Uni-Kino Der Dude im Hörsaal

Harry-Potter-Marathons, Kult-Klassiker und immer wieder "The Big Lebowski" - in vielen Uni-Städten betreiben Studenten eigene Kinos. Vier Filmvorführer erzählen vom Balanceakt zwischen Blockbuster und Indie-Film.
Von Björn Schneider
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Uni-Kinos: Nostalgiker und Filmfreaks hereinspaziert

Foto: DDP

Sie streiten über die Filmauswahl, reparieren den Projektor und wechseln sich ab beim Kartenabreißen - wer ein Uni-Kino betreibt, muss alles selbst machen. In Hochschulgruppen oder Vereinen organisieren Studenten in den meisten deutschen Uni-Städten eigene Kinos.

Die Vorführungen in Hörsälen oder Institutskellern sind beliebt - besonders unter Filmkennern. Frei von Profitdruck zeigen die Studentenkinos Indie-Filme oder Klassiker, die sich für die großen Paläste nicht lohnen.

Filme zeigen - so gehts

In den nächsten Jahren könnte manches Uni-Kino zum Pilgerort für Nostalgiker werden: Während große Häuser längst auf digitale Vorführtechnik umgestellt haben, spielen die meisten Uni-Kinos ihre Filme weiter auf 35-Millimeter-Rollen ab.

Für welche Filme stürmen Studenten in die Hörsäle? Wie kommt man an die Filme? Wie viel Stress ist es, ein eigenes Kino zu leiten? Die Betreiber von Uni-Kinos in vier Städten antworten:

Marvin Dickhaus, TU Darmstadt - "Ein Potter-Wahnsinn von 20 Stunden"

Marvin Dickhaus vom studentischen Filmkreis: Hitzige Debatten um die Filme

Marvin Dickhaus vom studentischen Filmkreis: Hitzige Debatten um die Filme

Foto: Björn Schneider

Warum Uni-Kino? Ich bin zufällig auf den Filmkreis gestoßen, als ich mich über das Kinoprogramm in der Stadt informiert habe. Er war viel günstiger als das städtische Kino, dazu kam eine coole Filmauswahl. Beim Rundgang durch den Vorführraum mit den 35-Millimeter-Projektoren wurde mir schnell klar, dass es hier um mehr geht, als nur ein Bild auf die Leinwand zu werfen.

Was sind Ihre Aufgaben? In diesem Jahr bin ich Kassenwart. Die Webseite betreue ich im Moment auch.

Wie sieht die Filmauswahl aus? Uns sind außergewöhnliche Filme wichtig. Oft sind das Filme, die in Deutschland keinen Verleih gefunden haben. Aber natürlich müssen wir uns finanzieren, weshalb wir hin und wieder Blockbuster zeigen.

Verfolgt ihr ein bestimmtes Konzept? Unser Ziel ist es, das Filmverständnis zu fördern. Das Programm wird bei uns einmal im Semester in einer mehrstündigen Sitzung mit hitzigen Debatten festgelegt.

Marvins Uni-Kino-Filmtipps: Wir zeigen gerne den deutschen Film "13 Semester" mit Max Riemelt. Der Film wurde größtenteils in Darmstadt gedreht, und er zeigt ein realistisches Bild vom Studentenleben. Ein weiterer unverwüstlicher Klassiker: "The Big Lebowski" mit Jeff Bridges und John Goodman. Das größte Highlight in der letzten Zeit war aber unser "Harry Potter"-Special, bei dem wir alle acht Filme am Stück gezeigt haben. Ein Potter-Wahnsinn von über 20 Stunden Länge!

Horst Münnich, Uni Köln - "Transformers? Eher nicht"

Warum Uni-Kino? Hier kann ich mein Interesse an politischer Arbeit mit dem Kino verbinden, denn ein Anliegen des Uni-Kinos ist es, im politischen Bereich aktiv zu sein. So zeigen wir zum Beispiel am 8. Mai Filme zum Thema Antifaschismus.

Wer macht was? Mein Kollege Frank und ich machen außer dem Vorführen alles selbst: die Flyer zum Beispiel, die Organisation und Filmbeschaffung. Die Technik übernimmt unser Filmvorführer Herr Wolf, der früher in Kölner Kinos gearbeitet hat. Er ist fast 80 und hat zum Beispiel noch Platzanweiser in den Kinos erlebt.

Wie sieht die Filmauswahl aus? Wir wollen unbekannte Filme bekannt machen. "Transformers" würden wir eher nicht zeigen.

Verfolgt ihr ein bestimmtes Konzept? Unser Hauptanliegen ist es, Filmreihen zu ausgewählten Themen zu zeigen. So hatten wir zum Beispiel schon die Themenschwerpunkte DDR oder Lateinamerika. Außerdem wollen wir mit unserer Filmarbeit Initiativen und Organisationen unterstützen, wie etwa Amnesty International oder Greenpeace.

