Uni Frankfurt Proteste gegen Kopftuchkonferenz

An der Frankfurter Goethe-Universität hat es Kritik gegen eine Diskussionsveranstaltung zum Thema Kopftuch gegeben. Dahinter stecken offenbar Studierende. Die Uni-Präsidentin nannte die Äußerungen "unwürdig".

Hauptgebäude auf dem Campus Westend der Uni Frankfurt (Bild von 2014)
Frank Rumpenhorst / DPA

Hauptgebäude auf dem Campus Westend der Uni Frankfurt (Bild von 2014)


Vor einer am 8. Mai stattfindenden Konferenz mit dem Titel "Das islamische Kopftuch. Symbol der Würde oder der Unterdrückung?" ist an der Goethe-Universität Frankfurt eine Debatte über Redefreiheit ausgebrochen.

Eine Gruppe forderte online, die Organisatorin der Veranstaltung, die Ethnologie-Professorin Susanne Schröter, ihres Amtes zu entheben und die Konferenz abzusagen. Mehrere Medien hatten über den Vorfall berichtet.

Die Konferenz wird ausgerichtet vom Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam (FFGI), dessen Leiterin Schröter ist. Auf der Rednerliste finden sich unter anderem "Emma"-Gründerin Alice Schwarzer, die deutsch-türkische Frauenrechtlerin und Soziologin Necla Kelek als Vorstandsfrau von "Terre des Femmes" und die Journalistin Khola Maryam Hübsch, die sich gegen ein Kopftuchverbot ausspricht. Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft des Hessischen Ministers für Soziales und Integration.

"Rechtspopulisten würden Zuspruch erhalten"

Die Gegner der Konferenz, die sich als Studierende der Uni Frankfurt ausgeben, schrieben unter dem Namen "Uni gegen AMR - kein Platz für Anti-Muslimischen Rassismus" via Instagram unter dem Schlagwort "#schroeter_raus": "Gerade heute mit der steigenden Salonfähigkeit von Rechtspopulismus, werden in Deutschland Menschen, die das Kopftuch tragen, Opfer von rechter Gewalt und Rassismus. Diese Rechtspopulisten würden durch die Konferenz Zuspruch erhalten." Der Account ist mittlerweile nicht mehr zugänglich.

In einem Statement reagiert die Präsidentin der Goethe-Uni, Birgitta Wolff: "Im Rahmen der Wissenschaftsfreiheit steht es den Fachbereichen, Instituten und Professuren der Goethe-Universität nicht nur frei, Veranstaltungen in eigener Regie und mit eigener thematischer Ausrichtung zu gestalten. Es ist vielmehr ausdrücklich Teil ihrer Aufgaben". Wolff betont die "unterschiedlichen Stimmen" der Konferenz, die sich mit der genannten Fragestellung beschäftigen. In diese könne und wolle sich das Präsidium nicht einmischen.

Universität stellt sich hinter Schröter

"Das Präsidium ist keine Diskurspolizei", schreibt Wolff. "Auch Versuche mancher Kreise, sich selbst zur 'Diskurspolizei' zu ernennen, weisen wir mit größtem Nachdruck zurück." Social-Media-Plattformen stünden jeder Gruppe zur freien Meinungsäußerung zur Verfügung, Äußerungen wie "schroeter_raus" hätten hingegen nichts mit einem wissenschaftlichen oder demokratischen Diskurs zu tun und seien "unwürdig". Auch der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) distanzierte sich laut "Faz" und "Welt" von der Aktion.

Zur Zeit ist unklar, wer für die Proteste verantwortlich ist. Das Büro der Wissenschaftlerin ist momentan auf der Suche nach den Urhebern. "Wir wissen nicht, wer dahintersteckt", sagte Büroleiter und Forschungskoordinator Oliver Bertrand. Man gehe aber davon aus, dass es Studierende der Uni Frankfurt seien. Die kritisierte Veranstaltung unter der Schirmherrschaft der hessischen Landesregierung werde auf alle Fälle stattfinden.

ngo/dpa



insgesamt 32 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mc6206 26.04.2019
1. Anonymität
Ist das Problem und anonyme Angriffe oder Kritiken sollten ignoriert werden, von allen Medien.
joachimpeter 26.04.2019
2. Religionsfreiheit
Mir ist es wirklich ein Rätsel, weshalb in einem Land, in dem eigentlich Religonsfreiheit zu den Grundlagen der Staatspolitik gehören soll, ständig über Kopftücher diskutieren muss. Natürlich k a n n ein Kopftuch ein Symbol der Unterdrückung sein - nämlich genau dann, wenn auf die Trägerin ein Zwang ausgeübt wird, es zu tragen. Ein Zwang, es nicht zu tragen, ist aber eine ebenso schlimme Unterdrückung, wenn die Trägerin ihr Kopftuch als wichtiges Element ihres Glaubens betrachtet, oder sich aus anderen Gründen selbst entschieden hat, es zu tragen. In einem Staat, der Kopftücher verbietet, herrscht keine größere Religionsfreiheit wie in einem, der Frauen zum Tragen von Kopftüchern verpflichtet. B e i d e s ist eine schwere E n t m ü n d i g u n g der Frau.
Benjamin N. Walter 26.04.2019
3. Falsche Bildunterschrift
Was Sie hier abbilden, ist nicht das Hauptgebäude der Goethe-Universität Frankfurt, sondern das IG Farben-Gebäude, in dem zahlreiche Institute der Universität untergebracht sind. Die Bildunterschrift ist doppelt falsch, weil sie obendrein den Namen, den beizubehalten aus politischen Gründen eine wichtige Entscheidung war, als die Goethe-Universität dieses Gebäude, in dem von 1945 bis in die 90er-Jahre das Hauptquartier der amerikanischen Streitkräfte war, vergisst.
freigeistiger 26.04.2019
4. Religion ist kein Kampfmittel
Es besteht das Recht auf freie Religionsausübung. Ob damit auch das Recht gemeint ist, sich penetrant und permanent in der Öffentlichkeit in Szene zu setzen und auf Rechte zu pochen darf bezweifelt werden. Es kommt nicht auf das Gesagte an, sondern immer auf das Gemeinte. Religionsfreiheit ist das Gesagte.
vormaerz 26.04.2019
5.
Hätte Achröter Akademiker eingeladen, die dazu geforscht haben, wäre es eine akademische Veranstaltung. Mit diesen Gästen ist es der xte Aufguss einer rassistischen Scheindebatte. Ich lehne das Kopftuch, wie alle anderen religiösen Symbole ab, insbesondere, wo Eltern oder der Staat sie Minderjährigen aufnötigen. aber Eingriffe in die persönliche Freiheit auf Verdacht ist unterste intellektuelle Schublade.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.