter Professoren ist ihm wichtig, mit Studenten hat er wenig zu tun - eine Umfrage des Deutschen Hochschulverbandes zeigt, wie die Uni-Chefs denken und arbeiten.

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Was für die Leiter deutscher Hochschulen am stärksten zählt, ist die Qualität der Professoren - von höchster oder hoher Bedeutung für ihre Arbeit, sagen 99 Prozent der Rektoren und Präsidenten. Auf den nächsten Plätzen folgen die Qualität der Studiengänge und das Engagement der Lehrenden. Dagegen interessieren sich die Hochschulleiter nur am Rande für Alumni, Fundraising oder Studienabbrecher. Und auch, wie ihre Hochschule bei Rankings abschneidet, quittieren sie vielfach mit einem Achselzucken.

Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Zeitschrift "Forschung & Lehre" des Deutschen Hochschulverbandes (DHV). Die Berufsvertretung der Uni-Professoren schickte Fragebögen an 173 Präsidenten und Rektoren von Universitäten, Musik- und Kunsthochschulen. 77 davon gaben Auskunft, wie sie sich und ihr Amt einschätzen, welche Aufgaben sie für besonders wichtig halten und womit sie sich intensiv beschäftigen.

Die meisten Hochschulleiter waren vor ihrem Amtsantritt Professoren oder Dekane einer Fakultät und kommen aus den Reihen der eigenen Hochschule, nicht von auswärts. Rund zwei Drittel waren zuvor schon mindestens zehn Jahre lang Hochschullehrer. Von zentraler Bedeutung ist für sie die Berufung von guten Professoren: Praktisch alle widmen dieser Aufgabe große Aufmerksamkeit, ebenso wie der "Profilbildung der Universität", während studentischen Belange und Begabtenförderung weit weniger Beachtung finden.

Eine bessere Ausbildungsqualität sehen sie aber schon als einen der wichtigsten Teile ihrer Arbeit. Fast ebenso stark beschäftigen die Hochschulleiter das "Auffangen finanzieller Kürzungen" und die Drittmitteleinwerbung; auch die "Regulierungswut des Ministeriums" macht ihnen Kummer. Als Aufgabe weniger wichtig ist ihnen alles, was direkt mit Studenten zu tun hat: die Qualität der Erstsemester und die Auswahlverfahren, die Überlast in den Studiengängen und die Abbrecherquoten. Und wissenschaftliches Fehlverhalten - also etwa Plagiate oder die Fälschung von Forschungsergebnissen - beschäftigt sie fast gar nicht.

Spenden-Einwerbung spielt fast keine Rolle

Der DHV hat in der Umfrage auch ermittelt, wie die Rektoren und Präsidenten ihren eigenen Berufsalltag beschreiben. Neben "allgemeinen Führungsaufgaben" arbeiten sie am stärksten an Personal-, Verwaltungs- und Budgetfragen, dahinter folgen studentische Belange und Öffentlichkeitsarbeit. Fundraising, Alumni-Angelegenheiten und der Hochschulsport rangieren weit abgeschlagen auf den letzten Plätzen.

Interessant daran ist auch der Vergleich mit den Prioritäten von Uni-Präsidenten in den USA: Die nämlich gaben in einer Studie an, dass ihre ganz große Sorge ein ausgeglichenes Budget und das Erreichen der Fundraising-Ziele sei, wie die DHV-Zeitschrift "Forschung und Lehre" berichtet. Mit dem Einwerben von Spenden und anderen Mitteln beschäftigen sich die Amerikaner am meisten - und auch am liebsten. Im Alltag der deutschen Hochschulleiter ist dafür kaum Platz.

Von den Arbeitsschwerpunkten zeugt auch die Liste der Menschen, zu denen die Uni-Chefs am häufigsten Kontakt haben: beinahe täglich die Kanzler und die eigenen Stellvertreter, etwa wöchentlich Mitarbeiter des Pressereferats und der Personalabteilung, ungefähr monatlich Senatsmitglieder und den Asta-Vorsitzenden - und den Vorsitzenden des Ehemaligen-Vereins noch seltener oder nie.

Auf das Fundraising, auf Verwaltungsvorgänge und auf Hochschulbau-Entscheidung fühlten sich die Hochschulleiter am schlechtesten vorbereitet. Die meisten kommen aber in ihrem Job gut zurecht und würden auch erneut kandidieren, wenn sie die Uhr zurückdrehen könnten. Mit dem Gehalt sind sie allerdings unzufrieden: Fast drei Viertel sehen sich nicht angemessen bezahlt.

Politisch sind die Rektoren und Präsidenten im Schnitt eher konservativ. Bei der letzten Bundestagwahl stimmten knapp 39 Prozent für die Union, 25 Prozent für die SPD, 11 Prozent für die FDP. Überraschend stark schnitten mit 19 Prozent die Grünen ab. Andere Parteien spielten keine Rolle; fünf Prozent gingen nicht wählen. Nur wenige, nämlich 14 Prozent, gehören einer Partei an.



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