Horsts Uni-Kino-Filmtipps: Bei "Searching for Sugar Man" haben die Besucher am Ende sogar Beifall geklatscht. Auch stark: "Das Summen der Insekten", eine Schweizer Dokumentation mit beeindruckenden Naturaufnahmen. An Weihnachten haben wir mal "Ben Hur" mit Ouvertüre und Pause gezeigt, in Anlehnung an die frühe Kinozeit.

Klemens Burk, Uni Frankfurt - "The Big Lebowski ist natürlich großartig"

Klemens Burk von der "Pupille": Jeder darf zwei Filme aussuchen

Klemens Burk von der "Pupille": Jeder darf zwei Filme aussuchen

Foto: Björn Schneider

Warum Uni-Kino? Zuerst war ich lange als Stammgast bei den Vorführungen dabei. Irgendwann habe ich nachgefragt, ob sie noch Leute suchen.

Wer macht was? Bei uns kann jeder so ziemlich alles machen. Mal an der Theke stehen oder an der Kasse oder den Film vorführen. Insgesamt sind wir im Moment 16 Leute. Pro Semester darf sich jedes "Pupille"-Mitglied zwei Filme aussuchen, die gezeigt werden, und der- oder diejenige schreibt auch die Texte fürs Programmheft.

Verfolgt ihr ein bestimmtes Konzept? Wir wollen ein abwechslungsreiches Programm bieten. Durch die Zusammenarbeit mit dem Institut Français, das den kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Frankreich fördert, bekommen wir auch gute französische Filme. Außerdem zeigen wir immer wieder kleine Filmreihen oder legen Themenschwerpunkte aus aktuellem Anlass, zum Beispiel zum Tode von Philip Seymour Hoffman.

Klemens' Uni-Kino-Filmtipps: "The Big Lebowski" ist natürlich großartig und einer der wenigen Filme, die wir wiederholen. Einer meiner ganz persönlichen Favoriten ist "2001" von Stanley Kubrick, das Ende ist großartig! Oder "A Hard Days Night", der Beatles-Film. Manche Leute haben ein Faible für bestimmte Themen im Film. Mir kommt es eher auf die Visualität, Ästhetik und die Bildsprache eines Regisseurs an.

Waldemar Huber, Uni Würzburg: "Ein Eintritt von 1,80 Euro reicht aus"

Waldemar Huber vom "Filmclub": Besuch vom Nikolaus

Waldemar Huber vom "Filmclub": Besuch vom Nikolaus

Foto: Björn Schneider

Warum Uni-Kino? Ich war im ersten Semester oft bis 19 Uhr an der Uni. Danach kann man mit seinen Kommilitonen den Tag bei einem Film super ausklingen lassen. Einmal habe ich einen Filmclub-Mitarbeiter darauf aufmerksam gemacht, dass auf der Webseite veraltete Informationen standen. Darauf fragte er mich: "Willst du es besser machen?"

Was machen Sie da? Neben der Webseite kümmere mich um die Technik. Eigentlich gibt es bei uns aber keine fest verteilten Aufgaben - jeder kann das machen, was ihm gerade am meisten Spaß macht.

Wie finanziert ihr euch? Im Prinzip reicht der Eintritt von 1,80 Euro aus. Es gibt zwar Fixkosten wie Lizenz- und Gema-Gebühren, und die Filme werden unterschiedlich gut besucht, sodass es nicht immer ausreichen würde. Das wird aber durch Unifilm, die Dachorganisation etlicher Uni-Kinos in Deutschland, ausgeglichen.

Wie sucht ihr eure Filme aus? Gegen Ende des Semesters treffen wir uns, um gemeinsam die Trailer der letzten Zeit anzusehen oder über Filme von Festivals zu sprechen. Wir achten auf eine ausgewogene Mischung der Genres. Blockbuster machen natürlich einen großen Teil aus, aber da wir uns nicht direkt am Markt durchsetzen müssen, sind wir in der Lage kultigen Trash oder auch mal einen anspruchsvolleren oder ungewöhnlichen Titel einzustreuen.

Waldemars' Uni-Kino-Filmtipps: Um Nikolaus zeigen wir "Die Feuerzangenbowle", sogar zweimal. Es haben sich schon Rituale etabliert: Die Studenten bringen Bowle mit und bei bestimmten Szenen im Film leuchten sie mit Taschenlampen, zünden Wunderkerzen an oder lassen Wecker klingeln. In der Mitte des Films bekommen wir dann Besuch vom Nikolaus, der einen satirischen Jahresrückblick in Gedichtform vorträgt und Lebkuchen verteilt.