Universität der Künste Berlin Stardesignerin Westwood feiert Ausstand

Mit einer glamourösen Modenschau verabschiedete sich Vivienne Westwood als Dozentin von der Berliner Universität der Künste. Ihre Studenten präsentierten neueste Kreationen. "Denken statt Konsumieren", empfahl Westwood dem Designer-Nachwuchs.


Vivienne Westwood: Bye, bye Berlin
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Vivienne Westwood: Bye, bye Berlin

Berlin - Die große Dame des Punkdesigns, Vivienne Westwood, versetzt Berlin und die deutsche Modeszene zum Abschied in Melancholie. Nach fast zwölf Jahren beendet die britische Modeschaffende nun ihre Lehrtätigkeit an der Universität der Künste (UdK). Mit einer glamourösen Modenschau auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof verabschiedeten sich Samstagnacht die Meisterschüler von ihrer Professorin. Die 64-Jährige will sich künftig neben ihrer eigenen Firma verstärkt politischen und literarischen Projekten widmen. Ihr Engagement hatte in der Vergangenheit wesentlich dazu beigetragen, aus der deutschen Hauptstadt eine internationale Fashion-Metropole zu machen.

Zunächst sorgte Westwood selbst für ein minutenlanges Blitzlichtgewitter und zog die Blicke der rund 1500 Zuschauer auf sich. Dabei schien es, als sei der Britin der Rummel um ihre Person gar nicht so recht. Mit konzentrierten Blick und ohne Allüren bahnte sie sich den Weg durch die Menge, um die diesjährigen Kreationen ihrer Zöglinge zu begutachten. Sie selbst trug ein schwarzes, hochgeschlossenes Kleid, das durch ihr rotes Haar, glitzernde Schmuckteile und eine schmalrandige Brille kontrastiert wurde.

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Vivienne Westwood: Große Dame des Punk-Designs
Als "Queen of Punk" hatte sich Westwood in den späten siebziger und in den achtziger Jahren in der internationalen Modewelt einen Namen gemacht. Auf dieses Image möchte sie heute nicht mehr festgelegt werden. Gegen den Mainstream und einen bequemen und unkritischen Lebensstil richtet sich die Stardesignerin aber auch heute noch. Im Vorfeld des Abschiedsdefilees betonte sie etwa: "The more you consume, the less you think" - je mehr man konsumiert, desto weniger denkt man nach. Und ihren Studenten riet sie, das Fernsehgerät zu verbannen und stattdessen Bücher zu lesen oder Kunstgalerien zu besuchen.

Westwoods Handschrift war auch in den Arbeiten der jungen Modemacher zu erkennen. Zu Ehren der ehemaligen Punk-Ikone wurden zunächst die "Best Of"-Kreationen der letzten zwölf Jahre gezeigt.

Dann präsentierten Studenten des derzeitigen ersten und zweiten Studienjahrs ihre aktuellen Entwürfe. Höhepunkt der Modenschau waren die Kollektionen der Diplomanden, die sich von Theaterstücken wie "Elektra", "Altneuland" oder "Madame de Sade" inspirieren ließen.

Typisch für die Meisterschüler war das Aufgreifen historischer Schnitte und ethnischer Formen, die in einen modernen Kontext gesetzt wurden.

Zu sehen waren etwa spektakuläre Entwürfe wie ein hochgeschlossenes aber Po-betonendes schwarzes Kleid, mit Plüschtieren kombinierte Männeranzüge oder ein türkises Drapés, das den weiblichen Körper nur an den nötigsten Stellen verhüllt. Aber auch alltagstaugliche Stücke aus leichten fließenden Stoffen wurden präsentiert. Vorherrschend waren die Farben Grau, Braun, Blau, Beige und Schwarz. Grelle Töne gab es fast nicht.

Die besten Entwürfe wurden von einer Jury aus internationalen Designern prämiert. Nach dem Defilee gab es zu Ehren Westwoods eine "Thanks- and Goodbye"-Party. So recht Abschied nehmen wollte Berlin von der Modemacherin aber nicht. Die Party war auch in den frühen Morgenstunden noch nicht zu Ende.

Xuân Müller, ddp



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