Uni-Zulassung Die ZVS ist tot, sie lebe hoch

An den Unis herrscht Chaos, seit sie ihre Bewerber selbst auswählen können. Für Abiturienten ist nur schwer durchschaubar, ob, wann und wo sie eine Studienchance erhalten. Jetzt wollen die Länder die ZVS zur Servicestelle umrüsten, damit sie die Hochschulen entlastet.

Seit einer kleinen Ewigkeit schon wird über Zweck und Aufgaben der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) gestritten. Nach langem Hin und Her haben die Länder jetzt das Ende der Dortmunder Behörde besiegelt - aber nicht ganz: Die ZVS wird zu einer Servicestelle. Darauf haben sich die Kultusminister Mittwochabend in Berlin geeinigt.

Ab dem Wintersemester 2008/09 soll die ZVS ein bundesweites Bewerbungsportal einrichten. Ihre künftige Aufgabe: die Hochschulen bei der Auswahl der Studienbewerber zu unterstützen und Studieninteressierte zu beraten.

Lange Zeit war die ZVS Dreh- und Angelpunkt für die Vergabe von Studienplätzen in vielen zulassungsbeschränkten Fächern. Seit drei Jahren dürfen die Hochschulen 60 Prozent ihrer Bewerber selbst auswählen. Am Anfang nahmen nur wenige diese Möglichkeit wahr - die Auswahl macht viel Arbeit, kostet Zeit und Geld.

Inzwischen haben viele Hochschulen eigene Kriterien entwickelt – und Abiturienten finden sich immer schwerer zurecht. Einige Hochschulen führen Auswahlgespräche durch, andere berücksichtigen fachspezifische Abiturnoten. Bewerber müssen sich oft mühsam durch die Internetseiten ihrer zukünftigen Uni klicken, um die relevanten Informationen zu finden.

Das neue Verfahren bedeutet aber auch für die Uni-Verwaltungen mehr Arbeit. Weil die angehenden Studenten nicht wissen, ob sie den Studienplatz an ihrer Wunschhochschule bekommen, verschicken sie mehrere Bewerbungen gleichzeitig. Weil sich viele Bewerber nicht melden, wenn sie bereits an einer anderen Hochschule angenommen wurden, vergeben die Hochschulen jeden Studienplatz mehrmals - ein echter Zeitfresser. Deswegen kommt auch das Nachrückverfahren nur langsam in Gang und zieht sich teilweise bis in die ersten Vorlesungswochen.

"Der Student muss König Kunde werden"

Für das neue Auswahlverfahren hagelt es viel Kritik. Ein Ärgernis sind die Kosten von 50 Euro, die Bewerber im Schnitt zahlen müssen, wenn sie die obligatorischen Auswahltests mitmachen. Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses Ulla Burchardt (SPD) spricht von einem "zunehmenden Wirrwarr unterschiedlicher Zulassungsregelungen". Notfalls müssten die Hochschulen per Gesetz dazu verpflichtet werden, "sich an einem Abgleich von Mehrfachbewerbungen und –zulassungen zu beteiligen". Die ZVS müsse als "Top-Beratung" organisiert werden und der "Kunde, also der Student, König werden - vor allem dann, wenn er von den Ländern und den Hochschulen kräftig zur Kasse gebeten wird", so Burchardt.

Die neue Servicestelle soll das Verfahren vereinfachen. Sie soll die Bewerber bei der Studienplatzwahl beraten, über die Zulassungsverfahren der Hochschulen informieren und die Bewerbungen mit einer Rangfolge der Wunschhochschulen zentral annehmen. Die Servicestelle sammelt und sortiert die Bewerbungen und leitet sie an die Hochschule weiter, die dann ihre eigenen Auswahlverfahren durchführen.

Entscheidendes Kriterium bleibt die Abiturnote. "Alle anderen Zulassungsverfahren erfordern einen erheblichen Aufwand, wie ihn die Hochschulen kaum leisten können", sagte KMK-Präsident Jürgen Zöllner am Mittwoch in Berlin. Mit der neuen Servicestelle wollen die Länder Hochschulen und Bewerber entlasten. Ob sich die Unis an dem neuen System beteiligen, bleibt ihnen jedoch selbst überlassen. "Ich rate jeder Hochschule mitzumachen", sagt Zöllner, "es reduziert den Aufwand für alle."

Die ZVS wird damit zu einer Stiftung öffentlichen Rechts. Die Finanzierung übernehmen Länder und Hochschulen gemeinsam. Der Jahresetat soll zunächst bei 9,5 Millionen Euro liegen. Das Ende der ZVS, die 1973 gegründet wurde, hatte sich in den vergangenen Jahren abgezeichnet. Die Hochschulrektoren hatten die neue Servicestelle schon länger gefordert, waren aber an den Ländern gescheitert.

Zuletzt verwaltete die Dortmunder Vergabestelle nur noch einen Teil der Studienplätze. Bundesweit waren das Biologie, Pharmazie, Psychologie und alle medizinischen Fächer. Zudem für Nordrhein-Westfalen Betriebswirtschaft, Pädagogik oder Jura. Pro Fach vergab sie je 20 Prozent der Studienplätze nach Abiturnote und Wartezeit.

mer/dpa/AP

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